Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Chemnitz haben stellvertretend fünf Vereinsverantwortliche am Mittwoch die Interessen von 17 Clubs der Regionalliga Nordost öffentlich vertreten und unter der großen Überschrift „Aufstiegsreform 2025“ noch einmal unmissverständlich klargestellt: „Schluss mit der strukturellen Benachteiligung der Regionalliga Nordost: Meister müssen aufsteigen – auch im Osten!“. Von den 18 Clubs der aktuellen Saison in der Nordost hatte sich nur Viktoria Berlin nicht beteiligt, andere große Traditionsvereine wie Jena und Erfurt, gegen die die SG Barockstadt im Winter testete, oder der Chemnitzer FC, Chemie Leipzig und BFC Dynamo, haben ihre Absichten untermauert.
Seit einigen Jahren steigen die Meister der Staffeln West und Südwest fest in die 3. Liga auf. Jährlich wechselnd darf auch der Meister aus Nord, Nordost oder Bayern direkt aufsteigen, während die jeweils anderen beiden den vierten Aufsteiger zwei Aufstiegsspielen ermitteln.
Der Fußball-Osten sowie der Nordostdeutsche Verband mit Präsident Hermann Winkler an der Spitze wollen sich nun konsequent für die Interessen der Clubs einsetzen und streben eine Reform in Zusammenarbeit mit den anderen Landesverbänden und dem DFB an, „um schnellstmöglich einen mehrheitsfähigen Kompromiss zu finden. Ziel aller Beteiligten muss es sein, aus einer Übergangslösung eine tragfähige Zukunftslösung zu schaffen und die Benachteiligung der Ost-Clubs endlich zu beenden“, heißt es. Denn die aktuelle Aufstiegsregelung gelte bereits seit 2019 als provisorische Übergangslösung. Die Ost-Clubs sprechen nach Jahren, in denen nichts passierte, von einer „Zwei-Klassengesellschaft der vergangenen sechs Jahre, die der sportlichen Ethik und der Integrität eines fairen Wettbewerbs im gesamtdeutschen Fußball widerstrebt“.
Lösungsvorschläge: Viergleisige Regionalliga oder anderer Weg?
Doch wie sehen die Lösungen aus? Die 17 Ost-Vereine haben drei Vorschläge als Diskussionsgrundlage eingebracht: Der erste Vorschlag ist eine Reduzierung der Regionalliga auf vier statt fünf Staffeln, in denen dann jeder Meister direkt aufsteigen würde. Das würde für die Vereine allerdings höhere Kosten und längere Fahrten bedeuten, gleichzeitig sollen die vier Staffeln dann auf 20 Mannschaften aufgestockt werden, damit gäbe es 80 statt bisher 90 Regionalligisten. Diese sollen geographisch günstig aufgeteilt werden, wobei die Nordost-Vertreter dafür auch Veränderungen der bisherigen, eigenen Liga in Kauf nehmen würden. Die hessischen Teams wiederum würden wohl weniger davon profitieren, egal in welche der vier Himmelsrichtungen es gehen würde.
Der zweite Vorschlag der Nordost-Clubs ist eine Playoff-Runde der fünf Meister, wenn die Staffeln so bleiben, wie sie sind. Die besten Vier steigen auf, dazu sollen Einnahmen aus TV-Vermarktung generiert werden, die allen Meistern, auch dem Fünftplatzierten, der nicht aufsteigt, zugute kommen.
Vorschlag drei des Nordostens ist eine viergleisige Regionalliga wie im ersten Beispiel, allerdings soll zudem noch die 3. Liga von 20 auf 22 Teams aufgestockt werden. Gleichzeitig sollen die Zweitvertretungen aus 3. Liga und Regionalligen in einer eigenen U23-Liga zusammengefasst werden, wie in England, um den Nachwuchs gezielt zu fördern.
Unabhängig der Vorschläge fordern die 17 Nordost-Regionalligisten aber Veränderungen, und zwar schnellstmöglich: „Ziel ist es, dies idealerweise in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem NOFV und dem DFB zu erreichen. Mit dieser gemeinsamen Initiative senden die 17 Clubs eine klare Botschaft und setzen eine konkrete Erwartungshaltung in Richtung des DFB-Bundestages im September 2025“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Beteiligen wollen nun Gespräche mit anderen Landesverbänden führen und Mehrheiten sammeln. Selbst aber wenn eine Reform beim DFB durchgehen würde, gab Carl Zeiss Jenas Präsident Ralph Grillitsch Ralph Grillitsch an, sei mit einer Umsetzung frühestens zur Runde 2027/28 zu rechnen.
Barockstadt-Trainer Cimen: „Fair, wenn alle Meister aufsteigen“
Die Südwest-Staffel stellt bis dato immer einen festen Aufsteiger in die 3. Liga – und das in den vergangenen Jahren mit Saarbrücken, Elversberg, Ulm und Co. erfolgreich. Doch auch bei Daniyel Cimen, Trainer der SG Barockstadt, der lange schon im Geschäft tätig ist, stößt die aktuelle Aufstiegsregelung auf Unverständnis: „Ich finde es nicht fair, dass nicht alle Meister aufsteigen können. Es muss unheimlich schwer für eine Mannschaft sein, als Meister eine Relegation zu spielen, wo die ganze Saison an zwei Spielen hängt und es viel auf Tagesform ankommt“. Eine klare Meinung zu einem der drei Lösungsvorschläge habe er jedoch nicht, und weist ebenfalls darauf hin, dass eine Reduzierung auf vier Staffeln gerade in Hessen zu geographischen Diskussionen führen könne.
„Aufstiegsreform 2025“: Das sind die 17 Clubs der gemeinsamen Initiative
1. FC Lok Leipzig, BFC Dynamo, BSG Chemie Leipzig, FC Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, FSV 63 Luckenwalde, FSV Zwickau, Greifswalder FC, Hallescher FC, Hertha BSC II, F.C. Hertha Zehlendorf, FC Rot-Weiß Erfurt, SV Babelsberg 03, VSG Altglienicke, FC Eilenburg, VFC Plauen und ZFC Meuselwitz.
