Dimitrij Ovtcharov spielte ein großartiges Match, doch am Ende stand ihm das Glück nicht zur Seite. Der olympische Bronzemedaillengewinner von London und Tokio unterlag dem Weltranglistenvierten Liang Jingkun mit 13:15 im Entscheidungssatz und haderte verständlicherweise mit dem Tischtennis-Schicksal: „Da war wirklich schon sehr viel Pech dabei. Das ist mir nun schon einige Male passiert. Viel vorwerfen kann ich mir aber nicht.“
Doch der Reihe nach. Denn das Spiel, das er bereits gewonnen zu haben schien, war nicht nur hochklassig, sondern auch überaus facettenreich. Der World-Cup-Sieger von 2017 startete – wie schon gestern gegen den Chinesen Xiang Peng – auch gegen dessen prominenten Landsmann Liang Jingkun in beeindruckender Manier. In den ersten beiden Sätzen, die mit 11:6 und 11:5 an den Deutschen gingen, fand der Weltranglisten-Vierte keinerlei Mittel gegen das dominante Tischtennis seines Gegenübers.
Erst ab dem dritten Satz stellte sich der dreimalige WM-Dritte besser auf die aggressiven Attacken des Fuldaers ein und gewann zunehmend an Sicherheit und Platzierungsgenauigkeit. Dennoch benötigte Liang beim 11:6 und 11:9 zum 2:2-Ausgleich in der Anfangsphase des vierten Spielabschnitts zweimal die Hilfe der Tischkante, um beim knappen 11:9 ein ähnlich schnelles Enteilen Ovtcharovs wie in den Sätzen eins und zwei zu verhindern.
Der anschließende Entscheidungssatz war an Dramatik kaum zu überbieten. Bei einem 6:10-Rückstand erspielte sich Dimitrij Ovtcharov in Weltklassemanier durch fünf Punkte seinen ersten Matchball. Doch ein Rückhand-Unterschnittball des Chinesen touchierte fast unsichtbar mit dem Hauch einer Berührung noch die Tischkante und führte zum Ausgleich. Vier Ballwechsel und zwei weitere Matchbälle Ovtcharovs später war es erneut ein unerreichbarer Kantenball Liangs, der dem Chinesen die Führung und einen Ballwechsel später auch den glücklichen Gesamtsieg bescherte.
Entsprechend groß war die Enttäuschung des Unterlegenen: „So gegen Liang zu verlieren, ist natürlich schon sehr bitter. Sein Kantenball zum 11:11-Ausgleich hat die Tischkante ja kaum berührt. Das war eine so hauchdünne Sache, dass es kaum jemand gesehen hat – sogar die Musik in der Halle fing schon an zu spielen. Schon im vierten Satz hatte ich das Glück nicht auf meiner Seite: Er gewinnt knapp 11:9, macht aber bis zum Stand von 4:4 zwei Kantenbälle. Sonst hätte ich mir hier vielleicht – ähnlich wie in den ersten beiden Sätzen – wieder eine hohe Führung herausgespielt.“
