Schießen 11.02.2025

Bundesliga-Finale – Luftgewehr: Elsen mit Lea Ruppel Rekordgewinner

Rotenburg (pm/pf) – Das Luftpistolenteam des ESV Weil am Rhein zum zweiten Mal nach 2007, und die Luftgewehrmannschaft von ST Hubertus Elsen zum fünften Mal und damit zum Rekordhalter: So endete das spektakuläre Bundesligafinale Sportschießen in der Göbel Hotels Arena in Rotenburg an der Fulda. In einem packenden Match setzte sich Elsen mit der Vogelsbergerin und Ex-Petersberger Schützin Lea Ruppel mit 3:0 gegen die SB Freiheit durch.

Lea Ruppel (links) und Michael Schwald waren die Besten in der Saison und wurden von Walther-Sportdirektor Sven Martini mit vergoldeten Sportgeräten geehrt. Foto: DSB

Die Zuschauer verbreiteten in Rotenburg an der Fulda echte Finalstimmung. Foto: DSB

Fünfter Titel für Elsen und damit alleiniger Rekordgewinner im Luftgewehrbereich oder zweiter Titel für Freiheit nach 2018? Das waren die Fragen vor dem großen Finale der beiden Vereine, die sich bereits unzählige Male gegenüberstanden. So auch in dieser Saison, als beim siebten Vorrundwettkampf Freiheit mit 3:2 siegte, man möchte sagen, natürlich im Stechen. Die Partie versprach Hochspannung und Weltklasse, allein der Blick auf Position eins mit dem Ungarn Istvan Peni (Elsen) und der Norwegerin Jeanette Hegg-Duestad (Freiheit), Welt- und Europameister sowie mehrfache Olympia-Teilnehmer, verdeutlicht dies.

Bei ohrenbetäubendem Lärm der Fans erwischte Elsen den besseren Start und lag nach der ersten Zehnerserie auf den Positionen zwei und fünf bereits mit zwei Ringen vorne. Lea Ruppel und Jessie Kaps schossen perfekte 100 Ringe, während ihre Gegnerinnen Hannah Steffen und Michaela Müller-Thöle jeweils zwei Neuner fabrizierten. Insgesamt hatte Elsen bei 50 Schüssen lediglich zwei Neuner auf die Scheibe gebracht, ein starker Wert. Das Frauen-Quintett aus Niedersachsen musste kämpfen, alle Schützinnen hatten nach 15 Schuss mindestens eine Neun geschossen. Selbst „Ms Perfect“ Duestad-Hegg war dieses „Missgeschick“ passiert, während Ruppel, Schnerr und Kaps bis dahin ohne Punktverlust blieben.

Melanie Rosenthal war die erste Schützin, die ihren Wettkampf nach knapp 28 Minuten beendete: Starke 398 Ringe brachte sie auf die Scheibe und setzte somit Linnea Schnerr, die nach 26 Schüssen noch fehlerfrei war unter Druck. Insgesamt blieb es jedoch „eng“, drei Positionen waren mit einem Ring auseinander. Lediglich auf Position zwei sprach alles für einen sicheren Elsener Punkt durch Lea Ruppel im Duell gegen Hannah Steffen (298:294). Und Schnerr schoss wie eine „Maschine“ eine Zehn nach der anderen und steuerte auf makellose 400 hin. Als sich Jolyn Beer im 38. Schuss eine Acht einfing, deutete auch hier alles pro Elsen, und Denise Palberg nahm dieses Geschenk dankend an. Der Klub aus Paderborn war kurz vor Schluss auf Siegkurs. Dann ein Aufschrei im Publikum, als Schnerr an Position vier – nach mehrmaligem Absetzen – wirklich die 400 perfekt machte. Das erste Mal in dieser Saison, ein perfektes Timing.

Und das lieferte auch Lea Ruppel, die mit ihren 398 Ringen den dritten Punkt beisteuerte und somit den Sieg und den fünften Titel in der Vereinsgeschichte klarmachte. Die beiden Unentschieden auf den Positionen eins und fünf waren somit hinfällig. Linnea Schnerr, die zum zweiten Mal überhaupt in ihrer Karriere perfekte 400 Ringe schoss, sagte danach: „Es ist mein drittes Bundesligafinale und meine dritte Saison mit Elsen. Der Titel bedeutet mir unfassbar viel. Ich wollte heute auf jeden Fall alles geben, zeigen, was ich kann und einen Punkt holen. Dementsprechend habe ich versucht, mir keine Fehler zu erlauben, ich musste gut dagegenhalten, weil Melanie auch sehr gut geschossen hat.“ Erfolgstrainer Heinz Reinkemeier, der bereits mit Buer-Bülse und Elsen zahlreiche Titel geholt hat, meinte: „Ich weiß gar nicht, wie viele Titel ich gewonnen habe. Jeder Titel ist eine Gruppenereignis, -erfahrung und -freude. Die sechs, sieben Schützen haben sich das verdient. Hervorheben muss ich Lea Ruppel, die ein absoluter Glücksgriff ist. Sie ist neu zu uns gestoßen, und ich habe es überhaupt noch nicht erlebt, dass eine Schützin alle 14 Matches in der Saison gewonnen hat.“

 

ST Hubertus Elsen – SB Freiheit 3:0 (1989:1981)
Istvan Peni vs. Jeanette Hegg-Duestad 398:398
Lea Ruppel vs. Hannah Steffen 398:394
Denise Palberg vs. Jolyn Beer 395:393
Linnea Schnerr vs. Melanie Rosenthal 400:398
Jessie Kaps vs. Michaela Müller-Thöle 398:398

 

Bundesligafinale Rotenburg an der Fulda: Von Ruhe, Trubel und Ehrungen

Bei so einem Bundesligafinale gibt es abseits des Spitzensports viele Geschichten, die es lohnt, zu erzählen. Einige der „Splitter“ und News zum 27. Auflage des Bundesligafinals Schießsport im Überblick.

Helfer: Knapp 80 Helferinnen und Helfer des ausrichtenden Vereins SGi Mengshausen machten das Event erst möglich: Einlasskontrolle, Aufbau, Verpflegung, Teambetreuung und Ansprechpartner für alle anfallenden Fragen. Ohne diese freiwilligen Helfer - zu erkennen in den schwarzen T-Shirts - geht es nicht, deswegen ein dickes Dankeschön an die Vereinsspitze mit Manuela Schmermund und Olaf Lenker sowie die Freiwilligen.

Premiere vs. Routine: Es ist normal, dass beim Bundesligafinale neue Teams und demzufolge auch Neulinge und Wiederkehrer und somit auch routinierte Schützen am Start sind. So natürlich auch 2025. Xenia Mund (Fürth, Luftgewehr) schoss erstmals bei dem nationalen Höhepunkt mit, gewann ihr Match, scheiterte mit dem Team jedoch im Viertelfinale: „Es war sehr aufregend. Ich habe es geschafft und bin glücklich über meine Leistung. Mit dem Lärm muss man erst einmal klarkommen, die Atmosphäre ist anders, es ist alles größer. Das Ergebnis gibt mir Selbstvertrauen für die Europameisterschaft, die Erfahrung hier hilft mir auf jeden Fall.“ Erfahrung hat Christian Reitz (Kriftel, Luftpistole) zugenüge. In Rotenburg erlebte er sein 14. Bundesligafinale. Dennoch geht auch dies nicht spurlos an ihm vorbei: „Es ist schon eine gewisse Gewohnheit, man hat Erfahrung. Aber trotzdem muss man immer erst schießen, und es ist eine Tagesformgeschichte. Das Bundesligafinale ist immer etwas Besonderes, weil man dort mit den Südvereinen auch andere Gegner hat. Entscheidend ist die eigene Technik, egal wie viel Tumult herrscht. Im Finale ist es noch entscheidender, bei sich und seiner Technik zu bleiben“, gibt er noch einen Tipp für zukünftige Neulinge.

Zuschauer: Die Tribünen waren sehr gut gefüllt, Ohrenschutz definitiv angebracht: Keine Frage, die Zuschauer und Fans der 16 teilnehmenden Finalisten sorgten für echte Finalstimmung. Sei es mit Rasseln, Klatschpappen, Tröten oder Trommeln – die Schützinnen und Schützen waren gefordert, bei diesem Lärmpegel, den die 1500 Zuschauer hochtrieben, die Ruhe zu bewahren und Leistung zu zeigen.

Internationale Gäste: Im vergangenen Jahr war ISSF-Präsident Luciano Rossi beim Bundesligafinale, nun besuchten acht Mitglieder der technischen Kommission des internationalen Schießsport-Weltverbandes das nationale Highlight. Zwei Tage zuvor hatte die Kommission beim DSB in Wiesbaden getagt, um über die Zukunft des olympischen Schießsports zu sprechen. Ob sie sich von der Stimmung und dem Ablauf inspiriert wurden, wird sich gegebenenfalls auf zukünftigen Events zeigen.

Schweigeminute: Kurz wurde es bei dem ansonsten so fröhlichen und stimmungsvollen Bundesligafinale still, denn es fehlte einer, der das Bundesligafinale als eines seiner Herzensprojekte ansah und jahrelang prägte: Gerhard Furnier, DSB-Vizepräsident Sport, war im vergangenen Jahr überraschend und viel zu früh gestorben, ist aber nicht vergessen. DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels fand ein paar schöne Abschieds-Worte („Einer der ganz Großen des Schießsports hat uns verlassen. Er fehlt uns allen und überall!“), eine Schweigeminute folgte. Zudem konnten sich alle Mannschaften im Eingangsbereich in ein Kondolenzbuch eintragen und dem langjährigen Macher einen letzten Gruß übermitteln, den seine Familie im Anschluss erhält.

Verabschiedung: 14 Jahre Ligaleitung der 1. Bundesliga und 23 Jahre Leitung des Wettkampfbüros (Auswertung, Akkreditierung, Ansprechpartner) beim Bundesligafinals! Das sind die beeindruckenden Zahlen zu Norbert Link. Der 78-Jährige, der auch die Programmierung der Bundesliga-Software und die Bundesliga-Website verantwortlich war, wurde in Rotenburg an der Fulda von DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels gewürdigt und verabschiedet. „Du hast über 30 Jahre maßgeblich zur Weiterentwicklung der Bundesliga beigetragen, warst jedes Wochenende erreichbar und im Einsatz und hast viele Jahre die Ligaordnung überarbeitet“, lobte der DSB-Präsident. So ganz kann es Link (glücklicherweise) aber nicht lassen, er wird weiter als Ligaleiter der 2. Bundesliga West fungieren.

Noch mehr Meister: Natürlich wurden die neuen Mannschaftsmeister aus Weil am Rhein und Elsen am Sonntag gefeiert und standen zurecht im Rampenlicht, aber am Samstag erfolgte eine weitere Meister-Auszeichnung: Traditionell wurden die vier Teams geehrt, die in der Vorrunde die Spitze erklommen und als Nord- bzw. Südmeister nach Rotenburg anreisten. Die Teamkapitäne von SSG Dynamit Fürth und SV 1935 Kriftel (Luftpistole) sowie SV Pfeil Vöhringen und ST Hubertus Elsen (Luftgewehr) erhielten die Pokale.

Carl Walther Trophy: Die Bundesligasaison ist lang, und die Kunst eines jeden Schützen besteht darin, mit größtmöglicher Konstanz hohe Qualität zu zeigen. Dies gelang Michael Schwald (ESV Weil am Rhein) und Lea Ruppel (ST Hubertus Elsen) am besten und dafür erhielten sie von Bundesliga-Partner Carl Walther GmbH jeweils ein vergoldetes Sportgerät aus dem Haus Walther. Das Ranking wurde mittels eines Schlüssels, der die Ringzahl und die Siege in den Duellen der gesamten Bundesligasaison (Vorrunde und Finale = maximal 14 Einsätze) berücksichtigte, erstellt.

Schütze des Jahres: „Ich bin ziemlich überrascht. Es kommt unerwartet, dass ich zum zweiten Mal hintereinander gewählt wurde!“, sagt Robin Walter in der neuesten Ausgabe der Deutschen SchützenZeitung. Der 25-jährige Luftpistolenschütze von Bundesligist KKS Hambrücken erhielt von der Leserschaft mit 39% die meisten Stimmen und verwies die Dreifach-Europameisterin Anna Janßen (17%) und Natascha Hiltrop (15%), die zweifache Paralympics-Siegerin von Paris 2024, auf die Plätze. Da sich sein Verein nicht für das Finale in Rotenburg an der Fulda qualifiziert hatte, nahm sein Vereinstrainer Karl-Heinz Heil den Pokal in Empfang, der nun zum zweiten Mal mit dem Namen Robin Walter graviert und dann dem Erfolgsschützen bei der DM in München überreicht wird.