Der Angeklagte soll am 28. Mai 2024 gegen 3 Uhr morgens in ein Möbelhaus in Bad Hersfeld eingebrochen sein und diverse Wertgegenstände gestohlen haben. Darunter sollen laut Anklage ein iPad, ein Akkuschrauber, mehrere Tischlampen und verschiedene Flaschen alkoholischer Getränke gewesen sein. Wie sein Verteidiger in seiner Einlassung verlies, habe der Angeklagte eigentlich nach Geld gesucht. Als der 26-Jährige nicht fündig geworden war, zwang er den mittlerweile eingetroffenen Geschäftsführer mit vorgehaltenem Messer den hauseigenen Tresor zu öffnen, aus dem er 4500 Euro in bar entwendete. Mit dem Geld habe er Schulden beglichen haben, die durch seine Alkoholsucht und monatelange Arbeitslosigkeit aufgekommen waren. Einen Teil habe er auch an einen Verwandten in die Ukraine geschickt und einen kleinen Teil, „etwa 100 Euro“, habe er dazu verwendet sich neue Kleidung, Zigaretten und Alkohol zu kaufen, verlas der Verteidiger.
Auf Rückfragen des Richters erzählte der Angeklagte von seiner Lebensgeschichte. Er sei mit einem alkoholkranken, schwer gewalttätigen Vater aufgewachsen, der ihn, seine Mutter und seine sechs Geschwister misshandelt habe. Als der Vater aufgehört hätte zu trinken, seien die Übergriffe gegen seine Familie noch schlimmer geworden, weshalb die Mutter schließlich mit den vier jüngsten Kindern nach Russland flüchtete. Mit 15 arbeitete der gebürtige Ukrainer in verschiedenen Gelegenheitsjobs und entwickelte dort eine Abhängigkeit zu Alkohol und anderen Drogen, wie „Spice“, LSD und MDMA. Als der Krieg ausbrach, sei er dann nach Deutschland gekommen, wo er relativ schnell Arbeit in einem Möbelhaus in Bad Hersfeld gefunden hätte. Nach wenigen Monaten hatte er in der Hoffnung auf ein besseres Gehalt in einem Möbelhaus in Fulda diesen Job verlassen, wurde dann dort aber nicht genommen, da es Probleme mit seinen Papieren gegeben hätte. Danach habe er nie wieder richtig Arbeit gefunden, lebte bei seiner Mutter und rutschte immer weiter in die Alkoholsucht ab. „Ich habe oft zwei bis drei Tage durchgetrunken. Dadurch hat sich alles etwas stabilisiert. Dann habe ich weitere Bewerbungen rausgeschickt“, erklärte er und ergänzte: „Ich habe entweder keine Antwort oder nur negative Antworten bekommen. Dann habe ich weiter getrunken.“ Richter Jörg Weddig wollte wissen, ob er auch am Vortag der Tat Alkohol zu sich genommen hätte, was der Angeklagte bejahte. „Ich habe eine halbe Flasche Wodka getrunken“, sagte der 26-Jährige.
Durch seine raue Kindheit habe er außerdem eine bipolare Depression entwickelt, gab der Angeklagte weiter an. Diese psychische Erkrankung hätte ihn zu selbstverletzendem Verhalten geführt und seine Alkoholsucht noch weiter befeuert. Als er irgendwann kein Geld mehr hatte und inzwischen hohe Schulden bei verschiedenen Menschen angehäuft hatte, habe er beschlossen in das Möbelhaus einzubrechen. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch mit einem Schweißbrenner den Safe zu öffnen, sei es dann zu der Auseinandersetzung mit dem Geschäftsführer gekommen, beschrieb er schließlich den eigentlichen Tathergang. Das Messer habe er eigentlich nur als Werkzeug dabeigehabt: „Ich habe gedacht, ich kann damit die Fenster herausheben“, erklärte er und hob hervor: „Ich hatte eigentlich nicht vor, jemanden zu verletzen.“
Geschäftsführer in Hersfelder Möbelhaus gefesselt: Angeklagter schweigt
