Lokales FD 13.07.2025

Einzigartige Klassenfahrt: Biebersteiner Schüler reisen nach Nepal

Bieberstein (pm/fp) – Eine Klassenfahrt besonderer Art unternahmen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein. Sie flogen um die halbe Welt nach Nepal. Hier erwartete sie und ihre Begleitpersonen ein spannender Programm-Mix aus Kultur, Natur und Begegnungen mit Einheimischen. Ihre siebzehntägige erlebnisreiche Reise werden alle lange in Erinnerung behalten.

Gäste und Einheimische vor einem gemeinsam erstellten Wandbild am Kinderheim in Kathmandu. Fotos: Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein

Die Biebersteiner Trekking-Gruppe mit Guides im Himalaya.

Unvergessliche Eindrücke: Wandern auf dem Dach der Welt.

In der Regel führen Klassenfahrten in der Oberschule allenfalls ins nahe europäische Ausland. Doch von Schloss Bieberstein geht der Blick viel weiter in die Ferne. Bereits seit Jahren unterhält die renommierte Internatsschule eine Verbindung zu einem Kinderheim in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Warum also nicht aufs „Dach der Welt“ reisen und dort den Einsatz für ein schulisches Sozialprojekt mit einem Himalaya-Trekking verbinden?

So flogen die 13 Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 bis 13 und zwei begleitende Lehrer nach Kathmandu, mit Zwischenstopp in China. Die größte Stadt des Landes, die vor einigen Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, war die erste Station. Die Gruppe aus dem fernen Deutschland wurde von den Kindern und Betreuern des Heims freundlich aufgenommen. Schließlich kamen diese Gäste nicht zum Sightseeing, sondern wollten mit anpacken, etwa beim gemeinsamen Streichen und Verzieren von Wänden. Als kulturelles Kontrastprogramm besichtigte die Gruppe im Raum Kathmandu mehrere berühmte buddhistische Tempelanlagen.

Anschließend warteten die Berge: Ein einwöchiges Trekking mit ortskundigen Guides stand an. Da waren die sechs Träger hoch willkommen, denn die Wanderroute verlief in Höhenlagen zwischen 2900 bis 4000 Metern. In der dünnen Luft erwies sich das als sehr anstrengend, wurde aber mit einem Berg-Panorama vom Feinsten belohnt. Als Bonus gab es faszinierende Eindrücke buddhistischer Klöster am Rande der Strecke. Die spartanischen Unterkünfte konnten diese Erlebnisse unterwegs nicht schmälern. Der Weg war das Ziel: jeden Tag viele Stunden auf steinigen Pfaden. Höchster Tagesanstieg: 1000 Meter. Da ist man am Abend zu Recht stolz auf das Geleistete.

Faszinierend fremd

„Unsere Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren haben in den Bergen erstaunliche Kondition“, erzählt Julia Fillsack, eine der beiden Begleitpersonen aus dem Lietz- Kollegium. „Viele sind regelrecht über sich hinausgewachsen. Nicht nur beim Trekking, sondern auch im direkten Austausch mit den Einheimischen – auf Englisch oder mit Händen und Füßen. Solche Erfahrungen haben großen pädagogischen Wert und fördern die Persönlichkeitsentwicklung.“

Die Begeisterung der Teilnehmenden an der freiwilligen „Klassenfahrt“ ist noch lebhaft spürbar. „Nepal war für mich eine der anstrengendsten, doch gleichfalls schönsten und unvergesslichsten Reisen, die ich je erlebt habe“, erzählt Schülerin Leah Muir (E-Phase, 11. Klasse). „Jeden Tag zehn bis 15 Kilometer zu trekken, um am Abend in einer Unterkunft ohne fließend Wasser zu übernachten, mag für viele nicht ideal klingen. Doch diese Erfahrung hat mir eine ganz andere Sicht auf das Leben gegeben und eine tiefe Dankbarkeit ausgelöst für das, was wir haben."

Nachhaltiger Kontakt

Bei so viel kollektiver Begeisterung überrascht es nicht, dass die Teilnehmenden den Kontakt zum Kinderheim in Kathmandu aufrechterhalten möchten. Im Laufe der Jahre hat die Biebersteiner Schulgemeinschaft bereits beachtliche Beträge für das Heim gespendet. Derzeit organisieren die Heimkehrer ein Spendenprojekt, mit dessen Erlös sie Sportgeräte für die Nepalesen vor Ort finanzieren möchten, darunter Fußbälle und Badmintonschläger.

Auch Thassilo Réthy (Q-Phase, 12. Klasse) ist stolz darauf, dabei gewesen zu sein: „Nepal war eines der tollsten Erlebnisse, die ich je hatte. Der kulturelle Austausch, den wir vor allem im Kinderheim erlebt haben, war wie ein Einblick in eine andere Welt. Diese Reise hat nicht nur meinen Horizont erweitert, sondern mir ein ganz neues Empfinden gegeben, wie dankbar wir für unser Leben in Deutschland sein können und sollten. Also ein unvergessliches Erlebnis und das anschließende Trecking war perfekt, um die Eindrücke der Stadt und des Kinderheims in der Ruhe der Natur zu verarbeiten.“

Eine Reise für die Seele

„Unsere Reise nach Nepal war ein bisschen eine Reise für die Seele, die noch lange nachklingen wird“, bilanziert die Julia Fillsack. „Mit den Schülern diesen Mix aus Metropole und Land, Stille und Abenteuer, Spiritualität und Natur zu erleben, war auf vielen Ebenen herausfordernd. Doch sowohl das Land als auch die Schüler auf diese Weise neu kennenzulernen, war am Ende eine der erfüllendsten Erfahrungen in meinem bisherigen Lehrerleben.“