Bruno Kant stellte sich zeitlebens in den Dienst der Menschen. Der 109-jährige gebürtige Werbliner, eine Stadt im heutigen Polen, wurde 1950 nach einem Theologiestudium zum Priester geweiht und war seitdem in diversen Orten als Pfarrer tätig. Seine Entscheidung, zur Kirche zu gehen, habe er bereits früh getroffen, doch seine dreijährige russische Kriegsgefangenschaft hätte ihn nachhaltig davon überzeugt. „Nach der Befreiung, habe ich mich gefragt, was fängst du mit deinem Leben jetzt noch an? Und da habe ich mir überlegt, Priester zu werden. Dort konnte ich am besten für die Welt da sein“, erzählt Kant.
Nach Hause konnte er nach dem Krieg nicht mehr, denn das lag in Trümmern. „Gelnhausen war mein neues Zuhause. Meine ganze Familie war hier gestrandet“, sagt der 109-Jährige. Nach seiner Priesterweihe 1950 war er zehn Jahre als Kaplan in Schwarzbach und Kassel tätig, dann verschlug es ihn nach Osthessen. Genauer nach Marbach, wo er 30 Jahre als Pfarrer arbeitete. „Danach kam ich hierher“, fügt er an. Noch bis ins hohe Alter leitete Kant Gottesdienste und war auch zur Stelle, als ein Kollege, der an Demenz erkrankt war, am Altar ins Stocken geriet, erinnerte sich Eichenzells Pfarrer Guido Pasenow, der auch zum Geburtstag vorbei gekommen war: „Er wusste einfach nicht mehr weiter. Da ist Pfarrer Kant aufgesprungen und hat die Messe zu Ende gehalten.“ Für Kant war der Dienst in der Kirche nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Auf die Frage, warum er bis ins hohe Alter noch seelsorgerisch tätig war, antwortete er kess: „Weil mir der Kontakt zu Menschen immer wichtig war.“
Das Geheimnis für sein langes Leben kenne er selbst nicht, er sei sogar verwundert darüber, dass er so lange lebt: „Ich habe ein schweres Leben hinter mir mit Krieg, Gefangenschaft und viel Arbeit. Auch gesundheitlich ging es mir nicht immer gut.“ Seine Nichte Beate Kant vermutet, dass es wahrscheinlich einfach in der Familie liege: „Seine sieben Geschwister, außer einer Schwester, sind alle über 100 Jahre alt geworden. Das ist wohl genetisch.“
Auf die Frage, ob er zufrieden nach diesem langen Leben sei, antwortete er nach langem Überlegen: „Ich muss zufrieden sein. Manches hätte ich besser machen können, aber ich bin dankbar.“ Mit 109 Jahren wünsche er sich aber, gehen zu dürfen. „Ich bin fast so schwerhörig, wie der liebe Gott, wenn ich ihn bitte, mich endlich abzuholen“, sei sein Lieblingsspruch, berichten seine Angehörigen, betonten aber, dass darin kein Schmerz liege.
