Die beiden Wettbewerbe machen auf Kleinbiotope aufmerksam, die sich teils in Hinterhöfen, auf Balkonen oder auf Schulgeländen befinden und von denen sonst kaum jemand erfahren würde. „Wir wollen Mut machen, dass jeder einen Beitrag leisten kann, und wir wollen zeigen, dass jeder aufgefordert ist, einen Beitrag zu leisten“, sagte Stadtbaurat Daniel Schreiner: „Deshalb freue ich mich, dass die Beteiligung so groß war.“ Dabei blickte er insbesondere auf die Schulen, denn auch wenn sechs Projekte auf den ersten Blick nicht viel erscheine, stecke hinter jedem eine ganze Klasse oder AG und damit seien es viele Menschen. „Für uns ist sehr wichtig, dass wir über ein Beteiligungsformat, wie einen Wettbewerb, private Akteure erreichen“, sagte Schreiner, denn im Bereich Klima- und Artenschutz müsse eine Breitenwirkung erzielt werden.
Beim Jugendumweltpreis waren in diesem Jahr zum ersten Mal junge Menschen im Alter von 13 bis 20 Jahren aufgerufen gewesen, als Einzelperson oder Gruppe ihre Projekte zur Abfallvermeidung, zur Energieeinsparung oder zum Schutz von Tieren und Pflanzen einzureichen. Ziel war es, das Bewusstsein von Jugendlichen für den Schutz der natürlichen Umwelt zu schärfen und den aktiven Umweltschutz zu fördern. Zur Jury gehörten Simone Gerhardt (Lehrkraft im Team Lernwerkstatt ökologische Bildung), Clarissa Plendl (Hochschule Fulda, Nachhaltigkeitsbeauftragte), Marcel Cirè (Stadt Fulda, Stadtentwicklung) und Marion Gottschalk (Leitung Umweltzentrum).
Der Vorgartenwettbewerb wurde bereits zum vierten Mal durchgeführt. Besitzer von Gärten und Balkonen sowie Unternehmen und Einzelhändler hatten sich bewerben können. Gesucht waren naturnahe Vorgärten, grüne Balkone und ökologisch gestaltete Hinterhöfe – Flächen, die das Stadtbild bereichern und Anreize schaffen, versiegelte Flächen, wie beispielsweise Schottergärten umzugestalten.
Die Preisträger des Jugendumweltpreises:
Erster Preis (650 Euro): Projekt Schulgarten, Freiherr-vom-Stein-Schule (Klassen 5-13)
Der Schulgarten wird seit Jahren gepflegt und von der AG „Natur auf der Spur“ sowie von Klassen und Kursen aktiv genutzt, unterstützt zum Beispiel auch durch den Bio-LK/GK bei Pflanz- und Pflegeaktionen. Während Projektwochen entstehen Bauprojekte wie Hochbeete oder Loungemöbel, und die AG Plastisches Gestalten fertigte kreative Figuren für den Garten an. Der Garten dient vielfältigen Zwecken, von Pflanzenbestimmung über Projekttage bis hin zu Festen wie dem SchulgARTenfest. Zudem werden Erträge wie Äpfel zu Saft verarbeitet, und aus falsch gedruckten Kopien stellt die AG nachhaltige Collegeblöcke her, die ebenfalls für den guten Zweck verkauft werden. Die Jury lobte insbesondere die kreative Herangehensweise sowie die Einbindung der gesamten Schulgemeinde und der Elternschaft.
Zweiter Preis (550 Euro): Tauschbörse, Brüder-Grimm-Schule, Förderschule (Klassen 1-4)
Die Tauschbörse dient als Beispiel für gelebte Gemeinschaft und fördert nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Nach der erfolgreichen Premiere im Schuljahr 2023/24, bei der jedes Kind fünf kleinere Gegenstände tauschte, wurde das Konzept im darauffolgenden Jahr auf die gesamte Schule ausgeweitet. Ältere Schülerinnen und Schüler reflektierten das Projekt, brachten Verbesserungen ein und unterstützen aktiv die nächste Tauschbörse vor den Weihnachtsferien. Die Jury lobte hier vor allem den positiven Einfluss auch auf die Eltern (Multiplikationswirkung) sowie die soziale Nachhaltigkeit des Projekts.
Zweiter Preis (550 Euro): Projekt Plastikdeckel können Leben retten, Domschule, Grund- und Hauptschule (unter andere Klasse 6)
Ausgehend von der Beobachtung, dass viel Müll in der Umwelt landet, untersuchte die Lerngruppe die Folgen von Umweltverschmutzung und entwickelte Lösungen zur Müllvermeidung, wobei auch Recycling eine wichtige Rolle spielte. Aus gesammelten und gereinigten Plastikdeckeln entstanden anschließend Bienentränken, deren Gestaltung auf die sicheren Landebedürfnisse der Bienen abgestimmt wurde. Das Projekt verknüpft die Themen Müllvermeidung, Recycling, Wasserversorgung für Tiere in Zeiten zunehmender Hitze sowie die Bedeutung von Insekten für das Ökosystem. Die Bienentränken werden im Frühjahr im neu gestalteten Schulgelände installiert. Für die Jury ist dies ein gutes Beispiel für die handlungsorientierte Verknüpfung vielschichtiger nachhaltiger Themen (Müllproblematik, Recycling, Klimawandel, Biodiversität).
Dritter Preis (450 Euro): Projekt „Pfand sammeln und Gutes tun“, Konrad-Zuse-Schule (Q1)
Im Rahmen eines Schulprojekts werden zwei kreativ gestaltete Pfandflaschen-Sammeltonnen auf dem Schulhof aufgestellt, um herumliegende Pfandflaschen sinnvoll zu nutzen und Mülltrennung sichtbar zu machen. Ergänzend entstanden für den BNE-Tag ein Würfelspiel und ein Memory zur richtigen Mülltrennung sowie humorvolle Sticker und Plakate zur Aktion. Die Pfandrückgabe wird wöchentlich vom Ordnungsdienst übernommen; der finanzielle Erlös fließt in die Klassenkasse, wobei 30 Projekt an die Hünfelder Tafel gespendet werden.
Anerkennungspreise (jeweils 150 Euro) gab es für Nachhaltige und gesellschaftsrelevante Projekte des NaWi-Kurses der Marienschule (Gymnasium, Klasse 10), wobei es unter anderem um nachhaltiges Kochen und Nachhaltigkeit im Fußballsport ging, sowie für das Projekt „Umweltsticker“ der 9. Klasse der Loheland-Gesamtschule, für das sogar eigens ein Maskottchen („Trashcat“) entwickelt wurde.
Die Preisträger des Vorgartenwettbewerbs:
Kategorie Balkone und Hinterhöfe:
Lea Widmer aus dem Nordend (400 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Die Gestaltung des Balkons zeigt, wie auch auf kleiner Fläche ein hohes Maß an Vielfalt erreicht werden kann. Insbesondere hervorzuheben ist, dass vielfältige Blühpflanzen in die Balkonkästen eingebracht worden sind.
Julia Ballmaier aus der Innenstadt (400 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Ihr Hinterhof zeigt, wie in einer stark versiegelten Umgebung eine kleine Oase entstehen kann. Besonders positiv fällt die Nutzung von Regenwasser auf, die nachhaltige Pflege unterstützt. Die Gestaltung wertet das innerstädtische Wohnumfeld spürbar auf und schafft eine einladende Atmosphäre.
Walter Jahn aus der Innenstadt (150 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Auf der kleinen verfügbaren Fläche wurde sehr viel ermöglicht – das zeigt großes Engagement. Besonders positiv ist die vorhandene Wasserstelle, die zum Beispiel Vögeln eine wertvolle Unterstützung bieten kann. Für noch mehr ökologische Wirkung wäre es schön, künftig verstärkt heimische Pflanzen mit Blühaspekten einzusetzen.
Kategorie naturnaher Garten
Denise Knauf aus der Fulda-Galerie (400 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Der moderne Vorgarten überzeugt durch eine gelungene Kombination aus klarer Gestaltung und ökologischen Elementen. Besonders positiv fällt die Verwendung von Blühpflanzen, heimischen Stauden/Gehölzen und die Entscheidung für Pflasterflächen mit begrünten Fugen auf, die mehr Lebensraum schaffen als eine Vollversiegelung.
Martina Fuchs aus Gläserzell (400 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Die üppig begrünte Fassade aus Efeu verleiht dem Vorgarten ein markantes, grünes Erscheinungsbild und bietet wertvolle Lebensräume. Auch die Vielzahl an Gehölzen trägt positiv zur Strukturvielfalt bei. Um die Naturnähe weiter zu steigern, wäre eine Ergänzung durch blühende, insektenfreundliche Pflanzen sinnvoll.
Volker Weinmann aus der Innenstadt (400 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Der Beitrag sticht durch seine Vorbildwirkung hervor: Er zeigt, wie selbst winzige Flächen kreativ begrünt und ökologisch aufgewertet werden können – inklusive integrativer Elemente. Die Bemühungen um Biodiversität auf kleinstem Raum sind klar erkennbar und lobenswert.
Alexander Wiechec aus Maberzell (150 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Der dicht bepflanzte Vorgarten vermittelt ein naturverbundenes Gesamtbild und integriert bereits einige heimische Gehölze, was besonders positiv hervorzuheben ist. Das vorhandene Totholz bietet zudem wertvolle Lebensräume für Insekten und Kleintiere
Ev. Kindertagesstätte der Lutherkirche aus dem Südend (150 Euro)
Aus dem Urteil der Jury: Der Vorgarten vermittelt mit seinem bepflanzten Boot und der Grünfläche ein freundliches Bild und leistet einen wichtigen Beitrag zur Naturerziehung im sozialen Umfeld der Kindertagesstätte. Eine artenreichere Bepflanzung mit insektenfreundlichen Stauden und Blühpflanzen könnte die naturnahe Wirkung deutlich steigern.
Eine lobende Erwähnung der Jury erhielt auch der Vorgarten von Birgit Miserre aus Lehnerz, die bereits beim Vorgartenwettbewerb 2024 erfolgreich abgeschnitten hatte.
