Lokales FD 16.02.2025

Spannende Wortgefechte – Regionalfinale von Jugend debattiert

Fulda (aw) – Wie geht diskutieren? Mit allem, was dazu gehört: argumentieren, zuhören, ausreden lassen, auf das Gegenüber eingehen? Gleich 16 Jugendliche haben am Freitagvormittag in einem gepflegten, respektvollen und konstruktiven Austausch von Argumenten gezeigt, wie es funktioniert: im Rahmen des Regionalentscheids von „Jugend debattiert“ trafen sich die Schulsieger unterschiedlicher Schulen der Region und diskutierten über aktuelle Themen.

Von links: Franziska Kress (Freiherr vom Stein Schule), Marius Kümmel (Rabanus-Maurus-Schule), Sophia Rippert (Marienschule), Lukas Roth (Freiherr-vom-Stein-Schule), Nils Umlauf (Richard-Müller-Schule, Martha Both (Marianum), Letizia Bott (Marianum). Foto: Michael Imhof

Egal ob Rauchen in der Öffentlichkeit, Kennzeichenpflicht für Fahrräder, Pyrotechnik in Fußballstadien oder Ausschluss von extremen Parteien von Diskussionsrunden: die Schulsieger der Sekundarstufe I und II mussten im Vorfeld der Diskussion nicht nur starke Argumente, sondern auch aussagekräftige Beispiele finden. Die Motivation, aber auch die Nervosität aller Teilnehmer war spürbar, denn immerhin ging es um die Landesqualifikation.

Schon die ersten vier Kandidatinnen der Sekundarstufe I lieferten sich ein sachliches Wortgefecht, indem sie über die Frage, ob das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten werden sollte, diskutierten. Nachdem die Jury, die aus Lehrern und der ehemaligen Teilnehmerin, Annika Seuring, die es im vergangenen Jahr bis in das Bundesfinale geschafft hat, bestand, jedem einzelnen ein Feedback gab, wurde der Sieger verkündet: Benjamin Maisch (Marianum) konnte die Jury mit seinem Auftreten am meisten überzeugen und darf am Landesfinale teilnehmen. Dass „Jugend debattiert“ nicht nur die Kommunikationsfähigkeit stärkt, machte Dr. Michael Imhof, der das Programm vor 24 Jahren nach Fulda geholt hat, deutlich: „Durch die sachliche Diskussion, wird das Selbstbewusstsein der Jugendlichen gestärkt und sie werden aktiv darauf vorbereitet, an der Gesellschaft teilzunehmen.“ Das sei auch der Grund dafür, dass in jeder Debatte gesellschaftsrelevante Themen behandelt werden, so auch in der nächsten Debatte: Die Diskussion darüber, ob eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder eingeführt werden sollte, hatte es in sich und die Teilnehmer lieferten sich ein hitziges Hin-und-Her. Frau Flicker-Auth, welche ein Teil der Jury war, fand nach der Debatte lobende Worte für die vier Debattierenden: „Ihr habt es tatsächlich geschafft, dass wir als Jury nach der Diskussion anders über die Fragestellung nachgedacht haben. Das hat uns die Entscheidung, wer gewonnen hat, natürlich nicht leichter gemacht.“ Als Sieger der Debatte wurde wenig später Lars Burkard (Rabanus-Maurus-Schule) bekanntgegeben. „Bitte nutzt die Chance der Fortsetzungs- und Qualifizierungskurse für das Landesfinale“, appellierte Imhof an die beiden Gewinner, „Ihr könnt damit euer Verständnis für verschiedene Perspektiven schulen und euch weiterentwickeln.“

Mit der Frage, ob Pyrotechnik in Fußballstadien legalisiert werden soll, beschäftigten sich im weiteren Verlauf des Vormittags vier Schulsieger der Sekundarstufe II. Während Ingmar Schick (Winfriedschule) und Sophia Rippert (Marienschule) die Pro-Seite darstellten und für die Umsetzung der Legalisierung die Einteilung in Zonen der Stadien, das ausnahmslose Verwenden von nur zugelassener Technik und einen speziellen Schein für die Benutzung der Pyrotechnik vorschlugen, arbeiteten Nils Umlauf (Richard-Müller-Schule) und Marius Kümmel (Rabanus-Maurus-Schule) als Kontra-Seite vehement dagegen. Nach ausführlicher Beratung wurde Sophia Rippert (Marienschule) von der Jury auf den ersten Platz gewählt. Marius Kümmel qualifizierte sich ebenfalls für das Nordhessenfinale.

Nachdem sich Franziska Kress (Freiherr-vom-Stein-Schule), Lukas Roth (Freiherr-vom-Stein-Schule), Martha Both (Marianum) und Letizia Bott (Marianum) mit der Frage, ob extreme Parteien von Diskussionsrunden ausgeschlossen werden sollen, einen verbalen Schlagabtausch geliefert haben, aus Lukas Roth (Freiherr-vom-Stein-Schule) als Sieger hervorging, gab Imhof den zahlreichen Jugendlichen noch eine letzte Botschaft mit auf den weg: „Wenn ich heute in den Deutschen Bundestag schaue, dann kann ich den Abgeordneten nur empfehlen „Jugend debattiert“ als Pflichtprogramm einzuführen, denn in einer Welt, in der oft unter der Gürtellinie argumentiert wird, bietet das Programm einen Raum, in dem konstruktive Diskussionen gefördert werden und die Werte von Toleranz und Respekt im Vordergrund stehen.“ Nachrücker für die beiden Sieger sind Martha Both (Marianum) und Nils Umlauf (Richard Müller).

„Jugend debattiert“ im Stadtschloss. Fotos: Anna Weißenberger