„Die Anzahl der Patientinnen und Patienten, die die Zentrale Notaufnahme aufsuchen, hat in diesem Jahr erneut stark zugenommen“, sagt Sabrina Sauthoff, Fachärztin für Innere Medizin und Klinikdirektorin der ZNA: „Im Jahr 2021 waren es noch rund 42.000 Patienten, in diesem Jahr werden es voraussichtlich 60.000 sein.“
Die Gründe für den wachsenden Andrang sind vielfältig. „Ein Teil der Bevölkerung weiß nicht genau, wann Notaufnahme, Ärztlicher Bereitschaftsdienst oder Hausarzt die richtige Anlaufstelle sind“, erklärt Dittmar Happel, ZNA-Manager am Klinikum Fulda: „Hinzu kommen der Rückgang und die Überlastung der Hausarztpraxen, fehlende Facharzttermine, Migration, die steigende Zahl junger Menschen ohne festen Hausarzt sowie fehlende Gesundheitserziehung in Schulen.“
Um den steigenden Patientenzahlen gerecht zu werden, plant das Klinikum für das kommende Jahr 2026 eine Aufstockung der Personalstärke im Pflegebereich von 39 auf 43 Stellen. „Wir reagieren darauf mit mehreren Maßnahmen“, sagt Sauthoff. „Regelmäßige Treffen des sogenannten ‚Runden Tisches‘ mit allen relevanten Akteuren der Notfallversorgung helfen uns, interdisziplinäre Lösungen zu entwickeln.“
Die Kooperationen umfassen Vertreter des Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) und des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD), um gemeinsam die Notfallversorgung in der Region zu verbessern. Gleichzeitig stellt der Anstieg auch eine wirtschaftliche Herausforderung dar. „Die unzureichende Finanzierung der ambulanten Notfälle führt zu einem stetig wachsenden Defizit in diesem Bereich“, erläutert Happel.
Zukünftig sollen digitale Angebote helfen, die Notaufnahme zu entlasten. „Im Rahmen des ‚Runden Tisches‘ überlegen wir, eine App zur Selbsteinschätzung einzuführen“, erläutert Sauthoff. „Ziel ist es, dass Patienten schneller am richtigen Ort versorgt werden und die Notaufnahme für echte Notfälle entlastet wird.“
Die Verantwortlichen betonen: Es geht nicht darum, Patientinnen und Patienten abzuweisen. Vielmehr sollen die Angebote sicherstellen, dass jeder schnell die passende Versorgung erhält – genau dort, wo er oder sie es braucht.
