Die geschichtliche und kunsthistorische Bedeutung des Pfarrhauses ist regional und überregional herausragend: Unter Fürstabt Adolf von Dalberg (1726-1737), dessen Wappen noch heute an der westlichen Steinmauer zu sehen ist, wurde es im barocken Stil des italienisch-fuldischen Architekten Andreas Gallasini erbaut. Demnach ist es nach dem Kirchturm das älteste erhaltene Gebäude Marbachs und wegen seiner Schönheit und prominenten Lage zusammen mit der Kirche das Wahrzeichen des Dorfes.
In einer offenen und teilweise kontrovers geführten Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen bei der Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes sahen viele der anwesenden Teilnehmer die Notwendigkeit, das Pfarrhaus in Marbach zu einem lebendigen Ort der Begegnung, des Austausches und der Unterhaltung und damit zu einem Mittelpunkt des dörflichen Lebens zu machen. Deshalb bedauerten sie sehr, dass die Gemeinde Petersberg aufgrund eines Mehrheitsbeschlusses der Gemeindevertretung dieses barocke Juwel auf dem Marbacher „Kibbel" nicht erwerben will. Sie waren sich einig: Nun seien die Marbacher Bürger gefragt.
Dazu wurde den Anwesenden eine bunte Palette von Nutzungsmöglichkeiten präsentiert, die Dr. Norbert Höhl bereits bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Rettet das Pfarrhaus in Marbach!" am 6. Februar vorgestellt hatte: Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittage, Jugendtreff, Computer- und Smartphonehilfe für Senioren, Handarbeiten-Runde, gemeinsames Kaffeetrinken, gemeinsames Singen, Kommunion- und Firmunterricht, Bibelgespräche, Diavorträge, Reiseberichte, Sprachkurse, Kochkurse, Bewegungs- und Sportübungen, Malkurse, Kunstausstellungen, kreatives Schreiben, Instrumente spielen (lernen), Filmvorführungen, Flohmarkt, Vereinstreffen, Selbsthilfegruppen, kommunalpolitische Gesprächskreise, Arbeitskreise für Umwelt- und Naturschutz, Energieberatung durch die Gemeinde Petersberg, Fahrradwerkstatt, Repaircafé, Kammerkonzerte, Literaturlesungen, Kabarett.
Aus dem Kreis der Teilnehmer kamen weitere Vorschläge wie: Alterstreffpunkt für Petersberger Bürger, WG für rüstige Rentner, interdisziplinäres Begegnungszentrum der Generationen, Kleinkinderbetreuung, offene Vortragsreihen über Themen aus Technik, Philosophie, Physik und Chemie, Förderung von Start-Up-Unternehmensgründungen im EDV-Bereich.
Von zentraler Bedeutung aber war das Konzept einer Gedenkstätte zum Thema „Das Bistum Fulda im Dritten Reich" oder „Die katholische Kirche im Widerstand gegen das Nazi-Regime". Pfarrer Konrad Trageser (1884-1942), der selbst im Pfarrhaus in Marbach gelebt hat und im KZ Dachau starb, ist nämlich nicht der einzige Geistliche, der unter den Hitler-Schergen gelitten hat. Viele Menschen im Bistum Fulda haben solch ein Martyrium ertragen müssen. Dazu verwies Höhl auf das Buch von Pfarrer Dr. Bernhard Opfermann mit dem Titel „Das Bistum Fulda im Dritten Reich“ (Verlag Parzeller Fulda 1987). Dennoch gebe es bisher im Bistum eine derartige zentrale Gedenkstätte nicht. Im Pfarrhaus in Marbach könnten daher Dokumente aller Art, die an diese gepeinigten Menschen erinnern, ausgestellt werden, und ein Begegnungsraum könnte entstehen, in dem interessierte Menschen, nicht zuletzt Schüler, an dieses fast vergessene oder verdrängte Thema herangeführt werden. Eine entsprechende Anfrage seitens des neuen Vereins an das Bistum Fulda wurde an die Pfarrgemeinde St. Lioba Petersberg weitergeleitet.
Aufgrund der gesehenen Notwendigkeit, das Pfarrhaus durch Marbacher Bürger mitzugestalten, und angesichts der vielen konkret vorgestellten Nutzungsmöglichkeiten, erklärten sich schließlich neun der 15 anwesenden Teilnehmer bereit, den „Kultur- und Förderverein Pfarrhaus Marbach" zu gründen. Sie verabschiedeten eine Vereinssatzung und wählten einen Vorstand. Der Verein wird beim Amtsgericht die Aufnahme in das Vereinsregister beantragen und dann als eingetragener Verein den Namenszusatz e.V. führen. Ebenso wurde beschlossen, beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit zu beantragen. Mit einem gemütlichen Beisammensein wurde die Gründungsversammlung beendet.
Der Vorstand des neu gegründeten Vereins:
Erster Vorsitzender: Dr. Norbert Höhl (Marbach)
Zweiter Vorsitzender: Bernhard Longerich (Marbach)
Schriftführerin: Mechthild Kienle (Petersberg)
Schatzmeisterin Stephanie Höhl (Marbach)
Beisitzer Alain Kaffo (Fulda)
Kassenprüfer: Karl Wald (Marbach) und Carsten Bröse (Lehnerz)
