Lokales FD 13.02.2025

101 Menschen aus 27 Ländern: Einbürgerungsfeier im Stadtschloss

Fulda (aw) – Seit 1999 ist er gute Tradition in der Domstadt: Der feierliche Einbürgerungsempfang der Stadt Fulda. Zahlreiche Familien, aber auch Einzelpersonen, die über das Einbürgerungsverfahren die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, wurden willkommen geheißen. „Sie haben so viel geleistet in den letzten Wochen.“, lobte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bei der Feier im Stadtschloss und überreichte den zahlreichen Anwesenden vergangene Woche bei der feierlichen Übergabe die Einbürgerungsurkunden.

Fotos: Anna Weißenberger

101 Menschen mit 27 verschiedenen Herkunftsnationalitäten wurden ins Stadtschloss zur feierlichen Übergabe ihrer Urkunden geladen, die sie sich laut Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann „nach einem Weg voller Hürden sehr verdient haben.“ Diesen Fleiß und das damit verbundene Durchhaltevermögen hob auch OB Wingenfeld in seiner Begrüßung besonders hervor: „Mir ist sehr bewusst, dass Sie in den letzten Wochen und Monaten viel geleistet haben. Dass Sie diese anstrengend Zeit durchgestanden haben verdient einen würdigen Rahmen.“

Die meisten der Eingebürgerten stammten teilweise aus der Türkei und Nordmazedonien, besonders viele aber auch aus Syrien. In der Regel handelt es sich dabei um Personen, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind und inzwischen das anstrengende Einbürgerungsverfahren auf sich genommen haben. Auch die oft negativen Erfahrungen, die die zahlreichen Eingebürgerten schon erlebt haben, wurden angesprochen. „Sie haben unterschiedliche Wege hinter sich und viele von Ihnen haben sicherlich auch schon ein Leben ohne Frieden und Freiheit gelebt“, erzählte der Oberbürgermeister und appelliert zum Schluss. „Die Staatsangehörigkeit, die Ihnen heute verliehen wird, ist so viel mehr als nur ein stück Papier: Sie ist ein besonders Bekenntnis zu unserem Staat und unseren Werten. Bitte bringen Sie sich ein bei uns, Ihre Erfahrung und Perspektive ist so wertvoll.“

„Sie alle haben verschiedenste Gründe, warum Sie zum einen nach Deutschland und zum anderen in unsere schöne Stadt gekommen sind. Aber eins verbindet Sie alle: Sie haben sich entschieden, zu bleiben“, äußerte Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann zu Beginn ihrer Rede und thematisierte im Folgenden auch die anstehende Bundestagswahl: „Mit der Staatsangehörigkeit haben Sie nun auch das Recht, zu wählen, womit Sie aktiv zur Gestaltung der Demokratie beitragen können. Nutzen Sie dieses Recht.“

Abschließend berichtete Nuray Altinöz von ihren persönlichen Erfahrungen: „Ich wurde als Tochter von türkischen Gastarbeitern hier in Deutschland geboren. Als ich elf Jahre alt war, kehrten wir dann in die Türkei zurück.“ Anfangs habe Sie sich noch darauf gefreut, endlich ihre Wurzeln kennenzulernen, doch schnell habe sie sich wieder nach Deutschland gesehnt. „2012 bin ich dann mit einem Asylantrag nach Deutschland eingereist. Dieser wurde zweimal abgelehnt. Nach einer Empfehlung habe ich mich dann an die Härtefallkommission gewendet, die meinen Aufenthalt endlich genehmigt hat, weil ich die deutsche Sprache beherrschte und hier aufgewachsen bin.“ Als sie dann die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen sollte, habe sie sich in einem inneren Konflikt befunden. „Wenn ich die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hätte, hätte ich die türkische ablehnen müssen. Auch wenn die Türkei nicht mein zuhause ist, sind da doch meine Wurzeln, die mich auch ausmachen. Doch ich hatte Glück, denn das Gesetz wurde geändert, wodurch ich die deutsche annehmen und die türkische Staatsbürgerschaft auch behalten durfte.“

Nachdem Mahina Chalcou-Freier und Jana Groß, die die Veranstaltung musikalisch mit ihren Violoncelli begleiteten, ihr letztes Musikstück gespielt hatten, bekamen die Eingebürgerten noch die Möglichkeit, bei einem Umtrunk ins Gespräch zu kommen.

Einbürgerungsempfang im Stadtschloss. Fotos: Anna Weißenberger