Lokales FD 10.12.2025

Tegut schließt: Gemeinde Ehrenberg verliert letzten Supermarkt

Wüstensachsen (jah) – Für die Gemeinde Ehrenberg in der Rhön zeichnet sich ein gravierender Wandel ab: Mit der Tegut-Filiale wird der letzte verbliebene Supermarkt im Ort im kommenden Frühjahr seinen Betrieb einstellen. Damit verliert die Kommune ihre wichtigste Anlaufstelle für den täglichen Einkauf – mit weitreichenden Folgen für die Bevölkerung.

Foto: Christine Görlich

Bürgermeister Peter Kirchner. Foto: privat

Mit der Schließung des Marktes im April 2026 gehen nicht nur kurze Einkaufswege verloren. Auch zusätzliche Serviceangebote, die bislang im selben Gebäude untergebracht waren, fallen weg. Dazu gehören unter anderem wichtige Versorgungsleistungen, die gerade für ältere Menschen oder Bürgerinnen und Bürger ohne eigenes Fahrzeug eine große Rolle spielen.

Die bevorstehende Schließung stellt die Gemeinde vor erhebliche Herausforderungen. Der Wegfall der Nahversorgung betrifft den Alltag vieler Menschen unmittelbar und verschärft die Abhängigkeit von weiter entfernten Einkaufsmöglichkeiten in den umliegenden Orten. Besonders betroffen sind Personen mit eingeschränkter Mobilität sowie Haushalte ohne Auto. „Es ist zweifellos ein harter Einschnitt für uns“, hadert Ehrenbergs Bürgermeister Peter Kirchner: „Das ist die letzte Möglichkeit für unsere Bürgerinnen und Bürger, Lebensmittel zu kaufen.“

Auf kommunaler Ebene wird bereits intensiv nach Alternativen gesucht, wie Kirchner bestätigen konnte. Verschiedene Modelle stehen im Raum – von der Ansiedlung eines neuen Betreibers bis hin zu gemeinschaftlich organisierten Dorfladen-Lösungen. Noch ist jedoch offen, ob und in welcher Form eine neue Versorgungseinrichtung realisiert werden kann. „Wir sind in engem Austausch mit anderen Betreibern und haben dahingehend bereits einige Gespräche geführt. Eine weitere Alternative wäre eine Art Dorfladen, der über einen Verein oder eine Genossenschaft zustande kommen könnte.“ Im Idealfall solle die Zeit nach der Schließung im kommenden April bis zur Inbetriebnahme einer Alternative so kurz wie möglich gehalten werden, betont Kirchner.

Der Verlust des Supermarkts macht erneut deutlich, wie schwierig es für kleinere Gemeinden geworden ist, eine stabile Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig rückt die Frage in den Fokus, wie die Lebensqualität im ländlichen Raum langfristig gesichert werden kann, wenn zentrale Infrastrukturangebote wegfallen. „Das hat natürlich auch erheblichen Einfluss auf den Standort-Faktor an sich. Potenzielle neue Bürgerinnen und Bürger bauen dann vielleicht lieber woanders, und auch Urlauber orientieren sich vielleicht in eine andere Richtung, wenn es in der Gemeinde kein Lebensmittelangebot mehr gibt“, erklärt Kirchner, der die Entscheidung von Tegut bedauert, grundsätzlich aber nachvollziehen kann: „Es gibt in Hilders beispielsweise eine starke Marktkonzentration mit vielen Angeboten. Und Tegut hat uns immerhin frühzeitig mit ins Boot geholt, dass im Rahmen der großen Unternehmensumstrukturierung auch unsere Filiale betroffen sein könnte. Wir mussten also damit rechnen, konnten uns aber wenigstens frühzeitig mit Alternativen beschäftigen.“

Tegut selbst äußerte sich gegenüber der Gemeinde wie folgt zu den Gründen der Filialschließung: „Als regional verwurzelter Lebensmittelhändler fällt es uns sehr schwer, unseren Supermarkt in Ehrenberg-Wüstensachsen im April des kommenden Jahres schließen zu müssen. Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen – letztlich machen wirtschaftliche Faktoren diesen Schritt jedoch unausweichlich. Wir bedanken uns bei all unseren treuen Kundinnen und Kunden für ihre Unterstützung über viele Jahrzehnte hinweg. Besonders am Herzen liegen uns auch die Mitarbeitenden, die diesen Markt mit großem Engagement, Herzlichkeit und Verlässlichkeit geprägt haben."

Bürgermeister Peter Kirchner richtet sich abschließend nochmal an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde und bittet zusätzlich zu den eigenen Anstrengungen bezüglich der Nachfolge um Mithilfe: „Wenn es Ideen oder Vorschläge Eurerseits geben sollte für dahingehende Lösungen oder Alternativen, meldet Euch bitte sehr gerne bei mir. Vielen Dank für Eure Unterstützung und Mithilfe, damit wir in Ehrenberg auch zukünftig eine gute Grundversorgung anbieten können.“