Zwischen der alltäglichen Büroausstattung, den Schreibtischen und den Wartesaalstühlen des Gerichts springen den Gästen seit Montagabend bunte Farbexplosionen ins Gesicht. Auf großen Leinwänden sind teils völlig abstrakte, teils aber auch mit etlichen Details versehene Acrylmalereien zu sehen. Mal hat der Künstler Köpfe einfließen lassen, mal sind die Figuren vager und lassen sich frei interpretieren. Alle 40 Werke seien, nach einer längeren Schaffenspause, in den vergangenen zwei Jahren entstanden, erklärte Ziegler selbst. Ein Lieblingsbild habe er nicht, aber von den vielen verschiedenen Kunststilen, die er in den vergangenen Jahrzehnten ausprobiert habe, sei der „Detaillierte Abstrahismus“ sein Favorit, gab er an. „Es ist so ein schönes Betätigungsfeld“, freute sich Ziegler und fügte hinzu: „Ich bin nicht an irgendwelche fiktiven Strukturen gebunden, sondern kann meine Erfahrung, meine Kreativität einfach rauslassen.“
Christine Schwarz, Direktorin des Arbeitsgerichts und Erste Vorsitzende des Vereins „Kunst und Justiz“, ging in ihrer Eröffnungsrede auf die Geschichte des Vereins und seine Motivation ein. Dieser sei vor 25 Jahren von Schwarz mit ihren Kollegen Wolfram Dylla, Richter am Arbeitsgericht, Prof. Dr. Carsten Schütz, Vorstandsmitglied des Vereins, und Rechtsanwalt Stephan Ulrich gegründet worden, um die Zugangsschwelle zum Gericht zu senken und das „Bild der verstaubten Justiz aus den Köpfen der Menschen zu verbannen“. Dies hätte immer eine „Win-Win-Situation“ geschaffen, führte sie weiter aus: „Wir hatten schöne Bilder und konnten Künstler unterstützen.“
Im vergangenen Vierteljahrhundert sei diese ungewöhnliche Kombination aus Kunst und Justiz auf viel positive Resonanz seitens der Gäste gestoßen, fügte sie an: „Wir merken es immer, wenn eine Ausstellung endet. Da beschweren sich dann immer die Leute, dass die Räumlichkeiten so kahl sind und fragen, wann die nächste Ausstellung kommt.“ So sei in der gesamten Zeit des Bestehens eine Vielfalt an Künstlern, Ausstellung und Themen in den Räumen des Gerichts zu sehen gewesen, hob sie stolz hervor. Über Zieglers „Rückkehr“ freue sie sich aber besonders, da er nicht nur als äußerst talentierter Künstler mit seinen Gemälden einen „Hochgenuss“ für die Gäste schaffe, sondern auch als erster Ausstellender vor 25 Jahren einen persönlichen Bezug zum Gericht gehabt hätte, betonte sie.
Im Anschluss an die Reden eröffneten Schwarz und Ziegler gemeinsam die Ausstellung und luden alle Gäste zum Flanieren ein. Für das leibliche Wohl war ebenfalls in Form von Häppchen und kühlen Getränken gesorgt. Die Veranstaltung wurde musikalisch von dem Pianisten Jan Luley auf dem Keyboard begleitet. Dieser war extra dafür aus Berlin angereist.
