Die Eltern in Gersfeld hatten vor einigen Monaten mitbekommen, dass Uneinigkeit über die Fortführung des Kindergartens im kommenden Jahr herrsche, erzählt Vanessa Maier, Mitglied im Elternbeirat. „Das war für uns erstmal ein Schock“, meint sie. Die Mutter erklärt, dass die Eltern nicht untätig bleiben wollten und daher einen offenen Brief an die Stadt sowie die Kirchengemeinde gerichtet hätten: „Um zu zeigen, wie wichtig der Kindergarten ist.“ Nach Gesprächen sei die Idee aufgekommen, auch online eine Petition zu starten – mit deutlichem Erfolg: „Die Resonanz ist schon erstaunlich.“ Sie wünscht sich eine Lösung, mit der alle Seiten zufrieden sind, und vor allem ein gutes Ergebnis für die Kinder erzielt wird. Maier lobt unter anderem die Arbeit der sehr engagierten Erzieherinnen, die „viele Möglichkeiten der freien Entfaltung“ schaffen würden sowie: „Ein heimeliges Zuhause-Gefühl.“ Diese Konstante für die Kleinen gelte es zu erhalten, so das Mitglied im Elternbeirat.
„Es geht nicht darum, den Kindergarten zu schließen“, erklärt Marietta Preiß-Schäfer, Mitglied im Verwaltungsrat der zuständigen Kirchengemeinde, zur aktuellen Situation. Im Betriebsvertrag für die Kindertagesstätte sei geregelt gewesen, dass eine fristgemäße Kündigung ein Jahr im Vorfeld eingereicht werden müsse. Der Verwaltungsrat sei „durchgehend gesprächsbereit“ für einen neuen Vertrag zur Fortführung des Kindergartens, merkt Preiß-Schäfer an. Aufgrund von finanziellen Herausforderungen sei eine Fortführung des bisherigen Vertrags nicht mehr haltbar gewesen.
Bürgermeister Korell erläutert auf Anfrage, dass aktuell ein Kindergartenbetriebsvertrag zwischen der Stadt Gersfeld und der katholischen Kirchengemeinde Gersfeld bestehe. In diesem sei die bisherige Aufteilung der Betriebskosten geregelt worden: Die Stadt Gersfeld übernehme 84 Prozent der nicht gedeckten Kosten sowie einen Verwaltungskostenzuschuss von drei Prozent der Betriebskosten. Hinzu komme die gesamte „Baulast“ für Gebäude und Außenanlage und alle Reparatur-, Wartungs- und Pflegearbeiten. Die Kirchengemeinde komme für die übrigen 16 Prozent auf. Mitte 2024 habe die Kirche nun der Stadt Gersfeld mitgeteilt, dass sie eine höhere Kostenbeteiligung einfordern müsse, da die aktuelle Regelung nicht mehr auskömmlich sei: „Als Begründung wurde angeführt, dass es durch Kirchenaustritte und dass es, da es mehr Beerdigungen wie Taufen gäbe, immer weniger kirchensteuerzahlende Gläubige gäbe und sie, die Kirche, daher drastisch sparen müsse.“
Die Kirche habe zunächst eine komplette Übernahme der Betriebskosten durch die Stadt gefordert, zu denen die Kirche pro Kindergartengruppe einen Festbetrag von 10.000 Euro hinzugeben würde. Zusätzlich hätte auch die Betriebskostenpauschale auf sechs Prozent der Gesamtbetriebskosten erhöht werden sollen. Dies sei für Gersfeld nicht zu stemmen gewesen, macht Korell deutlich und erklärt: „Seither haben mehrere Gespräche zwischen Vertretern der Stadt und der Kirche, etwa zwischen dem Pfarrer und mir und dem Kämmerer, stattgefunden.“ Der Bürgermeister habe als Gegenvorschlag eine Regelung wie in der Nachbarskommune Ebersburg vorgeschlagen: „Daraufhin wurde der Stadt, übergangsweise für zwei Jahre, ‚angeboten‘ einen Betriebsvertrag zu schließen, der eine Kostenbeteiligung der Stadt von 90 Prozent und eine Erhöhung der Übernahme der Verwaltungskosten von drei auf sechs Prozent regele.“ Eine ähnliche Regelung bestehe auch mit der evangelischen Kirchengemeinde Gersfeld zum Betrieb des evangelischen Kindergartens in Gersfeld.
Die Stadtverwaltung sei zunächst davon ausgegangen, dass die Übergangsregelung an die Laufzeit des bestehenden Vertrages anschließen solle, also für 2026 und 2027, so Korell. Die Kirche habe daraufhin mitgeteilt, dass die Übergangslösung rückwirkend für das Jahr 2025 und das Jahr 2026 gelten solle und ab 2027 die Festzuschuss-Lösung in Kraft treten solle. Die Verwaltung habe die Übergangslösung in weiteren Gesprächen bestätigt, allerdings mit der Forderung, dass diese 2026 in Kraft gesetzt werde. Die finale Abstimmung durch die Stadtverordnetenversammlung soll nun am 4. September erfolgen, nachdem die Stadtverordneten genug Zeit zur Beratung gehabt haben. „Ich rechne damit und hoffe sehr, dass es eine Lösung beziehungsweise Einigung geben wird, die den Betrieb des Kindergartens durch die kath. Kirchengemeinde sicherstellt“, schildert Korell. Er gibt an, dass seine beiden Kinder im katholischen Kindergarten betreut worden sind beziehungsweise derzeit dort betreut werden und er mit der pädagogischen Arbeit vor Ort durchaus zufrieden ist: „Ich kann es mir nicht besser vorstellen! So geht es wohl vielen Eltern, was sich etwa dadurch ausdrückt, dass der Kindergarten quasi zu jedem Kindergartenjahr ‚überbucht‘ ist.“
Der Bürgermeister erklärt abschließend: „Falls tatsächlich kein neuer Betriebsvertrag zwischen der kath. Kirche und der Stadt zustande käme, wäre möglicherweise eine Betreuung der betroffenen Kinder in anderen Kindertageseinrichtung der Stadt Gersfeld organisierbar.“
