„Das ist eigentlich nichts Neues“, meint Natalia König, Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) bei der Löwen-Apotheke in Fulda mit Blick auf die aktuellen Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten: „Das passiert eigentlich andauernd.“ Der Unterschied liege eher darin, welche Medikamenten-Gruppe gerade wenig erhältlich sei: „Da kann man auch keine einzelne Gruppe benennen. Das ist eigentlich querbeet.“ Derzeit seien beispielsweise Psychopharmaka, Medikamente für neurologische Erkrankungen, Cholesterinsenker und Asthma-Mittel rar. Teilweise gebe es die Mittel zwar schon, aber nur in bestimmten Ausführungen, was gerade bei Psychopharmaka zu großen Problemen bei den Betroffenen führen kann, so die Mitarbeiterin der Löwen-Apotheke. Quetiapin, ein Neuroleptikum, welches bei Depressionen, Bipolaren Störungen und Schizophrenie Anwendung findet, sei derzeit etwa nur in der „nicht retardierten Form“ verfügbar. „Gerade bei psychisch Erkrankten ist das ein großes Problem, weil diese Medikamente oft sehr schwierig einzustellen sind“, erläutert König: „Betroffene müssen oft über einen längeren Zeitraum einen Spiegel aufbauen, der durch einen Engpass oft nicht mehr aufrechterhalten werden kann.“ Die behandelnden Ärzte müssten dann oft zu alternativen Medikamenten greifen, was für die Patienten wieder viel Umstellung bedeute, so die PTA weiter: „Wir raten den Kunden immer dazu, sich früh ein Rezept zu besorgen und sich so einen Vorrat anzulegen.“
Die Patienten seien mittlerweile aber Kummer gewohnt, berichtet Sylvia Hochreiter, Pharmazeutisch Kaufmännische Assistentin (PKA) der Propstei-Apotheke: „Wir haben mittlerweile kaum noch Kunden, die sich darüber aufregen. Die kennen das schon.“ Auch auf Seite der Apotheken würde vorgesorgt werden, verspricht sie: „Wir versuchen auch immer schon größere Mengen zu ordern, damit wir bei einem Engpass noch Medikamente da haben.“ Denn Engpässe seien nicht akut, sondern könnten oft länger andauern. „Teilweise zwischen einem viertel und einem halben Jahr sind Medikamente im Durchschnitt nicht lieferbar“, schätzt sie.
Die Gründe für die Engpässe seien vielseitig, erklärt Andreas Mölleney, Inhaber der Apotheke am Heertor: „Die Medikamente werden oft in Fernost hergestellt und dann über teure Lieferwege hier her transportiert.“ Nun sei aber Deutschland aufgrund von Preisdeckelungen der Krankenkassen als Vertriebsstandort recht unattraktiv, führt er an: „Die Hersteller bedienen bevorzugt andere Länder, wo sie mehr verdienen können.“ Zusätzlich kämen sie mit der Produktion nicht hinterher und seien vielen Kontrollinstanzen unterlegen, was die Lieferung zusätzlich verzögere, so der Apotheker: „Bis so eine Charge durchgelaufen ist, das dauert.“ Um dieses Problem zu lösen, brauche es also Hilfe von höherer Stelle: „Letztendlich ist da die Politik gefragt. Wir als kleine ‚Apothekerchen‘ oder Ärzte vor Ort können da gar nichts machen.“ Als mögliche Lösungen schlägt er vor, Deutschland als Produktionsstandort attraktiver zu machen, Bürokratie zu reduzieren und Krankenkassen quantitativ zu beschränken.
