„Manche sagen, es war alles überzogen“, sagt Landrat Bernd Woide, doch was hätte der Staat in so einer Situation machen sollen: „Es war eine völlig neue Situation.“ Die Maßnahmen von Bund und Land seien nie davon getragen gewesen, die Bürger domestizieren zu wollen. „Es war einfach aus Sorge“, erklärt der Landrat: „Im Nachhinein hätte man sicher vieles anders machen können oder müssen, aber im Nachhinein ist man immer schlauer.“ Als Beispiel nennt Woide das zeitweise Kontaktverbot selbst bei Treffen im Freien und die lange Dauer der Schulschließungen. Gut in Erinnerung geblieben sind ihm auch noch die zwei Extreme, als es mit dem Impfen losging – auf der einen Seite diejenigen, die sich vordrängelten, weil es ihnen nicht schnell genug gehen konnte, und auf der anderen Seite die Menschen, die sich auf keinen Fall impfen lassen wollten. Heute stellt Woide fest: „Gott sei Dank sind wir wieder ins Normale zurückgekehrt. So eine Corona-Erfahrung braucht keiner mehr.“ Auch Jürgen Stock, Leiter Fachbereich Arbeit und Soziales beim Landkreis Fulda, erinnert sich noch gut an die in vielerlei Hinsicht herausfordernden Monate: „Es war eine aufregende Zeit.“ Der Landkreis musste damals auf der einen Seite als Arbeitgeber selbst Vorkehrungen treffen, hatte mit dem Gesundheitsamt aber auch eine zentrale Stelle am Laufen zu halten und das mit einem extrem hohen Arbeitsaufkommen dort. „Wir haben bestimmte Arbeiten zeitweise liegen gelassen, um das Gesundheitsamt aus anderen Abteilungen zu unterstützen“, erläutert Stock.
Swen Bachmann, Inhaber der Brauereigaststätte Hopfenglück sowie der Äktschenkneipe Doppeldecker in Fulda bewertet vor allem auf den zweiten Lockdown ab Herbst 2020 als sehr negativ für die gastronomischen Betriebe in Deutschland: „Das hat vieles kaputt gemacht.“ Die Restaurants sieben Monate geschlossen zu halten, halte er rückblickend für deutlich übertrieben und betont: „Das darf nicht mehr passieren.“ Viele hätten in dieser Zeit mit Zukunftsängsten zu kämpfen gehabt, was verbunden mit der Einsamkeit für eine zusätzliche Belastung gesorgt habe. Umso wichtiger seien deshalb die finanziellen Hilfen durch die Bundesregierungen gewesen. Kritisch äußert sich Bachmann des Weiteren über die wechselnden 2G- und 3G-Regelungen: „So ein Durcheinander.“ Es habe lange gedauert, bis der Geschäftsalltag sich wieder normalisiert habe, so der Inhaber. Er findet, dass der soziale Zusammenhalt im Zuge der Pandemie eher abgenommen habe.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt Swen Wiesner aus dem Team vom Sporthaus im Kohlhäuser Feld. Viele Dinge wie freundliche Begrüßungen, die Zusammenarbeit oder das Eingestehen von Fehlern seien nicht mehr selbstverständlich. Die Pandemie habe bei den Menschen oftmals die Einstellung zum Leben und zur Arbeit verändert: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Er berichtet von einem Gefühl der „Hilflosigkeit“ im Sporthaus zum Beginn der Pandemie. „Wir haben das Bestmögliche daraus gemacht“, meint Wiesner zu den verschiedenen Auflagen aus der Politik auf den Handel. Unter anderem hätte das Team den Bereich des Online-Handels ausgebaut und versucht Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Die Nachfrage an beispielsweise Laufschuhen und Inlinern sei während der Pandemie vorhanden gewesen, so der Mitarbeiter im Sporthaus. In anderen Bereichen des Einzelhandels habe das deutlich anders ausgesehen: „Die Zeit war für alle sehr belastend.“ Zu der Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen stellt er fest: „Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Ob die richtig ist, bleibt immer diskutabel.“
Auch an den Schulen musste der Unterricht teils nur digital oder mit erhöhten Schutzmaßnahmen gestaltet werden. André Müller, Schulleiter der Winfriedschule, erklärt zu Maskenpflicht, Distanzunterricht und anderen Regelungen: „Es ging darum, die Menschen zu schützen.“ Die Gesellschaft habe kollektiv Sorge dafür getragen, eine Überlastung der Intensivstation und damit weitere Todesfälle zu verhindern. Der Schulleiter warnt in der Diskussion davor, in der Rückbetrachtung einzelne Maßnahmen schlechtzureden. Eine Überprüfung, ob eine Eindämmung der Pandemie ohne die jeweiligen Vorkehrungen ebenfalls gelungen wäre, könne sich nachträglich nicht mehr feststellen lassen: „Man weiß nie, wie Infektionsketten vorher verlaufen.“ Er schätzt, dass Abstandsregeln und Maskenpflicht im Freien vermutlich nicht zwingend notwendig gewesen seien. Das habe zu Beginn aber keiner wissen können. Wichtig bei der Nachbetrachtung sei es nun, die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen zu ziehen. Müller lobt im Rückblick die Solidarität und Arbeit des Landes Hessen, welches kostenfrei Corona-Tests und Materialien zur Verfügung gestellt hat: „Das Kultusministerium hat nicht gespart.“ Trotz der erschwerten Bedingungen sei es gelungen, die Abiturprüfungen erfolgreich durchzuführen.
