Lokales FD 24.01.2025

Historischer Fund: Wiederentdeckte Bilder zeigen Deportation in Fulda

Fulda (fp) – Neue Einblicke in die Verbrechen während Nazi-Zeit in Fulda: Die fünf von den Mitwirkenden des Forschungsprojektes „#LastSeen“ kürzlich entdeckte Bilder geben mehr Perspektive zu den Verbrechen und Deportationen der Nazis im Jahr 1941 in Fulda. Im Marmorsaal des Stadtschlosses in Fulda wurden die Bilder am Donnerstag das erste Mal öffentlich präsentiert. Projektleiterin Anita Bothe berichtete gemeinsam mit Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler von den Hintergründen des Fundes.

Anita Bothe zeigte die Bilder im Marmorsaal. Foto: Felix Pillat

Am 8. Dezember 1941 wurden insgesamt 149 Juden aus Fulda und der Region von den Nationalsozialisten in Güterwagons verfrachtet und über Kassel in ein Deportationslager in Osteuropa überführt. Die vorgestellten Fotos zeigten diese Ereignisse historisch akkurat und lieferten deutlich mehr Perspektiven zu den Hintergründen der Verbrechen der Nazis in Fulda, erklärte Bothe während der Präsentation der Fotografien, welche das Projektteam von „#LastSeen“ in einem Video-Interview mit einer Zeitzeugin aus Fulda aus den 1990er Jahren entdeckt hatten. Die Originale blieben zwar verschwunden, aber aus Standbildern aus dem Video konnten die Fotografien vollständig wiederhergestellt werden. „Die Bilder zeigen einen zentralen Moment im Zentrum der Vernichtung“, führte Bothe weiter aus und ergänzte: „Hier sind relevante Ereignisse der Verfolgung und der Vernichtung aus Täterperspektive festgehalten.“ Auf der Webseite des Forschungsprojektes https://atlas.lastseen.org/ können Interessierte nicht nur die fünf neuen, sondern alle 427 Fotos, die in den vergangenen Jahren aus ganz Deutschland zusammengetragen wurden einsehen. Diese werden dort nicht einfach abgebildet, sondern sind jeweils mit Anmerkungen versehen, die historischen Kontext herstellen und Einblicke in die Hintergründe des Gezeigten geben. Außerdem können über weiße Punkte auf den Bildern Informationen zu den auf den Bildern abgebildeten Personen eingesehen werden. „Wir haben auch private Bilder der Menschen angefügt, um den Täterblick für einen Moment zu brechen“, fügte die Projektleiterin weiter an.

Für das Stadtarchiv in Fulda sei der Fund ein großes Novum, betonte Heiler. Zwar seien viele textliche Beweise für die Deportationen in Fulda gefunden worden, Bildgut gäbe es hingegen sehr wenig, sagte er weiter: „Wir haben nur zwei oder drei Aufnahmen hier vor Ort und da ist wenig über die Hintergründe der Bilder bekannt.“ Anja Listmann, Beauftragte für jüdisches Leben in Fulda, klärte außerdem über den historischen Kontext der in Fulda lebenden Juden in der NS-Zeit auf. Sie zeigte Fahrkarten der Betroffenen für die Deportationszüge, sprach über die wenig bekannte Gestapo Außenstelle in Fulda und zeigte die „perfiden und perversen“ Methoden der Nazis auf. „Juden waren keine Fuldaer für die Fuldaer“, fügte sie betroffen und wütend an. Unter den Gästen waren unter anderem Grünen-Stadtverordnete und Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit Jutta Hamberger, Tina Enders, Beauftragte für Antisemitismus der Hochschule Fulda, sowie die Schüler der AG Jüdisches Leben in Fulda, die sich ebenfalls mit der NS-Zeit in der Barockstadt beschäftigen.

Projekt #LastSeen zeigt neue Fotos aus der NS-Zeit. Fotos: Felix Pillat