Politische Entwicklungen, stagnierende Wirtschaft, Gefahren aus Übersee: In seiner traditionellen Begrüßungsrede ging der Fuldaer IHK-Präsident auf die derzeitigen Herausforderungen für Deutschland und die inländische Wirtschaft ein. „Am 23. Februar 2025 können wir alle den Grundstein für eine bessere Zukunft für unser Land und wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen legen“, sagte er mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und fügte hinzu: „Wir alle stehen in der Verantwortung.“ Die politische Entwicklung in den USA, aber auch in Europa nehme er mit Sorge wahr, hob er weiter hervor: „Provokante Aussagen, die sich mit Fakten nicht belegen lassen, zunehmend widersprüchlich sind und nur das Ziel haben, zu spalten und jeder substanzielle Diskussion von vornherein den Boden zu entziehen, werden zum Stilmittel.“ Er appellierte an die Anwesenden, den „Lügen“ extremistischer politischer Akteure mit mehr Skepsis entgegen zu treten. „Denn Populismus und Extremismus jeglicher Couleur haben noch nie in der Geschichte zu besseren Ergebnissen geführt – schon gar nicht in der deutschen“, mahnte der Fuldaer IHK-Präsident.
In Sachen Konjunktur und Wirtschaft, riet er zu deutlichem Bürokratieabbau, denn dieser koste nichts, bringe aber „enorme Kostenentlastung bei den Unternehmen und damit höhere Steuereinnahmen“, meinte Gebhardt. Weitere Lösungen sehe die IHK in einer Vereinfachung und Beschleunigung der Fachkräftezuwanderung, der Schaffung von Strompartnerschaften und dem Ausbau des Energieangebots. Weitere Themen seiner Rede waren der Ukraine-Krieg, das Scheitern der Einführung der Rechtsform „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ und ein Ausblick: „Aus dem Fuldaer Wirtschaftstag wird ein Wirtschaftstalk, eine exklusive Veranstaltungsreihe im kleineren und kompakteren Rahmen, die an besonderen Orten mit jeweils zwei Sprechern – Pro und Kontra – zu einem Thema, das die Wirtschaft aktuell bewegt, stattfinden wird.“ Hintergrund für diese Veränderung seien unter anderem der Trend zu kürzeren Formaten, die in den vergangenen zehn Jahren stetig abnehmenden Teilnehmerzahlen und die kostenfreie Verfügbarkeit der Inhalte der meisten Referenten als Podcast oder auf Youtube. Darüber hinaus warf der Präsident der IHK Fulda auch schon einen Blick auf das Jahr 2027, wenn in Fulda die Bundeskonferenz der Wirtschaftsjunioren stattfinden wird.
OB Wingenfeld: Kultur in Fulda ein echter Wirtschaftsfaktor
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betonte in seinem Grußwort: „Ich glaube wir haben vielerlei Grund zur Dankbarkeit.“ Im vergangenen Jahr seien viele erfolgreiche Projekte in Fulda umgesetzt worden, lobte er. Als Beispiel führte er die Domplatzkonzerte, den Musical-Sommer und vor allem das Bonifatius-Musical. „Ich glaube, der Blick auf unsere Tradition kann uns ein Kompass sein und kann uns helfen, die Probleme, die wir haben auch mit Zuversicht zu überwinden“, fügte Wingenfeld an. Außerdem sei die Kultur in Fulda, ein „echter Wirtschaftsfaktor“ gewesen in den vergangenen Jahren, fügte der OB hinzu: „Wenn wir Fulda als Stadt der Kultur weiter stärken, tun wir das auch für die Wirtschaft.“ Als weitere Positivbeispiele führte der Oberbürgermeister den Umbau des Fuldaer Bahnhofes im kommenden Jahr und geplante Investitionen in die Wasserstoff-Forschung an. Gerade Letzteres sei ein „echter Standort-Vorteil“, hob er hervor. Er ließ aber auch die die negativen Themen, wie die Schließung des Goodyear-Werks in Fulda in seinem Grußwort nicht außen vor. Abschließend richtete er seinen Blick auf die anstehende Bundestagswahl: „Mein großer Wunsch ist es, dass die Frage im Mittelpunkt steht, wie kann etwas für Deutschland erwirtschaftet werden, und nicht, wie es vorher immer der Fall gewesen ist, welche Gelder, können an wen umverteilt werden.“
Auch in herausfordernden Zeiten nicht den Mut verlieren
Informationen unterhaltsam verpackt lieferte Gastredner Prof. Dr. med. Volker Busch. Unter dem Titel „Kopf hoch: Wie wir in herausfordernden Zeiten Mut und Zuversicht bewahren“ klärte der Psychiater mit vielen philosophischen Perspektiven und einer guten Portion Humor über die oft zu negative Sicht der Deutschen auf Dinge, die Macht des Lachens und die Lösung im Possibilismus auf. „Optimisten sind bräsig und Pessimisten hoffnungslos“, erklärte er: „Aber wer Möglichkeiten in schwierigen Situationen sieht, der wird kreativ.“
