Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Fulda im Bonifatiushaus, stellte Landwehr als „einer der besten Kenner der USA“ vor. Sein Interesse gelte dabei nicht nur den Vereinigten Staaten, sondern auch Europa. Was in den USA passiere, habe auch „massive Auswirkungen auf unser Leben“. Mitveranstaltet wurde der Abend von der Landeszentrale für politische Bildung, die von Natalie Bug, dort Referatsleiterin Europa/Internationale Politik, als „Werbeagentur für Demokratie“ bezeichnet wurde, mit dem Ziel, das Bewusstsein für Demokratie zu fördern.
Landwehr räumte in seinem Vortrag mit dem Klischee auf „schlecht ausgebildete, arme weiße Männer auf dem Land“ seien die wichtigsten Wähler von Trump gewesen. Bei der letzten Wahl waren es „diejenigen, die morgens mit dem Auto oder der U-Bahn in die Stadt fahren, hart arbeiten und abends darüber sprechen, ob bei den gestiegenen Preisen das Geld noch für die Ausbildung der Kinder reicht. Menschen mit Einkommen zwischen 30.000 und 100.000 US-Dollar haben mehrheitlich ihr Kreuz bei Donald Trump gemacht – die arbeitende Mittelschicht.“ Auch unter weißen Frauen, Gewerkschaftern und Erstwähler, früher mehrheitliche Wähler der Demokraten, erzielte Trump sehr gute Ergebnisse. Gerade junge heterosexuelle Männer würden dabei von der Angst getrieben, vor „lauter Quotenregelungen für Frauen, nicht-weißen Ethnien oder nichtheterosexuellen Gender“ keinen Job mehr zu finden. „Die Demokraten sind die Partei der urbanen Eliten geworden“, sagte Landwehr.
Vielen Amerikanern ginge es dabei um die „Amerikanische Identität“. Der Streit ob „wahre Amerikaner“ eher die liberalen städtischen Eliten oder eher traditionell denkend seien spalte dabei Familien und Beziehungen. „Zehn Prozent aller Amerikaner sagten in Umfragen, eine romantische Beziehung schon einmal beendet zu haben, wegen unterschiedlicher politischer Ansichten“, so Landwehr. An den Beispielen Waffenrecht („Für Waffenfans geht es dabei Freiheit“), Zölle („für Arbeiter ein Strohhalm, um ihren Job nicht zu verlieren“) oder Migration („Gegner haben kein Verständnis dafür, dass Migranten nicht, wie es früher der Fall war, so werden wollen wie sie“) versuchte er das Denken, der Trump-Anhänger zu verdeutlichen. Für diese bedeute „Make America great again“ auch nicht nur, die Nation großzumachen, sondern auch gleichzeitig sich selbst. Zu dieser Motivation meinte Landgraf: „Ich habe wenig Verständnis für Trump, aber viel für seine Wähler.“
Nur ein regelmäßiger Blick auf die Uhr half ihm dabei im Zeitplan zu bleiben. An seinen fachkundigen, interessanten und kurzweiligen Vortrag schloss sich eine von Geiger moderierte Fragerunde an, die reichlich genutzt wurde, um einzelne Themen zu vertiefen. Eine lange Schlange bildete sich zum Abschluss, als der Referent seinen jüngsten Spiegel-Bestseller, welcher unter dem Titel „Die zerrissenen Staaten von Amerika“ erschien, signierte.
Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung konnten wir Landwehr noch die Frage stellen, ob er trotz aller Unterschiede, was das politische System angeht, eine ähnliche Entwicklung in Deutschland sieht. Dazu sein Kommentar: „Wissen Sie Barack Obama hat einmal gesagt ‚Trump ist nicht die Ursache der Probleme, sondern Trump ist das Symptom‘ für Menschen, die sich nicht wiederfinden und für ein Leiden an einer Gesellschaft. Ich glaube, dass wir das eins zu eins überragen können auch auf die AfD bei uns. Die AfD ist nicht die Ursache unserer Probleme, sie ist ein Symptom für vieles, was Menschen in unserer Gesellschaft für falsch halten, wo sie sich nicht wiederfinden, und insofern sind wir in einer sehr ähnlichen Entwicklung. Bei uns haben Populisten eine gute Chance, Menschen mitzunehmen, weil sie bei den anderen Parteien die Alternativen nicht mehr finden, weil sie sich überhaupt nicht mehr wiederfinden in der Politik. Insofern sind wir wie immer ein paar Jahre hintendran, aber es könnte sehr ähnliches bei uns passieren.“
