Das Interesse in der vollbesetzten Rhönhalle war spürbar groß. Mit im Publikum saß unter anderem der amtierende Tanner Bürgermeister Mario Dänner (parteiunabhängig), der nicht mehr für das Amt antritt. Die Moderation des Abends übernahm der FZ-Redakteur Rainer Ickler. Dieser teilte zu Beginn mit, dass der parteilose Kandidat Stefan Bohn aus unbekannten Gründen nicht erschienen sei, obwohl er sich angemeldet habe. Ickler hakte abwechselnd bei den restlichen Kandidaten nach, welche Vorstellungen und Ziele sie für das Bürgermeisteramt haben.
Den „Blick von außen“ brachte in der Runde der 63-jährige Jurist Michael Conrad als CDU-Kandidat mit. Er kündigte an, im Amt ein Zukunftskonzept für die Gemeinde entwickeln zu wollen: „Es ist eine schöne Gegen. Man kann sehr viel darauf machen.“ Dazu gehöre beispielsweise eine Förderung des Tourismus. Dazu brauche es einen „Rhönbotschafter, der die Stadt vertritt“. Gleichzeitig wolle sich der 63-Jährige für die heimische Wirtschaft einsetzen und weitere Unternehmen anlocken. Zu der möglichen Sanierung der Rhönhalle erklärte der Jurist, dass mehr Interesse für eine Bewirtschaftung der Fläche geweckt werden müsse. Zur zukünftigen Finanzlage der Stadt sagte Conrad, dass er gegen Steuererhöhungen sei. Stattdessen müssten Anreize für die Unternehmen geschaffen werden, hier sei das laufende IKEK-Programm ein sinnvoller Schritt. Er berichtete von seinen Besuchen in den einzelnen Stadtteilen, in denen es bereits einige Ideen für die Verbesserung gebe. An diesen wolle er sich orientieren. Beim Stichwort Jugend ging der Jurist auf fehlende Räumlichkeiten für junge Menschen ein. Diese wolle er gerne schaffen, ebenso wie ein Jugendparlament.
Der 44-jährige Gelbe erklärte etwa zu seiner Motivation der Kandidatur: „Mir ist es nicht egal, wo es mit Tann hingeht.“ Der studierte Bankfachwirt beschrieb zur Innenstadtentwicklung, dass Tann einige positive Vorteile vorweise: „Da ist enorm viel Potenzial.“ Dieses gelte es zu nutzen und die Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern zu suchen, um das hiesige kulturelle Angebot auszuweiten. Mit Blick auf den Zustand der Rhönhalle sprach sich der 44-Jährige für eine Erhaltung aus. Die Stadt müsse hier priorisieren und Stück für Stück notwendige Sanierungen durchführen: „Das ist Arbeit, aber das lohnt sich am Ende.“ Zur wirtschaftlich angespannten Lage schlug Gelbe vor, die Digitalisierung im Rathaus voranzutreiben und damit die Verwaltung zu entlasten. Gleichzeitig solle dadurch Zeit frei werden, um Fördermittel für die Kommune zu beantragen. „Die Ausgabenseite explodiert. Wir werden diese nicht alleine stemmen können“, stellte er fest. Der Bankfachwirt berichtete von spannenden Gesprächen mit den Bürgern und wie er den Kontakt gesucht habe. Die Verbindlichkeit und Transparenz wolle er im Amt beibehalten. Nicht zuletzt ging der 44-Jährige darauf ein, wie er die Jugend in der Stadt fördern und damit langfristig die Attraktivität der Kommune sichern wolle. Dabei spiele die Einbeziehung der Kinder, etwa bei der Gestaltung von Freizeitangeboten, ein essenzieller Teil.
In der Fragerunde interessierten sich die Bürgerinnen und Bürger unter anderem dafür, was die Kandidaten zu einer möglichen Grundsteuererhöhung sagen. Conrad wie auch Gelbe sprachen sich dagegen aus. Beim Thema Energie in der Stadt verwies Gelbe darauf, dass für erneuerbare Energien wie Solarkraft die Infrastruktur fehle: „Da ist ein Überlandwerk nötig.“ Er zeigte sich aufgeschlossen, eine Lösung hierfür zu finden. Conrad stellte ebenfalls fest, dass es an den nötigen Leitungen zum Transport der Energie fehle. Sein Lösungsvorschlag lautete, zunächst bestehende Flächen zu verpachten und dadurch weitere Einnahmen zu erzielen.
Mehrfach für Unruhe im Publikum sorgte am Abend der 70-jährige Reinhard Hofmann. Der parteilose Kandidat, welcher der Reichsbürgerszene angehört, wich bei seinen Antworten häufiger vom eigentlichen Thema ab. Stattdessen erläuterte er mehrfach, was eine Demokratie sei und wieso die Bundesrepublik dieser Definition nicht entspreche. Der Moderator musste ihn mehrmals ermahnen, bei der Sache zu bleiben. Bei den meisten Fragen lautete Hofmanns Antwort: „Ich will wissen, was die Bürger wollen.“ Als Bürgermeister wolle er diesen „Willen“ herausfinden und ihm Folge leisten. Des Weiteren sprach sich der 70-Jährige für mehr Selbstbestimmung aus und rief dazu auf, die deutsche Verfassung zu lesen. Als er bei der Energie-Frage die Atomkraft als sinnvolle Option ohne negative Konsequenzen ins Gespräch kam, konnte eine Zuschauerin nicht mehr an sich halten und sagte laut ins Mikrofon: „Das stimmt so nicht.“ Dafür erntete sie viel Applaus aus dem Publikum.
