Angefangen hatte das „Big Valley“ 1969 als Diskothek. Wahls Großvater Heinrich Schleich baute das Gebäude damals selbst auf und feierte in den kommenden Jahrzehnten damit große Erfolge, so der mittlerweile 40-Jährige Enkel und aktuelle Betreiber. „Bis Mitte der 90er-Jahre war das ‚Big Valley‘ eine absolute Bank, um Party zu machen“, berichtet Wahl. Aus ganz Hessen seien damals die Menschen gekommen, um in dem 300-Seelen-Ort zu feiern: „Das ist geschichtlich verrückt. Wir hatten hier die erste Lasershow in ganz Hessen noch vor Frankfurt. Das war überregional ‚der‘ Hotspot.“
Damals wurde die Location noch von Wahls Mutter und seinen beiden Tanten geführt. 2013 übernahm er dann gemeinsam mit seiner Frau Anna-Lena. Damals lief es tatsächlich schon nicht mehr so gut, aber die beiden Betreiber sorgten mit viel Herzblut und Wille wieder für Aufschwung, so Wahl: „Wir mussten mehrfach die Räume verkleinern, aber wir haben es geschafft, dass der Laden wieder läuft.“ Es sei zwar klar gewesen, dass dort nicht mehr in der Größenordnung, wie noch vor der Jahrtausendwende gefeiert werden würde, aber 2018 hatte es das „Big Valley“ wieder zu einer echten Party-Location gebracht, berichtet Wahl. An eine Party erinnert er sich besonders: „Da war das DJ-Duo HBz da. Und der Samstagabend war innerhalb einer Minute ausverkauft. Das hab ich noch nie erlebt“, schwärmt er und ergänzt: „Da haben wir denen gesagt ‚Ihr müsst echt Sonntag nochmal kommen‘. Da war dann am Sonntag auch nochmal komplett voll.“ Stolz fügt er hinzu: „Das war echt meine Party für die Geschichtsbücher.“
Dann sei die Pandemie gekommen, die bis heute Spuren in der Gastronomie hinterlassen hätte, sagt der Betreiber weiter: „Die Leute haben gemerkt, dass sie nicht immer rausgehen müssen zum Feiern. Dass man auch auf Kellerpartys Spaß haben kann.“ Auch die wirtschaftliche Lage im Land sei für viele Menschen ein Faktor, sich einen auswärtigen Abend gründlich zu überlegen, so Wahl. Trotz alledem sei das „Big Valley“ immer noch sehr gut gelaufen, hebt er hervor: „Aus wirtschaftlicher Sicht hätte ich das nicht zu machen müssen.“ Ausschlaggebend für die Schließung sei ein anderer Grund: Die Familie. Wahl ist im September das zweite Mal Vater geworden und dies hätte ihn zum Nachdenken gebracht, meint er: „Die Frage, die man sich da immer stellt, ist willst du ewig Gastronom bleiben oder willst du deine Kinder aufwachsen sehen.“ Gerade als Selbstständiger käme die Familie oft zu kurz, erläutert der Betreiber, was ihn schlussendlich dazu gebracht habe, die Kultpartyeinrichtung schweren Herzens zu schließen. „Es waren ein paar sehr emotionale Tage“, sagt der Gastronom weiter, nicht nur für ihn, sondern auch für seine treue Kundschaft: „Ich bin sehr überwältigt, wie viele Kommentare und Nachrichten ich bekommen habe, nachdem ich auf Instagram die Schließung bekannt gegeben habe.“ Sein „Abschieds-Ankündigungsvideo“ hätte über 60.000 Views erhalten, berichtet er und ergänzt: „Das waren unglaublich viele, teilweise wirklich fremde Menschen, die ihre Trauer zum Ausdruck gebracht hatten. Viele haben mir gedankt, dafür, dass sich ihre Eltern noch in dem Laden kennengelernt haben. Ich bin unglaublich dankbar.“ Bis zur Closing-Party am 19. April sind noch fünf weitere Veranstaltungen geplant. „Im Sommer machen wir dann noch unsere Hochzeiten im ‚Big Valley‘ und dann ist Schluss“, sagt der Gastronom.
Wie es jetzt weiter geht mit dem „Big Valley“, wisse Wahl noch nicht. „Das ist die große Unbekannte“, lacht er und fügt hinzu: „Wenn ich mir was träumen könnte, würde ich natürlich wollen, dass es jemand, der bei uns hinter der Theke arbeitet oder einer unserer Stammkunden übernimmt. Aber es wird schwer werden einen Nachfolger zu finden.“ Mit Blick auf seine Familie und die vergangenen Jahre ergänzt der Gastronom: „Das muss man wirklich wollen.“ Er selbst werde auf jeden Fall wieder einen Bürojob annehmen, berichtet Wahl weiter: „Ich bin eigentlich ein absoluter Büromensch. Ich habe Industriekaufmann gelernt. Das ist für mich ein Traum.“
