Lokales FD 28.01.2025

Landwirte und Verbraucher im Dialog – Gelungener Auftakt der Reihe

Fulda (sk) – Im vollbesetzten Kulturkeller startete am Montagabend die  Event-Reihe „Im Dialog. Deine Bauern. Deine Fragen“. Der Kreisbauernverband (KBV) Fulda-Hünfeld und das Bündnis für Klima und Nachhaltigkeit (BKN) Fulda hatten eingeladen um Landwirte und Verbraucher direkt miteinander ins Gespräch zu bringen.

Foto: Stefan Krug.

Eingeladen zu der von Thomas Schneider (KBV) und Christina Krack (BKN) moderierten Veranstaltung waren fünf Landwirte und fünf Verbraucher. Es war eine von gegenseitigem Respekt voreinander getragene Veranstaltung und es hätte dem zu Anfang von Krack geäußerten Wunsch nicht bedurft „miteinander zu reden, den anderen ausreden zu lassen und zuzuhören“. Der Applaus verteilte sich gleichmäßig auf alle, Veranstalter und Besucher waren zufrieden. Weitere Termine sind also zu erwarten.

Dem gemischten Publikum, von einem Vorstandsmitglied des KBV wurde der Anteil der Landwirte auf rund ein Viertel der Teilnehmer geschätzt, stellte Schneider den Bauernverband mit seinen 2300 Mitgliedern im Kreisgebiet vor. Die Initiative „Fulda – Deine Bauern“, unter der unter anderem ein Infomobil und auch der gut beachtete Kanal auf Instagram betrieben werden, sei mittlerweile „eine ganz wichtige Plattform, damit wir direkt mit den Verbrauchern im Dialog sind“. Es werde versucht, Direktvermarkter und Hofläden zu stärken. Eher bedauernd meinte Schneider: „In den letzten Jahren haben sich Landwirtschaft und Verbraucher parallel zueinander entwickelt. Die Herausforderungen für die Zukunft sind groß, umso mehr brauchen wir Formate, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Was können wir anders machen? Was können wir Neues machen?“

Dem schloss sich Krack an: „Lasst uns ein Format beginnen, dass neu ist, damit wir besser ins Gespräch kommen.“ Sie stellte das BKN vor, als „Zusammenschluss von Initiativen, Verbänden und Einzelpersonen, die eine tatkräftige, umfassende auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgerichtete Politik in Stadt und Landkreis Fulda fordert“ unter dem Dach des  KÖK - Förderverein für Kultur, Ökologie und Kommunikation. Schon der KÖK habe sich gegründet „damit Dinge anders gemacht werden können, sei es im Bereich Landwirtschaft, Verkehr oder Bauen“. Auch Krack lud die Anwesenden ein, sich auf das neue Format einzulassen „damit wir besser miteinander ins Gespräch kommen“.

Nach einem einführenden Film über die Vielfalt der heimischen Landwirtschaft kamen dann aufs Podium:  Claudia Storch aus einem Familienbetrieb bei Dietershausen mit 150 Milchkühen und eigner Käseproduktion, Christian Hartmann, traditionsreicher Milchvieh- und Schweinehalter in der 17. Generation aus Hofbieber-Wiesen, Michael Flügel, Schweinehalter aus Hofbieber mit einem Stall der höchsten Haltungsstufe ohne dies im Erlös honoriert zu bekommen, Bio-Landwirtin Katharina Müller, die Mutterkuhhaltung und Getreideerzeugung in Großenlüder betreibt, und Nebenerwerbslandwirt Philipp Jahn als letzter Bauer in Fulda-Neuenberg unter anderem mit Kartoffel-Direktvermarktung. Die Sicht der Verbraucher repräsentierten Rolf Wagner, der bedauerte, dass Betriebe immer größer werden müssen auch ursächlich durch das Einkaufsverhalten, Stefanie Krecek, welche den Tegut-Saisongarten leitet und sich an Foodsharing beteiligt, Martin von Mallinckroth, früher Mitglied in der jetzt aufgelösten Verbrauchergemeinschaft „Gelbe Rübe“, der betonte, dass der Dialog wichtig sei, da Landwirte und Verbraucher in zwei „Blasen leben, die wenig voneinander wissen“,  Christine Weidner, ebenso ehemals bei „Gelbe Rübe“ und jetzt Mitglied der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) beim Biohof Benkner in Neuhof, der „regional sehr wichtig“ sei, sowie Felix Döppner, der betonte, dass ihm die Qualität der Produkte wichtig ist: „Wen man sich mit Kochen beschäftigt, merkt man, dass die Produkte der Star der Küche sind. Am besten frisch, nachhaltig und bio.“

Im Gespräch miteinander war es erst einmal ein Herantasten. So war Müller besorgt, dass die Weidehaltung durch den Wolf unmöglich werden könnte und Hartmann verwies darauf, dass kein Landwirt dem Boden bewusst schaden würde: „Wir haben den nur von unseren Nachfolgern geliehen.“ Zum Erhalt der Kulturlandschaft und auch zur Verwertung der Nebenprodukte, so blieben bei Hafermilch 90 Prozent übrig, sei Tierhaltung wichtig. Von allen von Landwirten wurde die überbordende Bürokratie kritisiert. So beklagte Storch, dass für sie dieselben Vorschriften gelten würden wie für eine Großmolkerei. Hier lagen dann die Meinungen nicht so weit auseinander, Weidner sah es auch so, dass große Verarbeiter Lücken in der Etikettierung ausnutzen könnten: Wo Deutschland als Erzeuger draufstehe, bedeute dies nur in Deutschland verarbeitet und nicht immer von einem heimischen Landwirt produziert. Kleine Erzeuger hätten es durch Auflagen es schwer.

Döppner bedauerte es, kaum heimische frische Lebensmittel zu finden: „Auch auf dem Fuldaer Wochenmarkt sind fast alle Stände nur mit Waren vom Frankfurter Großmarkt“. Auch Krecek fand es schwierig, in Fulda „nachhaltige Lebensmittel zu finden“. Wagner sah auch zu wenig Auswahl: „Auch wenn es nicht bio ist, sind regionale Lebensmittel immer noch nachhaltiger allein durch den eingesparten Transportweg.“ Von Mallinckroth sah das Podium durchaus kritisch: „Wir sind hier die obere Schicht und repräsentieren nicht den typischen Verbraucher.“ Auch Familien mit wenig Einkommen sollten hochwertige Lebensmittel einkaufen können.

Insgesamt war es ein Gespräch, welches nach Fortsetzung rief. Kreislandwirt Winfried Schäfer und KBV-Vorsitzender Schneider äußerten sich zufrieden mit der Hoffnung, gegenseitiges Verständnis gefördert zu haben. Unter den Gästen war auch MdL Thomas Hering, selbst aufgewachsen in städtischem Umfeld: „Ganz wichtig ist der gegenseitige Dialog und das Verständnis füreinander. Es ist ganz wichtig, sich gegenseitig kennenzulernen und die Sorgen des anderen zu sehen. Unsere Landwirte machen mit dem, was wir ihnen an die Hand geben, das Beste daraus.“

Auftakt zu Dialog-Reihe. Fotos: Stefan Krug.