Harald Jörges, Betreiber des Skiliftbetriebes Zuckerfeld, ist verzweifelt. Gerade einmal sechs Tage konnte er seinen Lift öffnen. „Das Minimum, was wir einmal hatten, waren zehn Tage und das war schon schlimm“, berichtet der Rhöner, der bereits in zweiter Generation auf dem Zuckerfeld seinen Betrieb führt. Solche Wetterverhältnisse seien „existenzbedrohend“, klagt er: „Wir können nicht auf einen Sommerbetrieb umstellen, das gibt das Gelände nicht her.“ Eine ausgefallene Saison koste den Familienbetrieb etwa 100.000 Euro, erklärt er: „Wir haben einen Maschinenpark, der riesig ist. Der steht halt still.“ Gerade durch den fehlenden Betrieb in der Corona-Zeit, seien große Einbußen entstanden. „Da hatten wir ja Schnee, aber wir durften nicht“, fügt er wütend an und ergänzt: „Wenn wir uns da wenigstens ein Polster ‚anfressen‘ hätten dürfen, wäre das alles noch tragbar. Aber so…“ Sollte es in den kommenden Jahren weiterhin zu wenig Schneefälle geben, überlege er, den Betrieb zu schließen. „Mich macht das wirklich traurig“, erklärt Jörges und ergänzt: „Ich kenne den Skibetrieb seit ich ein Kind bin und nach all dieser Zeit muss ich sehen, dass der Betrieb aufhört.“ Er hoffe nun, dass im Februar nochmal Schnee komme. Die Wetterprognose sehe jedoch schlecht aus, so der Liftbetreiber.
Ähnlich sieht es Arnsberg aus. Skiliftbetreiber Matthias Adrian berichtet, dass dieses Jahr noch keinen einzigen Tag der Lift gelaufen sei. „Wir beobachten, dass es von Jahr zu Jahr schlechter läuft“, fügt er an und ergänzt: „Es stellt sich leider immer mehr die Frage, ob wir die Tore endgültig zuschließen sollen.“ Gerade in den vergangenen Jahren sei der Skiliftbetrieb ein immer höheres „Drauflegegeschäft“ geworden, berichtet Adrian weiter: „Wir betreiben das eigentlich auch nur noch als Hobby.“ Er hoffe ebenfalls auf genug Schnee im Februar, um den Lift laufen lassen zu können. Als Alternative für den wegfallenden Winterbetrieb gebe es Pläne für einen Bikepark, erläutert Adrian. Dieser befinde sich bereits seit zehn Jahren in der Vorbereitung, aufgrund bürokratischer Hürden seien die Arbeiten bisher noch nicht gestartet.
Auch am Simmelsberg sieht die Skisportlage eher schlecht aus. Lediglich an einem Samstag seit Saisonbeginn konnte der Übungslift für Kinder geöffnet werden, berichtet Betreiber Patrick Rother, Erster Vorsitzender des Vereins Ski Club Hanau. Grund sei der fehlende Neuschnee. Die Kosten für die Vorbereitung auf eine Skisaison, beliefen sich auf etwa 2000 Euro, gibt der Vereinsvorsitzende an. Diese würden allerdings hauptsächlich aus der Vereinskasse und durch Zuschüsse von Land und der Stadt Hanau finanziert. Auch wenn der Verein das Angebot so lange wie möglich aufrecht erhalten möchte, sei das Ende des Skibetriebs „sowieso nur noch eine Frage der Zeit“, räumt Rother ein: „Wenn wir davon leben müssten, müssten wir eigentlich schon längst sagen, das ist unwirtschaftlich.“ Der Klimawandel bedrohe den Wintersport schon länger, hebt er weiter hervor: „Man muss da ehrlich sein und darf da nicht wegschauen.“ Skifahren würde sich irgendwann zu einem Luxusgut entwickeln, prophezeit er: „Es wird alles teurer, das muss allen klar sein.“
Justin Fuß, Betreiber des Skilifts Kreuzberg, zeigt sich im Vergleich zu seinen Kollegen optimistischer. „Solange es noch nicht Mitte März ist, ist noch nicht alles verloren“, erklärt er. Solche warmen Winter seien zwar selten, aber nicht neu, fügt der Skiliftbetreiber weiter an: „Wir hatten das schon mal vor 40 Jahren und vor sieben Jahren. In der Rhön kennen wir das eigentlich, dass nicht jeder Winter, wie der andere ist.“ Die Saison werde in Kreuzberg auch sehr flexibel angegangen, so Fuß. „Wenn wir im April nochmal 20 Zentimeter Neuschnee haben, dann machen wir auf“, sagt der Liftbetreiber und ergänzt: „Ich sag es mal so: Es könnte heute schneien und wir wären morgen startklar.“
