Lokales FD 17.07.2025

„Karlfried Staubach – Retrospektive“: Sonderausstellung eröffnet

Fulda (fp) – Karlfried Staubach ist einer der Gründer des „Jungen Kunstkreises Fulda“ und hat mit seinem Schaffen die Fuldaer Kunstszene in den 1950er- und 1960er-Jahren nachhaltig mitgeprägt und verändert. Gemeinsam mit dem Verein „Förderkreis Galerie 21“ hat das Vonderau Museum am Mittwochabend nun die Sonderausstellung „Karlfried Staubach – Retrospektive“ eröffnet, die noch bis zum 31. August durch verschiedene Kunstwerke das Leben des Künstlers beleuchtet.

Von links: Gisbert Seng überreichte Dr. Thomas Heiler ein Gemälde Staubachs als Geschenk. Foto: Felix Pillat

Von darstellendem Impressionismus bis hin zu völlig abstraktem Expressionismus und Dada: Staubach hat in seinem 39-jährigen Leben verschiedene Stile bedient und in seiner Kunst abgebildet. „In der Ausstellung gibt es über 62 Kunstwerke zu sehen, die die volle Bandbreite von Karlfried Staubach zeigen“, erklärte Vanessa Pape, Kuratorin der Ausstellung im Vonderau Museum. Darunter seien frühe Aquarelle, in denen Staubach die Fuldaer Region dargestellt habe, aber auch modernere Werke, die wesentlich abstrakter gestaltet seien. Offensichtlich hatten seine Werke auch noch Jahrzehnte nach seinem frühen Ableben im Jahr 1964 nachhaltig Bestand, denn zur Eröffnung war die Kapelle des Vonderau Museums prall gefüllt. „Aus Sicht des Museums sind wir immer sehr erfreut, wenn so großes Interesse an einer Ausstellung besteht“, freute sich die Kuratorin mit Blick auf die zahlreichen Besucher.

In seiner Laudatio malte Klaus Becker vom Förderkreis Galerie 21 wortreich ein Bild von Staubachs Leben und stellte ihn als künstlerischen Avantgardisten, talentierten Pädagogen und versierten Kaufmann und Kunstvermittler heraus. Er erzählte von Staubachs frühen Jahren, von amerikanischer Kriegsgefangenschaft, von seinem Schaffen als Kunstlehrer am Fuldaer Marianum und seiner flammenden Begrüßungsrede bei einem Treffen mit großen Fuldaer Künstlern wie Franz Erhard Walther und Egon Knapp, nach der er auf die Idee für die Gründung der Gruppe „Junge Kunst“ in der Domstadt kam. Auch 70 Jahre später sei die Erinnerung an das Leben und Wirken von Staubachs immer noch wach, lobte er weiter und fügte abschließend hinzu: „Er hat ein Werk geschaffen, das viel echtes Künstlertum ausstrahlt. Und das können wir heute in dieser Ausstellung bewundern.“

Nach Becker trat Staubachs Tochter, Constanze Kammer ans Pult. Sie dankte ihrem Vorredner für diese wundervolle Darstellung ihres verstorbenen Vaters und lobte: „Sie haben ihn wirklich zum Leben erweckt.“ Im Namen ihrer Familie dankte sie dem Vonderau Museum und allen Mitwirkenden für die Gelegenheit, das Schaffen ihres Vaters darstellen zu können. „Die Erinnerungen, ob erlebt oder erzählt, leben ungebrochen weiter und es ist eine unglaubliche Ehre diese Ausstellung gemeinsam mit Ihnen zu eröffnen“, freute sie sich sichtlich gerührt.

Bevor es mit der offiziellen Eröffnung losgehen konnte, gab es noch einen Überraschungsgast. Gisbert Seng, Wegbegleiter von Staubach und letztes, lebendes Mitglied der jungen Künstler, überreichte Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler ein frühes Gemälde Staubachs als Geschenk an die Stadt Fulda und das Vonderau Museum. Wie der mittlerweile 92-Jährige berichtete, habe er das Kunstwerk nach einer Restaurierung geschenkt bekommen und möchte es nun der Stadt übergeben. Der Stadtarchivar freute sich über dieses tolle Präsent, auch wenn die Museen derzeit eher auf „Entsammlung“ setzten, scherzte er: „Aber ich denke bei so jemand bedeutenden wie Karlfried Staubach, können wir eine Ausnahme machen.“

Musikalisch wurde die Veranstaltung von George Wagner (Gitarre) und Klaus Schenk (Xylophon) begleitet. Nach dem offiziellen Teil konnten die Besucher sich einen kleinen Snack beim Sektempfang genehmigen und sich die Ausstellung im Erdgeschoss ansehen.

Eröffnung „Karlfried Staubach – Retrospektive“. Fotos: Felix Pillat