Lokales FD 30.01.2025

Moderner Wohnraum mitten in Fulda – Millionenprojekt „Waides Höfe“

Fulda (as) – Zentrale Lage, stabile Mieten und Mitspracherecht: Im „Baugebiet Waidesgrund“ in Fulda soll dringend notwendiger Wohnraum entstehen. Das Unternehmen Ting Projekte will mit dem Bau von 72 Wohnungen in den kommenden Monaten beginnen. Wie die Verantwortlichen mitteilen, werde das Projekt durch die Mieter in Form einer Genossenschaft mitfinanziert und könne so mitgestaltet werden. Die Nachfrage am Projekt sei bereits vor dem Baustart groß.

Fotos: Ting Projekte

Auf insgesamt 5243 Quadratmetern Fläche sollen insgesamt vier Gebäude in der Nähe des Bahnhofs Fulda entstehen. Die Größe der Wohnungen variiert dabei von 42 bis 122 Quadratmetern. Ein konkretes Datum für den Baustart gebe es noch nicht, berichtet Dr. Jasna Baumgarten, Diplom-Ingenieurin für Umweltschutz und Geschäftsleitung von Ting Projekte. Geplant sei ein Beginn im zweiten Quartal dieses Jahres: „Die Baugenehmigung wird in Kürze erwartet. Parallel werden bauliche Fragen geklärt.“ Die Nachfrage sei im Vorfeld bereits groß, teilt sie zufrieden mit: „18 Wohnungen sind belegt. Mit circa 60 weiteren qualifizierten Interessenten laufen Gespräche.“ Damit das Quartier möglichst mit wenigen Autos befahren wird, werde es für circa die Hälfe der Wohnungen einen Stellplatz geben, erklärt die Geschäftsleitung. Sie hebt hervor: „Das Grundstück befindet sich in einer zentralen Lage mit einer sehr guten ÖPNV-Anbindung, so dass nicht jeder Bewohner auf ein Auto angewiesen werden muss.“

Für das Bauprojekt sind circa 23,7 Millionen Euro an Kosten zu erwarten. Wie Baumgarten erläutert, werde ein Teil davon, nämlich 6,9 Millionen Euro, durch die Mieter selbst finanziert. Möglich werde das über eine Genossenschaft: „Jeder Mieter wird durch die Mitgliedschaft und den Erwerb von nutzerabhängigen Anteilen an der Genossenschaft zum Teilhaber am Unternehmen.“ Die Nutzer der Wohnungen würden in das genossenschaftliche Bauvorhaben selbst investieren und damit „in ihre Zukunft und den Aufbau ihres Vermögens in der Genossenschaft, führt die Geschäftsleitung weiter aus. Sie ergänzt: „Das Mitglied kann jederzeit sein Nutzungsverhältnis kündigen und die Rückzahlung seines Geschäftsguthabens erhalten. Ansonsten ist die Einlage des Mitglieds vererbbar.“ Die Genossenschaft arbeite zu Selbstkosten und müsse keine Renditen erwirtschaften. Da die Kapitaldienstkosten vorher fest vereinbart wurden, bleibe die Miete in den ersten zehn Jahren stabil und müsse nicht erhöht werden. „Die Mieten, sogenannte Nutzungsentgelte, bestehen zu 83 Prozent aus Kapitalkosten (Zinsen und Tilgung) des Neubaus. Die restlichen Kosten werden für die Hausverwaltung und Instandhaltung, den Mietausfall sowie Erbbauzins aufgewendet“, erklärt die Diplom-Ingenieurin.

Durch die Genossenschaft gebe es keine Eigenbedarfskündigungen, da keine Renditen erwirtschaftet werden müssten, gibt Baumgarten an. Es bestehe ein dauerhaftes Nutzungsrecht: „Sobald die Fremddarlehen getilgt sind, kann die Genossenschaft beschließen die Kaltmiete zu senken, da der Kapitaldienst entfällt.“ Während der Bauphase würden die Mitglieder bereits als Vorbereitung eine Schulung für die Wohnphase erhalten, führt sie weiter aus: „Es gilt Fachwissen zur Selbstverwaltung zu vermitteln - es gilt wertschätzendes Verhalten wieder in den Alltag zu holen - es geht darum gemeinsame Lösungen zu finden, das heißt konstruktiv zu streiten, um abends gemeinsam ein ‚Bier‘ zu trinken.“ Bei dem Projekt bilde das „Mehrgenerationenwohnen zwischen Jung und Alt“ den Grundgedanken. Die Wohnungen werden barrierearm und schwellenfrei gebaut, beschreibt die Geschäftsleitung. Beispielsweise sollen die Menschen Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator alleine nach draußen gelangen: „Darüber hinaus haben wir einen erhöhten Schallschutz und eine energieeffiziente Bauweise (KfW 40 mit Nachhaltigkeitszertifikat).“

Die Mieterinnen und Mieter würden als Teil der Genossenschaft ihre Entscheidungen demokratisch und unabhängig der Kapitalhöhe treffen, schildert die Diplom-Ingenieurin: „Jedes Mitglied hat unabhängig von der Anzahl der Anteile an der Genossenschaft eine Stimme.“ Ziel sei es, mehrheitlich zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen: „Wobei wir sehr großen Wert darauflegen, möglichst gemeinsame Lösungen bei Abstimmungen zu erhalten - so dass im Vorwege bei wichtigen Entscheidungen oft ein großer Gesprächs- und Klärungsbedarf besteht.“ Mit einem genossenschaftlichen Wohnprojekten hat das Unternehmen bereits einige sehr gute Erfahrungen gemacht. Ting habe bereits an 23 Standorten insgesamt 524 Wohneinheiten geschaffen und erfolgreich in die Wohnphase begleitet, so Baumgarten. Sie erklärt, was den Erfolg ausmache: „Nach gewisser Zeit in der Wohnphase begreifen die Mitglieder, dass das Projekt und die Wohnungen den Mitgliedern selbst gehören, dass sie die Mitentscheider aller Prozesse sind, dass die Genossenschaft, wenn alle an einem Strang ziehen, gut wirtschaftet und schneller entschuldet als geplant, dass deren Mietshöhen deutlich unter dem Marktniveau liegen und stabil bleiben.“ Sie würden außerdem merken, dass eine starke Gemeinschaft mehr bedeute und mehr Potential habe als nur einem Nachbar freundlich guten Tag zu sagen.