In einer gemeinsamen Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses sowie des Ausschusses für Bauwesen, Klimaschutz und Stadtplanung im Marmorsaal des Stadtschlosses am Dienstag wurden die von Stadtbaurat Daniel Schreiner vorgestellten Pläne fraktionsübergreifend gelobt. Auch Anja Listmann, Fuldas Beauftragte für Jüdisches Leben, freute sich über die einhellige Zustimmung. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sagte dazu, dass aus einem Ort „der nicht in der Weise erkennbar ist, ein würdiger Gedenkort gestaltet werden soll“. Er dankte der Arbeitsgruppe, welche schon seit über fünf Jahren tagt, und in der neben dem Magistrat auch Vertreter überlebender ehemaliger jüdischer Mitbürger aus den USA und Israel, die Fuldaer jüdische Gemeinde und Thomas Heiler aus der Stadtverwaltung beteiligt waren, für das Ergebnis „eines langen Arbeitens und Denkens“.
Stadtbaurat Schreiner ging auf die lange Entwicklung ein. Ursprünglich befand sich der Friedhof außerhalb der Stadtmauern auf einer grünen Wiese. Erst nach dem Bau des Bahnhofs entwickelte sich die Stadt weiter in diese Richtung und der Friedhof lag „mitten in der Stadt“. Ab 1909 gab es keine neuen Belegungen mehr. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gelände geräumt und verwüstet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem verfallenen Gelände das Zollamt im nördlichen Teil gebaut und der Platz darunter wurde unter dem Namen Jerusalemplatz eine städtische Grünfläche.
„Wir wollen daraus nicht nur wieder einen Friedhof, sondern einen Gedenkort machen“, erklärte Schreiner. Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit ausgelegt und sollten nicht betreten werden. Im Zuge des Umbaus soll der Platz komplett mit einer Mauer umrandet werden mit einem Zugang nur noch von der Rabanusstraße. Für das seit den 1960er Jahren unter Denkmalschutz stehende Gelände muss zu den verschiedenen Umbauten die entsprechende Beschreibung geändert werden, was laut Stadtbaurat Schreiner vom zuständigen Amt zugesichert wurde. Die Wege werden entfernt. Der momentane Baumbestand bleibt weitestgehend erhalten, wobei zukünftig abgehende Bäume nicht ersetzt werden sollen. Die Wiese in dem Gedenkort soll dabei keinerlei Funktion als Grünfläche mehr haben – es ist ein würdevoller stiller Ort zum Gedenken an die Verstorbenen und auch vertriebenen und ermordeten Fuldaer jüdischen Mitbürger das Ziel. Richtung Rabanusstraße wird eine Gedenkstätte eigerichtet.
Mit circa 90 Centimeter hohen Buchstaben aus lackiertem Metall auf der Mauer wird das Gelände als „Buchstabenzaun“ umfasst von allen Seiten, außer Richtung Zollamt. Als Text wird der alttestamentarische Psalm 23 gewählt: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück; er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn für lange Zeiten.“
Als langfristige Perspektive soll auch das heutige Zollamt mit den Parkplätzen, für die der ehemalige Friedhof zwei Meter hoch aufgefüllt wurde, als Gedenkstätte integriert werden. Bisher gibt es dazu zwischen Stadt und der zuständigen Bundesvermögensverwaltung zwar schon Gespräche, diese wurden allerdings noch nicht konkret. Schreiner dazu: „Der Umbau wird dort dazu anregen, die Nutzung zu hinterfragen und in positivem Fall zum Denken anregen.“ Auch Wingenfeld äußerte sich dazu: „Es muss gelingen den Teil des Zollamts auch zu gewinnen. Es ist ein Unding, dass der Parkplatz Teil des Friedhofs ist.“ Er sah dazu Zustimmung bei Politikern, nicht ohne zu erwähnen, dass sich die Stadt über jede Bundesbehörde, die sich in ihr ansiedelt, freut. Für die momentan rund 40 Mitarbeiter müsse ein angemessener Arbeitsplatz gefunden werden. Wingenfeld hofft auf die Bundestagswahl: „Ich denke danach schaffen wir es, die Weichen zu stellen für entsprechende Arbeitsplätze und einen würdigen Erinnerungsort.“
