Toleranz, Respekt, Freiheit, Verantwortung oder Gleichberechtigung – zentrale Werte, mit denen sich die Schüler aus dem Raum Fulda intensiv auseinandergesetzt haben und die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt von großer Bedeutung sind. Dies stellten die Schüler der Wigbertschule nachdrücklich unter Beweis. Vor der Diskussionsrunde führten sie Kultusminister Schwarz durch die Schule und stellten an sechs Stationen dar, wie für sie diese Werte täglich zum Ausdruck gebracht werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand das Thema ‚Respekt‘ so gut darstellen kann, wie Sie es getan haben“, lobte Schwarz begeistert nach der letzten Station, bei der die Schüler eine Aufführung in der Aula zeigten, und fügte hinzu: „Ich finde es wirklich beeindruckend, mit welcher Begeisterung Sie hier dabei sind.“ Dieses Engagement zeige, dass das Thema Wertevermittlung „offensichtlich ein großes Interesse“ besitze, ergänzte er stolz.
Zu Gast waren außerdem Jugendliche der Fuldaer Rabanus-Maurus-Schule, Freiherr-vom-Stein-Schule und Winfriedschule, die ebenfalls jeweils ihre Projekte zum Thema darstellten. „Die Gesellschaft von morgen entscheidet sich auch in den Klassenzimmern von heute. Umso wichtiger ist es, der Tendenz zur Spaltung entschieden entgegenzutreten – mit einem klaren Gerüst an Werten, die uns Orientierung geben und den Zusammenhalt stärken. Die Schulen werden als Sozialisierungsraum für unsere jungen Menschen immer wichtiger“, sagte Schwarz. Dies helfe, dem Einfluss gesellschaftlicher Herausforderungen wie Polarisierung, Falschinformation, Antisemitismus und Extremismus wie Islamismus zu begegnen.
Die Tour ist Teil einer breiten Initiative. Hessen verstärkt seit diesem Schuljahr die Wertevermittlung an seinen Schulen – derzeit insbesondere mit den zugewanderten und geflüchteten Jugendlichen in den Deutsch-Intensivklassen, die regelmäßig hierin Unterricht erhalten. Nach und nach werden die Aktivitäten auf alle Schülerinnen und Schüler im Land ausgeweitet. „Unsere Schulen müssen Orte des Respekts, der Wertschätzung und des friedlichen Miteinanders sein, damit unsere Kinder eine glückliche Schulzeit und Freude am Lernen und an Leistung haben. Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Respekt, Gleichberechtigung oder Meinungsfreiheit sind keine Nebensache – sie sind das Fundament für unser Zusammenleben“, betonte der Minister. Die anschließende Diskussionsrunde befasste sich mit den Themen Respekt im Alltag und wie dieser gezeigt werden kann. Neben den Fragen der Moderatoren hatten auch die Schüler die Möglichkeiten sich in die Veranstaltung einzubringen. Dafür durften sie im Vorfeld schriftlich fragen formulieren, die dann den Teilnehmern unterbreitet wurden. Die drei Teilnehmer waren Jasmin Hohmann, Hauptkommissarin des Polizeipräsidiums Osthessen, Alexander Sawazki, Polizeibeauftragter für Bürger mit Migrationshintergrund und Karsten Vollmar, ehemaliger Fußball-Schiedsrichter. Sie gaben Einblicke in die Wichtigkeit von Werten in ihrem Alltag und erklärten, wie respektvoller Umgang umgesetzt werden kann.
Die Schulleiterin der gastgebenden Wigbertschule, Sandra Möllers, zeigt sich überzeugt: „Wir betrachten diesen Tag als Initialzünder und wollen gemeinsam dafür sorgen, dass dies ein wichtiger Beitrag für die weitere Entwicklung einer Haltung ist. Die Schülerinnen und Schüler waren von Anfang an motiviert, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Außerdem wollten sie darüber diskutieren, was Respekt in anderen Kulturen oder überhaupt im Umgang miteinander in der Schule bedeutet. Dies wird nachhaltig wirken.“
Initiative zur Wertevermittlung an hessischen Schulen
Die Initiative zur Wertevermittlung ist zunächst auf Intensivklassen ausgelegt, in denen etwa 36.000 geflüchtete und zugewanderte Kinder seit diesem Schuljahr zwei Stunden pro Woche unterrichtet werden. Das Thema Wertevermittlung wird auf verschiedene Art – beispielsweise über Projekttage, aber auch mit einem stärkeren inhaltlichen Fokus im Regelunterricht – vom kommenden Schuljahr an auf alle Schulformen und Klassen ausgeweitet. Es geht hierbei um zentrale Werte wie Respekt, Toleranz, Meinungsfreiheit oder Gleichberechtigung, aber auch um Demokratiebildung. Die Vermittlung kann durch praktische Übungen, Rollenspiele, Projekte mit Polizei, Feuerwehren und Rettungskräften oder beispielsweise über interkulturelles Lernen erfolgen. Die Wertevermittlung soll die jungen Menschen darin fördern, weltoffen und verantwortungsvoll an der demokratischen Gesellschaft teilzuhaben. Lehrkräfte werden durch Fortbildungen, spezielle Schulungsmaterialien sowie digitale Plattformen unterstützt.
