Im Mittelpunkt der Aufführung stehen alltägliche Situationen, in denen Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen, zwischen angenehmer und unangenehmer Nähe zu unterscheiden und deutlich „Nein“ zu sagen. Gleichzeitig macht das Stück Mut, sich bei Grenzverletzungen oder Übergriffen an eine vertraute Person zu wenden. Die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer werden aktiv in das Geschehen einbezogen und erleben, dass sie nicht allein sind und Hilfe in Anspruch nehmen dürfen. „Dieses Thema hat einfach an Bedeutung zugenommen“, betonte Carmen Adenaw vom staatlichen Schulamt für den Landkreis Fulda: „Das sieht man auch daran, dass die Schulen mittlerweile verpflichtet sind, ein entsprechendes Konzept zum Thema sexualisierte Gewalt vorweisen zu können, wie in entsprechenden Situationen gehandelt wird.“
Das Theaterstück „Trau Dich!“ vermittelt dabei eine klare Botschaft: Jedes Kind hat das Recht auf Schutz, auf körperliche Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung. Schuldgefühle oder Angst sind fehl am Platz – Verantwortung tragen immer die Täterinnen und Täter, nicht die betroffenen Kinder. Durch die sensible Inszenierung gelingt es, ein schwieriges Thema offen anzusprechen, ohne zu überfordern. Auf der Bühne brachten die Schauspieler Volker Kehl, Nora Kühnlein, Emmi Esefeld und Ole Bechtold den Schülerinnen und Schülern das sensible Thema näher. Im Vorfeld hatten sie einige Kinder nach ihren Emotionen im Vorfeld befragt und präsentierten diese mit musikalischer Begleitung für das Publikum. Die Kinder schauten begeistert zu, lachten bei den teils witzigen Geschichten oder hoben die Hände, um bei dem Stück mitzuwirken – allerdings wurde auch die Wichtigkeit und die Bedeutung des Themas deutlich: Immer wieder verließen Kinder den Saal, weil ihnen das Thema zu nah ging oder sie möglicherweise selbst schon Berührungspunkte mit sexualisierter Gewalt erleben mussten.
Die Organisatoren waren in diesen Fällen aber bestens vorbereitet: Katharina Fertsch-Röver, Katharina Rossi (beide Schultheater-Studio Frankfurt), Alexandrina Wahl (SKF Fulda und Pro Familia), Anja Roßmann (Kinderschutzbund Fulda), Martina Brunkow (Projekt Gewaltprävention des Hessischen Kultusministeriums) und Dennis Metz (Polizeipräsidium Osthessen/Regionale Geschäftsstelle des Netzwerks gegen Gewalt) betreuten die Kinder im Foyer der Orangerie vorbildlich und hatten zu jeder Zeit ein offenes Ohr. „Es ist einfach wichtig, da alle Beteiligten mit ins Boot zu holen. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern und Lehrkräfte“, erläuterte Anja Roßmann: „Dazu gab es beispielsweise auch schon Elternabende und Lehrergespräche. Das Gesamtpaket macht das Konzept rund.“
Das Theaterstück „Trau Dich!“ ist Teil einer bundesweiten Präventionsinitiative und wird in der Region Fulda bereits seit 2014 regelmäßig umgesetzt. Durch die enge Einbindung von Schulen, Beratungsstellen, Kinderschutzorganisationen sowie Eltern und Lehrkräften wird das Thema langfristig und nachhaltig in den Schulalltag integriert. „Wir sind jetzt bereits zum sechsten Mal in Fulda, meist in einem Abstand von zwei Jahren“, berichtete Carmen Adenaw: „Insgesamt haben so schon 3300 Schülerinnen und Schüler begrüßen können, allein heute hatten wir Rekordzahlen: 39 Klassen von elf Schulen mit 714 Schülern waren hier.“ Katharina Russo freute sich ebenfalls über die hohe Nachfrage: „Wir mussten die Anmeldung irgendwann schließen, es wäre ohne Probleme eine dritte Vorstellung möglich gewesen.“
Mit der Aufführung in Fulda konnte erneut ein wichtiger Beitrag zur Stärkung von Kindern geleistet werden. „Trau Dich!“ zeigt eindrucksvoll, wie Theater präventiv wirken kann – indem es informiert, sensibilisiert und vor allem Mut macht, über Grenzen zu sprechen und sich Hilfe zu holen.
