Lokales FD 21.02.2025

Nachruf: Malteser und Zufall erinnern an Wegbegleiter Thorsten Franz

Fulda (pm/as) – „Sieh zu, dass alle Lkw immer sauber sind“, steht auf der letzten Botschaft, die Thorsten Franz seiner Kollegin Kathrin Fehler, Bereichsleitung Produktion, hinterlassen hat. Auch im Angesicht des Todes hat er „seine“ Firma nicht außer Acht gelassen. Die Malteser Fulda und Zufall erinnern an den gemeinsamen Wegbegleiter.

Tauschten sich über Trauer in einem Unternehmen aus (von links): Martin Hoogen, Michael Brand (beide Hospizförderverein „LebensWert“ Fulda) , Holger Hamperl, Kathrin Fehler, Michael Hamperl (alle Logistikunternehmen „Zufall“), Sonja Straberger-Hohmann (Malteser Hilfsdienst), Dr. Maria Litmeyer (Hospizförderverein „LebensWert“ Fulda) sowie Wilfried Wanjek (Malteser Hilfsdienst). Fotos: Antonia Sauer/Malteser Fulda

Bei der Übergabe der Palligrafie (von links): Palligrafin Sonja Straberger-Hohmann, Werner Jahn (betreuender Ehrenamtlicher vom Malteser Hospizdienst), Thorsten Franz mit Lebensgefährtin Andrea Henkel sowie der Leiter des Malteser Hospizdienstes Wilfried Wanjek.

„Seine Lebensgefährtin Andrea hat nur einige Minuten, nachdem Thorsten für immer eingeschlafen ist, bei mir angerufen“, berichtet Fehler von dem Moment, als sie erfahren hat, dass ihr langjähriger Kollege und zum Schluss auch Freund gestorben ist. Rund 16 Monate hatte er gegen seine Erkrankung gekämpft, gemeinsam wurde gehofft und gebangt. Thorsten Franz gehörte zum Logistikunternehmen Zufall, egal, ob im Krankenstand oder am Schreibtisch. „Sein Büro war immer wieder bezugsbereit, seine Stelle wurde nicht nachbesetzt, wir haben ihm die Rückkehr jederzeit ermöglicht. Doch Ende des Jahres 2024 mussten wir uns von unserem Thorsten verabschieden“, berichtet Michael Hamperl, Prokurist des Logistikdienstleiters. Aufgrund der Diagnose sei die Hoffnung nicht groß gewesen. „Aber Thorsten war ein Kämpfer, wir kannten die schwerwiegende Prognose der Ärzte, jedoch hoffte man nach einem Besuch bei ihm, dass er das tatsächlich schaffen könnte“, erinnert sich Holger Hamperl, Prokurist bei Zufall.

Gemeinsam mit Sonja Straberger-Hohmann, Koordinatorin Trauerbegleitung beim Malteser Hospizdienst in Fulda, hat Franz seine Lebensgeschichte in einer Palligrafie aufgeschrieben. Wie wichtig sein Arbeitsplatz für ihn war, wurde auch in diesem Schriftstück deutlich. „Das ein Arbeitgeber dieses Auf und Ab bei einer solchen Krankheitsgeschichte mitträgt, den erkrankten Mitarbeiter sogar noch einbindet, das ist nicht die Regel, sondern eher selten“, beschreibt Wilfried Wanjek, Malteser Hospizdienstleiter in Fulda. Franz habe es, laut seinen Kolleginnen und Kollegen, den Mitarbeitenden auch leicht gemacht. „Er hätte es gar nicht zugelassen, dass er nicht mehr eingebunden wird. Wir wollten ihn eigentlich vor Arbeitsthemen schützen. Er wollte aber alles wissen und immer auf dem neuesten Stand sein“, sagt Kathrin Fehler. Manchmal sei es eine Herausforderung gewesen, ihn an den Prozessen zu beteiligen, denn ihn immer wieder abzuholen sei zeitintensiv gewesen. Gerade Kathrin Fehler habe, als direkte Kollegin, durch die Erkrankung von Franz noch mehr arbeiten müssen. „Trotzdem war es mir wichtig, dass ich ihm die Möglichkeit gegeben habe, sich an den Prozessen zu beteiligen. Wir sind auch erst durch die Krankheit zu Freunden geworden“, so Fehler. Mit schwindender Kraft machten Franz und Fehler eine „Tour“ zu Kunden und Kontaktpersonen. „Bei der Terminierung dieser Treffen, habe ich zunächst nicht verstanden, wieso wir diese jetzt machen. Erst nach seinem Tod wurde mir klar, dass Thorsten wollte, dass mich alle wichtigen Kontakte bereits kennen und er mir eine Tür öffnet“, erinnert sie sich. Auf diese Weise hat die gemeinsame letzte Zeit auch zusammengeschweißt und Nähe entstehen lassen, die vorher so nicht gegeben war.

Auch über die Grenzen des Logistikers Zufall hinaus war Franz ein bekanntes Gesicht. „Am Tag seiner Beerdigung stand die Logistikbranche für einen Moment still“, so Fehler. Das Unternehmen ermöglichte allen Mitarbeitenden ihm die letzte Ehre zu erteilen. „Wir sind zwar ein großes Unternehmen, jedoch auch eine Familie. Daher war es uns wichtig, dass alle die Möglichkeit haben dabei zu sein. Egal, ob ein Lkw an diesem Tag stehen blieb oder nicht“, so Holger Hamperl. Hospizdienstleiter, Wanjek, unterstreicht dabei noch einmal, wie wichtig es ist, dass Trauer auch am Arbeitsplatz gelebt werden kann.

Was bleibt ist die Erinnerung an einen Vollblutmitarbeiter, der seine Liebe zum Beruf und Unternehmen schriftlich verewigt hat. Als Dank für diese Arbeit hat das Unternehmen Zufall 2.000 Euro an den Hospizförderverein „LebensWert“ Fulda gespendet, dieser unterstützt die Arbeit des Malteser Hospizdienstes in Fulda. Auch möchte das Logistikunternehmen die Arbeit des Malteser Hospizdienstes weiterhin unterstützen. „Wir haben die Arbeit des Hospizdienstes erst so durch Thorstens Leiden kennen und schätzen gelernt und konnten sehen, wie wichtig die Betreuung in einer solch besonderen Lebensphase ist“, so Holger Hamperl.

Weitere Informationen zum Malteser Hospizdienst gibt es unter www.malteser-fulda.de .