Lokales FD 11.02.2025

Kritik an elektronischer Patientenakte – Hönscher warnt vor Risiken

Petersberg (as) – Alle wichtigen Dokumente für die Behandlung auf einen Blick, das soll künftig mit der elektronischen Patientenakte für alle gesetzlich Krankenversicherten möglich sein. Die bundesweite Einführung ist aktuell für den 15 Februar geplant. Allgemeinmediziner Dr.med. Ralph-Michael Hönscher aus Petersberg warnt diesbezüglich vor möglichen Sicherheitslücken im digitalen System, wodurch womöglich persönliche Daten gestohlen werden könnten.

Symbolfoto: pixabay

Dr.med. Ralph-Michael Hönscher. Foto: privat

In der elektronischen Patientenakte können verschiedene Informationen und Daten zur Medikation sowie Arztbriefe und weitere Inhalte elektronisch gesichert werden. Diese sollen von Ärzten einsehbar sein. Der Zugang wird über eine entsprechende App der jeweiligen Krankenkassen ermöglicht, sowohl für Handy als auch am Computer. Die E-Patientenakte erhalten die gesetzlich Versicherten, außer wenn sie ausdrücklich dagegen widersprechen. Im Dezember hatte nach Berichten von tagesschau der Chaos Computer Club auf Sicherheitslücken im System hingewiesen und vor einer frühzeitigen Veröffentlichung gewarnt.

„Ich kenne keinen Kollegen, der dem Ganzen mit Freude entgegensieht“, berichtet Hönscher als Vorsitzender des Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) zur geplanten bundesweiten Einführung der E-Patientenakte in der Region. Grundsätzlich lobt er die Grundidee, dass wichtige Informationen von Patientinnen und Patienten digital und für Arztpraxen, Apotheken und andere medizinische Einrichtungen leicht einsehbar seien. Wenn beispielsweise Medikamentenpläne und Laborpläne gebündelt werden, könnten so Doppeldiagnostiken vermieden werden. Das aktuelle System sei jedoch aktuell anfällig für Daten-Diebstahl: „Die Sicherheitsrisiken sind da. Man muss vorsichtig sein.“ Der Hausarzt erzählt von einem Fall im Landkreis Fulda, bei dem ein Arztausweis gehackt wurde. Solche Arten von Missbrauch seien „besorgniserregend“, da potenzielle Täter an persönliche Daten gelangen könnten. Er würde seinen Patientinnen und Patienten aktuell nicht dazu raten, die digitale Variante der Patientenakte zu nutzen. Der GNO-Vorsitzende fürchtet zudem, dass einmal eingetragene Informationen nicht mehr „leicht zu entfernen“ seien.

Mitte Januar war die E-Patientenakte in einigen Modellregionen eingeführt worden. Die bisherigen Ergebnisse seien wenig zufriedenstellend gewesen, findet Hönscher: „Es ist schon noch etwas holprig.“ Er kann nicht abschätzen, wie die Umsetzung in den Arztpraxen in der Region verlaufen wird. Generell sei mit der Übertragung ein Zeitaufwand verbunden, der aber nicht entsprechend honoriert werde. Mit „Entbürokratisierung“ habe das wenig zu tun, sagt der Hausarzt. Er spricht sich dafür aus, vorsichtig zu sein mit den persönlichen Daten, bis etwaige Sicherheitslücken geschlossen werden.