osthessen-fasching.de 10.02.2025

Friedensgottesdienst der Karnevalisten – Elfte Reimpredigt von Buß

Fulda (fp) – Es war ein kleines, närrisches Jubiläum: Zum elften Mal setzte Stadtpfarrer Stefan Buß am Sonntag die Narrenkappe auf und hielt seine Predigt zum Friedensgottesdienst der Karnevalisten in Reimform. Er sprach über aktuelle Themen aus der Gesellschaft, rief aber, mit Blick die sinkenden Mitgliederzahlen, auch zur Erneuerung innerhalb der katholischen Kirche auf.

Foto: Manfred Völler.

Es war wieder ein buntes Bild in der Stadtpfarrkirche, zahlreiche Tollitäten und Aktive der Fuldaer Fastnacht waren in ihren farbenfrohen Uniformen erschienen, allen voran Prinz Johannes Caravanicus LXXXII. Zum elften Mal stieg Buß mit seiner Narrenkappe auf die Kanzel und predigte für den Frieden in der Foaset und der Welt. „Ich feiere jedes Jahr gern mit euch ihr Karnevalisten hier, es ist ein Herzensanliegen und große Ehre mir“, freute sich der Geistliche. Er grüßte alle anwesenden Tollitäten und vor allem Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Schirmherr der Fuldaer Foaset, dem er gleich einen Vorschlag unterbreitete. Mit Timo Zentgraf (Künzell) und Benjamin Tschesnok (Hünfeld) hätten nämlich gleich zwei Bürgermeister aus dem Landkreis in in dieser Kampagne das Zepter des Prinzen ergriffen, so Buß: „Heiko ran und keine Scheu, was der Hünfeller kann, dass kannst du schon lang. Lieber Prinz Johannes und liebes Präsidium habt es einmal im Sinn, ich fänd‘ es toll, wenn de‘ Heiko wird de‘ nächste Prinz von Foll.“

Dann wandte er seinen Blick auf den Zentralfriedhof Fuldas und erinnerte sich: „Wenn ich auf dem Friedhof bin, das muss ich erzählen, uns häufig in der Trauermenge Zaungäste beehrten. Es sind nicht die Friedhofsgärtner beim Mähe, nein es ist ein Rudel netter Rehe.“ Er erzählte von den vergeblichen Einfangversuchen der Stadt, dem Bangen der Bürger um ihren Grabschmuck und scherzte: „Ich betete stets ‚Herr gib ihm die ewige Ruhe‘ und die Rehe standen am Rand und aßen die Kränze in Seelenruhe.“ Die Lösung der Pfarrer brachte die Anwesenden zum Lachen. Buß setzte sich nämlich prompt ein Geweih auf und scherzte: „Die Pfarrer versuchten es nun mit einem neuen Trick, sie setzen das Birett ab und dann macht es klick. Ein stolzer Hirsch sollte ihr Herz erweichen, dass sie in Zukunft nicht mehr in die Kränze beißen.“ Nach den Rehen nahm er auch die vieldiskutierte Haube auf dem Schlossturm des Fuldaer Stadtschlosses ins Visier. „Aber ich höre viele Menschen in der Stadt laut klagen und meine beiden Kirchtürme den Schlossturm sowieso weit überragen“, erklärte Buß und fügte hinzu: „Man sieht den Turm schon weit aus der Rhön und fragt sich: ja, bitte, gibt es denn das auch in schön?“

Doch nicht nur fröhliche Themen sprach der Stadtpfarrer an, auch den demographischen Wandel in der katholischen Kirche ließ er nicht aus. „Man fragt sich oft, was bleibt bestehen, wenn so viele Menschen den Kirchgang verwehrn?“, führte Buß besorgt auf: „Sind’s alte Strukturen, die uns nicht mehr tragen? Oder ist's der Glaube, der uns längst nichts mehr kann sagen?“ Die Kirche müsse sich von innen heraus „mit offenem Herzen statt starrer Mauern“ erneuern und weiter bestehen zu können, mahnte er. So solle die Kirche nicht nur ein Gebäude „aus Stein und Holz“ werden, sondern allen Menschen einen „Hafen“ bieten: „Für eine Kirche, die die Menschen eint, wo jeder willkommen, wo keiner nur weint“, appellierte Buß an alle. Abschließend wünschte er allen Gästen: „Der Herr segne die Kampagne und alle Narren hier und überall, er segne uns auf allen Wegen hier und da und nicht nur im Karneval.“ Dann schloss er die Predigt mit den altbekannten Worten: „Wir rufen alle, ob Groß oder Klein, noch einmal Halleluja und Föllsch Foll hinein.“