Eine große Zahl an Menschen hörte Banaszak zu, während dieser über seine Erfahrungen in der Sitzungswoche berichtete. Er beschrieb die Diskussionen am Mittwoch zum „Fünf-Punkte-Plan“ der CDU und zum „Zustrombegrenzungsgesetz“ am Freitag als sehr aufwühlend. Als am Mittwoch mit einer knappen Mehrheit erstmals ein Antrag mit Stimmen von CDU, FDP und AfD verabschiedet wurde, sei die „Stimmung kaum zu greifen“ gewesen. Bei Linken, SPD und Grünen habe Entsetzen, Wut und Trauer vorgeherrscht, die AfD habe mit „Siegerposen“ gefeiert. Der Bundesvorsitzende kritisierte, dass die CDU am Freitag „sehenden Auges in die gleiche Situation“ gelaufen sei.: „Demokratinnen und Demokraten dürfen sich niemals erpressen lassen“, machte er mit Bezug auf die Debatte am Freitag deutlich. Merz habe durch sein Vorgehen „doppelten Schaden“ angerichtet.
Der Grünen-Politiker erzählte ebenfalls von positiven Entwicklungen: So habe seine Partei seit dem Bruch der Ampel-Koalition am 6. November 30.000 neue Mitglieder begrüßen dürfen. Seit dem Einbruch der „Brandmauer“ am Mittwoch allein seien es 3000 Menschen gewesen, die in die Partei eingetreten seien. „Gerade weil die Lage schwierig ist, kommen die Menschen zusammen“, stellte Banaszak fest und fügte an: „Deswegen bin ich hier.“ Die Entschlossenheit der Menschen gegen antidemokratische Kräfte mache ihm Hoffnung. Er hob einige Erfolge der Ampel-Koalition bezüglich der Klimapolitik hervor. Die nächste Regierung werde maßgeblich darüber entscheiden, ob die gesetzten Ziele, bis 2030 klimaneutral zu sein, erreicht werden könne. Deutschland müsse erneuerbare Energien und Stromnetze weiter ausbauen und sich für eine Verkehrswende einsetzen, erläuterte der Bundesvorsitzende weiter.
Bei allen politischen Unterschieden merkte der Grünen-Politiker an, dass es eine konservative Partei wie die CDU in Deutschland brauche: „Eine starke Kraft der Mitte.“ Diese müsse die Grenze zur AfD aufrechterhalten und so die Demokratie schützen. Dazu stellte der Bundevorsitzende jedoch fest: „Solange Merz diese Brandmauer nicht wieder errichtet, stellt sich die Frage, ob er Bundeskanzler sein kann.“ Banaszak ging in seiner Rede ebenfalls auf die schrecklichen Taten in Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg ein. Hier brauche es eine systematische Zusammenarbeit der Behörden und Konsequenzen gegen die Täter. Er warnte jedoch davor, diese Morde für „Schnellschüsse“ in der Politik zu nutzen. Deutschland dürfe sich nicht abschotten. Er hob hervor, wie wichtig in der aktuellen Zeit ein geeintes Europa sei: „Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn wir den Zusammenhalt Europas stärken.“
Marie-Louise Puls, Direktkandidatin für den Wahlkreis Fulda, pflichtete Banaszak in ihrer Rede bei, dass die CDU bewusst die Zustimmung der AfD am Mittwoch und am Freitag in Kauf genommen habe: „Das war kein Versehen.“ Sie freute sich über die große Zahl der Menschen im Saal und bedankte sich bei den Mitgliedern für ihre bisherige Unterstützung im Wahlkampf. Sie zeigte sich optimistisch, auch in den kommenden Wochen weiterhin die Wählerinnen und Wähler anzusprechen und von den Themen der Grünen im Wahlkampf überzeugen zu können: „Gehen wir auf die Straße.“ Die Bundestagskandidatin erklärte außerdem zum Wahlslogan „Ein Mensch, ein Wort“, dass dies ein Versprechen an die Menschen sei: „Was wir sagen, das tun wir.“
Begrüßt wurden die Gäste im Saal von Knut Heiland, Vorstandssprecher des Kreisverbands Fulda. Dieser kündigte unter anderem Frauke Goldbach an, die einen Poetry Slam mit dem Titel „Was geht ab?“ vortrug. Darin beschäftigte sich mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft, der ihr Sorgen bereitete: „Mir macht das alles Angst.“ Sie rief dazu auf, sich einzusetzen und für eine bessere Zukunft einzustehen. Die Menschen hätten die Wahl, ob sie die Demokratie schützen oder bei der Zerstörung zusehen wollen: „Wir haben eine Stimme.“ Im Anschluss an die Reden konnten sich die Gäste in geselliger Runde austauschen und beim Büfett einige Leckereien probieren.
