Lokales FD 17.01.2025

Osthessische Wirtschaft stockt – Viel Potenzial durch Weiterbildungen

Fulda (as) – Trotz einzelner positiver Entwicklungen kein Grund zum Jubeln: Für den Arbeitsmarkt in Osthessen präsentierte Matthias Dengler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, eine eher gemischte Bilanz. Obwohl die Region die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Hessen vorweise, seien bundesweite Effekte auf die Konjunktur dennoch spürbar. Dengler wies am Freitag in Fulda gleichzeitig Chancen für die Region auf.

Von links: Matthias Dengler und Katharina Henkel. Foto: Andreas Schellenberg

In den beiden Landkreisen ist die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr gestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren es 4719 gemeldete Arbeitslose, das entspricht einer Veränderung zum Vorjahr von 11,9 Prozent. Dengler stellte hierzu fest, dass statistisch vor allem bei Langzeitarbeitslosen und Personen unter 25 Jahren ein größerer Zuwachs zu erkennen sei. Im Vergleich zum restlichen Bundesland stehe die Region mit der Arbeitslosenquote zwar gut da, der Vorsitzende merkte jedoch an: „Es ist nicht so, dass wir feiern können.“

Dengler beschrieb drei Säulen, mit denen die Beschäftigungszahlen in der Region erhöht werden können. Dazu gehöre zunächst eine abgeschlossene Ausbildung bei jungen Menschen als „guter Einstieg ins Erwerbsleben“. Daran anschließend seien Weiterbildungen ein guter Schritt, um Fachkräfte zu fördern. Nicht zuletzt sei Zuwanderung ein „wesentlicher Faktor“, merkte der Vorsitzende an: „Wenn wir das Wohlstandsniveau halten wollen, ist das absolut notwendig.“ Im Ausblick auf das kommende Jahr sprach er sich für mehr Mut und Offenheit aus. Die Region verfüge durch einen starken Mittelstand und einen soliden Branchenmix über gute Voraussetzungen, wirtschaftlich wieder einen Aufstieg zu verzeichnen. Dengler äußerte sich ebenfalls zum angekündigten Stellenabbau bei mehreren Unternehmen in der Region, darunter Goodyear, tegut… oder Mehler Texnologies und teilte mit: „Wir sind im intensiven Austausch.“ Die Agentur für Arbeit sei bemüht, keine Arbeitslosigkeit entstehen zu lasen. Katharina Henkel, Geschäftsführerin des operativen Bereichs, erläuterte, dass dies zum Standardprozess gehöre, unabhängig der Größe eines Unternehmens: „Das ist erprobt.“

In Deutschland sei aktuell eine stockende Konjunktur feststellbar, erzählte Dengler. Einflüsse seien hierbei etwa hohe Energiekosten oder politische Veränderungen wie die anstehende Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident. „Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“, merkte er an und wünschte sich positive Impulse durch die neu gewählte Bundesregierung. Henkel berichtete genauer über den die Zahl der Weiterbildungen in der Region. Insgesamt 418 Eintritte habe es im vergangenen Jahr gegeben, ein merklicher Anstieg zum Vorjahr (219 Eintritte). Insgesamt 5,18 Millionen Euro investiere die Agentur für Arbeit in diesen Bereich, so die Geschäftsführerin. Vielen sei nicht bewusst, welche Möglichkeiten es in diesem Bereich gebe, auch für Menschen in Arbeitsbeschäftigungen. Eine Weiterbildung lohne sich langfristig: „Da stehen Abschlüsse dahinter.“ Über die Angebote könnten sich Interessierte im Bildungspunkt in Fulda informieren: „Noch einfacher geht es nicht.“

Die Zahlen im Blick

Der Bestand an Arbeitslosen ist 2024 auf 4719 Personen (2023: 4216) angestiegen, das entspricht einem Anstieg von 11,9 Prozent. Im Landkreis Fulda lässt sich eine hohe Dynamik an Zugängen in sowie Abgängen aus der Arbeitslosigkeit feststellen. 2024 gab es 12.743 Zugänge in den Arbeitsmarkt und 12.451 Abgänge zu verzeichnen. Statistisch gesehen war ein Mensch bei der Arbeitsagentur in 2024 im Durchschnitt 118,6 Tage arbeitslos gemeldet. 2023 waren es noch 116 Tage gewesen. Im Landkreis Fulda wurde in 2024 zudem mehr Kurzarbeit angezeigt: Insgesamt 174 Betriebe mit 4628 Mitarbeitenden taten dies, in 2023 waren es noch 107 Betriebe mit 4000 Mitarbeitenden gewesen. Hierzu ist anzumerken, dass nicht alle Betriebe tatsächlich in Kurzarbeit gegangen sind oder sich aktuell in Kurzarbeit befinden.