Lokales FD 16.02.2025

Lebensgefährliche Paracetamol-Challenge: Fuldaer Apotheker warnt

Fulda/Eichenzell (fp) – Tödliche Mutprobe: In den sozialen Medien wird derzeit vor einer „Paracetamol-Challenge“ gewarnt, bei dem Teilnehmer größere Mengen an Schmerzmitteln einnehmen. Die Akteure würden darin beweisen wollen, wer höhere Dosen überleben kann oder wer länger ins Krankenhaus muss. „Das sind keine Gummibärchen“, betont dazu der Fuldaer Apotheker Justus Schollmeier. Er fordert politisches Handeln.

Symbolfoto: pixabay

Der Branchenverband Pharma Deutschland, welcher rund 400 Mitgliedsunternehmen der Pharmaindustrie in Deutschland vertritt, hatte vor wenigen Tagen in einer Pressemitteilung vor einer neuartigen Challenge gewarnt. Der Trend solle dabei aus den USA stammen und sich in Belgien und der Schweiz verbreitet haben. Der Verband beobachte dieses Entwicklung mit Sorge und warne ausdrücklich vor dem missbräuchlichen Konsum von Paracetamol. Das Kinder-Format logo! des ZDF hatte kürzlich prüfen lassen, was hinter der Challenge steckt und keine Videos gefunden, bei denen Kinder und Jugendliche Schmerzmittel einnehmen. Es bleibt aber eine allgemeine Warnung, die Herausforderung nachzuahmen.

Paracetamol ist nicht verschreibungspflichtig. Das heißt, dass jeder es in einer Apotheke kaufen kann. Eigentlich soll das Schmerzmittel bei Fieber helfen und Leid verringern, aber derzeit wird es umfunktioniert für eine tödliche Mutprobe. „Acht Tabletten sind das Maximum, die ein Erwachsener Mensch einnehmen darf am Tag“, erklärt Justus Schollmeier, Inhaber der Altstadt-Apotheke in Fulda. Das entspreche etwa einer Dosis von vier Gramm. Bei der Challenge, die gerade auf Plattformen wie Tiktok die Runde macht, nehmen die Jugendlichen aber meist wesentlich mehr Tabletten. Zum Teil eine gesamte Packung Paracetamol werden in den Clips eingenommen, so der Apotheker: „Da kommst du dann schon stark an die Grenze zum Leberschaden.“ In einer Packung seien etwa zwanzig Tabletten, je mit einer Dosierung von 500 Milligramm. Das entspricht dann also einer Dosis von knapp zehn Gramm. „Das sind keine Gummibärchen. Das muss man verstehen“, fügt der Apotheker wütend an und ergänzt: „Diese Trivialisierung von Arzneimitteln ist ein großes Problem meiner Meinung nach.“ Er spreche sich für eine stärkere Aufklärung in diesem Bereich und stärkere Regularien von Online-Apotheken aus: „Wenn bei uns jemand reinkommt und größere Mengen Paracetamol kauft, dann weisen wir auf die Risiken hin. Wenn Sie das Zeug im Internet kaufen, interessiert das keinen. Da können Sie zehn Packungen kaufen.“ Das Problem sollte ernst genommen werden und auch stärker thematisiert werden, fordert er: „Mein Appell an die Politik ist auch, sich mal Online-Apotheken anzuschauen, die da einen Missbrauch provozieren.“ Außerdem sollte in Schulen mehr über Social Media und die Gefahren im Internet aufgeklärt werden, fügt Schollmeier abschließend an.

In den Schulen in der Region werde genau dieses Thema bereits angegangen, erklärt Bianka Roth, Schulleiterin der Von-Galen-Schule in Eichenzell. „Wir haben IT-Unterricht. Dort behandeln wir auch Medienschutz und Gefahren auf Social Media.“ Aber nicht nur dort sei dies ein Thema, sondern auch in anderen Fächern, werde sich mit den Medien auseinandergesetzt, so Roth: „Das ist eine gesamtschulische Aufgabe.“ Mit der gefährlichen Paracetamol-Challenge seien ihre Schüler ihres Wissens nach noch nicht in Berührung gekommen, erklärt die Rektorin. Sollte dies aber der Fall sein, werde die Schule intensiv dagegen vorgehen: „Wenn etwas aufploppt, müssen wir natürlich drüber reden und darauf hinweisen“, betont sie: „Das wird auch klassenweise oder in Einzelgesprächen kommuniziert und entsprechend sanktioniert.“