„Der Paddelteich hat eine sehr geringe Frischwasserzufuhr“, erklärt Fliedens Bürgermeister Christopher Gärtner. „Wenn die Temperaturen im Sommer heiß waren und es tagelang kaum Luftbewegung gab, stand das Wasser im Teich ebenfalls still.“ Optimale Bedingungen also, dass sich Blaualgen explosionsartig vermehren konnten. Denn die Bakterien mögen es warm, ruhig und nährstoffreich. So war es im Jahr 2023 der Fall, dass fast der gesamte Teich mit einem grünlich-blauen Teppich überzogen war. „Das ist nicht nur optisch sehr unschön, die Blaualgen sind sowohl für uns Menschen als auch für Tiere und Pflanzen richtig gefährlich“, erläutert Christopher Gärtner. Es drohte ein großes Fischsterben.
Die Wasserqualität wurde daraufhin von den Gewässeranalytik-Experten der Mikrobiom-Lab GmbH aus Oberthulba mehrmals getestet. Hierfür wurden oberflächennah und am Gewässergrund Proben entnommen und chemisch, physikalisch sowie biologisch untersucht. Das Ergebnis war ein stark eutropher Paddelteich mit hoher organischer Fracht, hohen Phosphat- und Stickstoffwerten und einem sehr hohen Blaualgendruck. „Die Blaualgen produzieren zwar tagsüber Sauerstoff, entziehen diesen dem Gewässer jedoch nachts wieder, so dass der Nährstoffstatus des Teichs immer schlechter würde“, erklärt Mikrobiom-Lab Geschäftsführer Peter Flaßhoff-Gockel. Selbst in kühlen Wintermonaten waren die Wasserwerte so schlecht, dass dringend Handlungsbedarf bestand.
So einigte sich die Gemeinde gemeinsam mit den Experten auf eine innovative Lösung: Zwei „Oloide“ schwimmen nun seit dem 18. Dezember 2024 auf dem Gewässer und sorgen für eine leichte Oberflächenwelle. Der Teich ist stets in Bewegung. Zugleich erzeugen sie auch in der Tiefe des Gewässers eine leichte Strömung. Beides mögen die Blaualgen nicht und ihre Vermehrung wird gehemmt.
Doch bevor die Technik installiert wurde, wurden noch kurzfristige Maßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel die Einbringung von Steinmehl in den Paddelteich, das in der Lage ist, zu hohe Phosphat- und Stickstoffgehalte im Gewässer innerhalb weniger Tage zu binden. „Dieser Effekt hat sehr gut geholfen, er hält jedoch nur für eine gewisse Zeit an, wir wollten aber eine dauerhafte Lösung“, bekräftigt Christopher Gärtner die Entscheidung für die „Oloide“.
Die Technik wurde von der Firma „Oloid“ Engineering GmbH aus Leipzig entwickelt. „Wir haben uns den vom Erfinder Paul Schatz entdeckten geometrischen Körper, nämlich den „Oloid“, als Vorbild genommen“, erklärt Geschäftsführer Eric Schieblich. „Dieser ist eine der wenigen Formen, die hundert Prozent ihrer Oberfläche bei der Inversion abwickelt.“ Der „Oloid“ kann daher flüssige Materialien auf hocheffiziente Art und Weise in Bewegung setzen. So auch das Wasser des Fliedener Paddelteichs.
In Zusammenarbeit mit Peter Flaßhoff-Gockel von der Mikrobiom-Lab GmbH wurden die beiden „Oloide“ so auf dem Gewässer positioniert, dass sie sich gegenseitig ergänzen und damit am effizientesten arbeiten. Der gesamte Teich kann so „gerührt und belüftet“ werden. Dadurch wird der Wasserkörper bis zum Grund in Bewegung gehalten, was Blaualgen absolut nicht mögen. Sie finden so kaum noch eine gute Grundlage, sich unnormal stark zu vermehren. „Die Wasserwerte dürften sich zukünftig rapide verbessern“, gibt Peter Flaßhoff-Gockel einen Ausblick. Gut fürs Klima, für die Natur und vor allem gut für die Fische – denen die neuen Mitbewohner übrigens nichts ausmachen dürften. Ganz im Gegenteil: „Durch die stetige Wellenproduktion sind unsere „Oloide“ so etwas wie eine Massagemaschine für die Fische“, sagt Eric Schieblich mit einem Schmunzeln. Es gibt keine scharfen Kanten, an denen sich Tiere eventuell verletzen könnten.
Betrieben werden die beiden Geräte durch eine schwimmende Solaranlage. Acht Solarpanele mit Speicherfunktion sorgen dafür, dass immer Energie da ist. Und wenn im Winter mal wirklich selten die Sonne scheint, ist das auch nicht weiter schlimm, wenn der See kurzzeitig ruht. Denn die Wasserbewegungen werden ja gerade im Sommer bei heißen Temperaturen gebraucht. Damit die Wasserqualität sich stetig verbessern kann, bedarf es übrigens auch weniger Verschmutzung. Deshalb ist das Füttern der Enten im Paddelteich schon seit längerem verboten.
