Campus 30.12.2025

Studienangebot stetig im Wandel – Hochschule forschungsstark

Fulda – Von Janosch Hensel – Veränderung des Studienangebots, Forschungsstärke und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Lehre – Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda, spricht mit Osthessen-Zeitung über Themen, die die Hochschule prägen. Für ihn selbst läuft das letzte Jahr als Präsident, denn Ende November 2026 wird er nach drei Amtszeiten und damit 18 Jahren an der Spitze des Präsidiums in den Ruhestand gehen.

Prof. Dr. Karim Khakzar (links) im Gespräch mit Ralph Görlich, Janosch Hensel und Jasha Günther. Fotos: Christine Görlich

Die Hochschule Fulda richtet ihr Studienangebot seit jeher konsequent an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen aus. Besonders gut hat sich die Nachfrage unter anderem beim dualen Studium entwickelt. Dabei sind die Studierenden an der Hochschule eingeschrieben, haben aber gleichzeitig einen Vertrag mit einem Unternehmen, einer Kommune oder einer Einrichtung aus dem Gesundheitsbereich. „Das duale Studium hat bei uns in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar. Die Zahl der Studierenden steige stetig, Fulda liege in Bezug auf die Gesamtzahl dualer Studienplätze hessenweit inzwischen direkt hinter der Technischen Hochschule Mittelhessen an Position zwei. „Duale Studiengänge sind bei Studierenden sehr beliebt, weil sie sich dank einer Aufwandsentschädigung durch das jeweilige Unternehmen ganz auf ihr Studium konzentrieren können.“ Gleichzeitig seien sie früh in die berufliche Praxis eingebunden und sammeln wertvolle Berufserfahrung. „Sie sind mit Abschluss des Studiums sofort einsetzbar“, so Khakzar. Für Unternehmen wiederum sei das duale Studium angesichts des Fachkräftemangels eine sehr effektive Form der Personalgewinnung.

 

Veränderungen im Studienangebot

Gelegentlich sorgt die Weiterentwicklung des Studienangebots für Diskussionen. Zuletzt hatte sich die FDP kritisch zur Einstellung von Studiengängen geäußert. Khakzar erklärt, dass die Anpassung des Studienangebots aber ein normaler Prozess sei. Hochschulen müssten regelmäßig prüfen, wie stark Studiengänge nachgefragt werden. „Ob fünf oder 30 Studierende in einem Studiengang sind, macht für uns vom Aufwand her kaum einen Unterschied“, erklärt er. Lehrveranstaltungen, Professuren und Betreuung müssten unabhängig von der Zahl vorgehalten werden. „Wenn ein Studiengang über längere Zeit kaum nachgefragt wird, stellt sich zwangsläufig die Frage: Überarbeiten wir ihn, ersetzen wir ihn – oder stellen wir ihn ein?“ Dieser Prozess sei nichts Neues: „Das ist im Hochschulbereich ein ganz normaler Vorgang.“ Khakzar verweist auch auf die regelmäßige externe Begutachtung des Studienangebots. „Alle fünf bis sieben Jahre werden unsere Studiengänge im Rahmen der sogenannten Akkreditierung kritisch begutachtet. Wenn dabei herauskommt, dass Inhalte veraltet sind oder die Nachfrage fehlt, dann müssen wir reagieren bzw. nachbessern.“

So war dies auch bei der Einstellung des Studiengangs „Internationale Ingenieurwissenschaften“ im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Der Bachelorstudiengang, der 2015 speziell für Geflüchtete entwickelt worden war, war zu Beginn sehr gut nachgefragt. „Das war ein Modell, das auf eine ganz besondere politische Gesamtlage reagiert hat“, erklärt Khakzar. Als diese Situation nicht mehr gegeben war, sank die Nachfrage deutlich und der Studiengang wurde in der Folge eingestellt. „Bevor man seitens der FDP mit Kritik an die Öffentlichkeit ging, hätte man einfach mal nachfragen können. Wir hätten die Hintergründe gerne erläutert“, sagt der Hochschulpräsident.

Gleichzeitig gehe der Trend im Bachelorbereich hin zu allgemeineren Studiengängen und weniger Spezialisierung. „Es gibt durchaus Tendenzen, Studiengänge wieder zusammenzufassen und die Ausbildung zunächst breiter und allgemeiner anzulegen“, sagt Khakzar. Statt mehrerer kleiner Studiengänge könnten neue Angebote mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstehen. Auch im Masterbereich wurden im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik zwei Studiengänge ersetzt durch einen neuen englischsprachigen Masterstudiengang. „Fünf oder sechs Studierende pro Studiengang sind einfach zu wenig“, erläutert Khakzar. Künftig sollen englischsprachige Masterangebote vor allem internationale Studierende anziehen. „Das dient dazu, die Ingenieurwissenschaften auszubauen und zu stärken – nicht, sie einzustellen, wie in der Öffentlichkeit von der FDP kritisiert wurde.“

 

Promotionsrecht war ein strategisch wichtiger Schritt

Ein Meilenstein für die Hochschule Fulda war das Promotionsrecht. Fulda war 2016 bundesweit die erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die dieses Recht erhielt – zunächst für eine Fachrichtung, schnell kamen jedoch eine Reihe weiterer hinzu. „Das war eine echte Pionierleistung“, sagt Khakzar. Hessen habe bundesweit den Anfang gemacht, andere Länder seien nach einer mehrjährigen hessischen Pilotphase mit anschließender positiver Evaluation gefolgt. „Die hochkarätig besetzte, externe Gutachterkommission kam zu dem eindeutigen Ergebnis: Es gibt keinerlei Abstriche bei der Qualität der Promotionen und die Betreuung der Promovierenden ist hervorragend.“ Im Unterschied zu Universitäten wird von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften eine strengere Qualitätssicherung erwartet. „Bei uns gibt es das Promotionsrecht nicht für die ganze Hochschule, sondern nur für Fachrichtungen, in denen wir nachweislich forschungsstark sind.“ Publikationen, im Wettbewerb eingeworbene Drittmittel und wissenschaftliche Anerkennung müssten von den betreuenden Professuren nachgewiesen werden. Promovierende profitierten zudem von strukturierten Programmen. „Wir bieten Zusatzqualifikationen zu wissenschaftlichem Arbeiten, Rechtsfragen oder Kommunikation an“, erklärt Khakzar: „Den Promovierenden wird insgesamt eine sehr gute Betreuung garantiert.“

 

Spitzenforschung: SaFe und eParT

Besonders stolz ist Khakzar auf zwei große Forschungsprojekte: SaFe (Shaping Future Society) und eParT. Beide wurden im Rahmen der Förderlinie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Forschungsimpulse“ ausgewählt, eParT erhielt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft beispielsweise eine Förderung von rund sechs Millionen Euro. „Dieses DFG-Programm ist ein extrem harter Wettbewerb“, sagt Khakzar. Über 70 Hochschulen hätten sich beworben, nur fünf Projekte seien ausgewählt worden. „Dass wir sowohl in der ersten als auch in der zweiten Runde erfolgreich waren, ist etwas ganz Besonderes“, freut sich der Hochschulpräsident. Das sei nur einer weiteren Hochschule bundesweit gelungen. Inhaltlich gehe es bei SaFe um die Frage: „Wie wollen wir in Zukunft als Gesellschaft zusammenleben? Wie entstehen Solidarität und gegenseitige Unterstützung?“ eParT beschäftige sich dagegen mit digitaler Bürgerbeteiligung. „Wie können Bürgerinnen und Bürger sinnvoll und repräsentativ an Entscheidungsprozessen beteiligt werden – mit digitalen Mitteln?“, erläutert Khakzar. Beide Projekte seien stark interdisziplinär. „Da arbeiten unter anderem Sozialwissenschaftler, Informatiker, Ingenieure, Kommunikationswissenschaftler zusammen“, so Khakzar: „Diese Projekte bringen unsere Fachdisziplinen enger zusammen – das ist für uns ein wertvoller Gewinn, denn die großen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich nur noch interdisziplinär lösen.“

 

Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen

Auch in der Lehre steigt die Bedeutung von KI rasant. „Die Bedeutung wächst von Tag zu Tag“, sagt Khakzar. Studierende müssten lernen, KI verantwortungsvoll zu nutzen. „Der kritische Umgang mit den Ergebnissen gehört heute zur akademischen Ausbildung.“ Ein Verbot hält er für unrealistisch und wenig sinnvoll: „Ohne KI wird es in Zukunft in vielen Branchen nicht mehr funktionieren.“ Entscheidend sei Transparenz und ein verantwortungsvoller Umgang. „Wenn KI genutzt wird, muss das kenntlich gemacht werden“, sagt Khakzar, Lehrende müssten Aufgaben so gestalten, „dass KI im Wesentlichen ein unterstützendes Werkzeug ist – nicht aber das Ergebnis generiert. Nach wie vor muss die eigene Leistung zählen.“

 

Hochschule und Region: „Ein ganz zentraler Standortfaktor“

Die Hochschule Fulda versteht sich als Teil der Region – und als Motor. „Wir bilden Fachkräfte aus, wir forschen und wir betreiben Transfer“, fasst Khakzar die Aufgaben zusammen. Rund 20 Prozent der Lehre werde von externen Lehrbeauftragten übernommen. „Das ist direkter Wissenstransfer aus der Praxis in die Hochschule.“ Fast alle Abschlussarbeiten entstünden in Kooperation mit Unternehmen oder Institutionen. „So bearbeiten wir ganz konkrete Fragestellungen für die Region.“

Angesichts des demografischen Wandels sei die Hochschule unverzichtbar. „Die IHK Fulda spricht von rund 15.000 fehlenden Fachkräften in Osthessen in den nächsten zehn Jahren.“ Fulda ziehe junge Menschen aus dem In- und Ausland an. „Eine mit der Region verbundene Hochschule ist die wohl beste Rekrutierungsmaßnahme für Fachkräfte, die man sich vorstellen kann“, findet Khakzar. Auf diese Weise herrsche ein permanenter Transfer in beide Richtungen zwischen der Fuldaer Hochschule und der Region Fulda mit all ihren Akteuren.

 

Abschied mit Weitblick

Für Khakzar selbst endet im November 2026 eine lange Amtszeit an der Spitze der Hochschule Fulda. „Ich bin dann über 18 Jahre im Amt gewesen“, sagt er. Kurz vor Ende der dritten Amtszeit erreiche er die gesetzliche Altersgrenze für den Ruhestand. Die Nachfolge für seine Position werde demnächst ausgeschrieben – an der Suche nach seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin beteiligt sich Khakzar aber nicht: „Da werde ich mich vollkommen raushalten. Dafür wurde eine Findungskommission aus internen und externen Mitgliedern eingesetzt.“ Der Wechsel an der Spitze bedeute für die Hochschule indes keinen harten Schnitt, betont der Präsident: „Es gibt dann natürlich einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin, aber sowohl die Kanzlerin als auch die Vizepräsidentin und der Vizepräsident sind weiterhin im Amt und übernehmen damit auch zukünftig Verantwortung im Präsidium.“