Die Hochschule Fulda ist mit stabilen Zahlen ins Wintersemester gestartet. Rund 2300 Erstsemester haben ihr Studium aufgenommen, insgesamt sind derzeit etwa 9700 Studierende eingeschrieben. „Damit liegen wir wieder ziemlich genau auf dem Niveau von vor der Corona-Pandemie“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar. Während der Pandemie seien die Studierendenzahlen bundesweit rückläufig gewesen, inzwischen habe sich die Lage jedoch wieder stabilisiert. Ein weiteres Wachstum strebt die Hochschule derzeit nicht an. „Wir geben nicht die Devise aus: wachsen um jeden Preis“, sagt Khakzar. Mit zwischen 9000 und 10.000 Studierenden habe die Hochschule für die Stadt Fulda eine gesunde Größe erreicht. „Wir sind keine Großstadt wie München oder Berlin. Für einen Landkreis mit circa 230.000 Einwohnern sind rund 10.000 Studierende bereits eine stattliche Zahl.“ Auch die vorhandenen Räumlichkeiten seien auf diese Größenordnung ausgerichtet. Einzelne Ergänzungen und Weiterentwicklungen im Studienangebot seien noch geplant, große Zuwächse bei den Studierendenzahlen sind aber in den kommenden Jahren nicht zu erwarten.
Campus Nord: Neue Gebäude für Forschung und Lehre geplant
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die Entwicklung des sogenannten Campus Nord. „Wir konnten vor rund fünf Jahren eine an den Campus angrenzende Fläche der RhönEnergie erwerben“, erläutert Khakzar. Auf dem circa 11000 Quadratmeter großen Areal sollen in drei Bauabschnitten neue Gebäude entstehen – unter anderem für Forschung, Transfer, Existenzgründung und innovative Lehre. Perspektivisch soll dort auch die Hochschulverwaltung in einem zentralen Gebäude untergebracht werden, wie der Hochschulpräsident erklärt. Für den ersten Bauabschnitt mit zwei Gebäuden sei die Finanzierung durch das Land Hessen bereits in Aussicht gestellt worden, die finanziellen Mittel seien reserviert. „Die Finanzierung ist über das hessische Hochschulbauprogramm ‚HEUREKA‘ geplant“, spricht Khakzar Hessens Hochschulbauprogramm an. Erster Schritt wird ein Architekturwettbewerb sein, bei dem der beste Entwurf für das Areal Campus Nord auserkoren werden soll. Danach soll es möglichst zügig in die Umsetzung gehen. „Bis zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts müssen wir realistisch gesehen mit etwa fünf Jahren rechnen“, so Khakzar.
Hochschulfinanzen: Konsolidierung trotz Planungssicherheit
Im Sommer wurde der neue hessische Hochschulpakt für die Jahre 2026 bis 2031 unterzeichnet, in dem die finanzielle Ausstattung der hessischen Hochschulen geregelt wurde. „Der große Vorteil für uns ist: Wir wissen jetzt für sechs Jahre, womit wir planen können“, sagt Khakzar. Gleichzeitig müsse die Hochschule in den Jahren 2026 und 2027 zunächst konsolidieren – die Landesmittel lägen unter dem Niveau von 2025, zusätzlich belasten steigende Personalkosten den Haushalt. „Allein die jüngsten Tarifsteigerungen von rund fünf Prozent wirken sich deutlich spürbar aus.“ Da 70 bis 75 Prozent des Hochschulbudgets in Personal fließen, seien Tarifsteigerungen für die Hochschule besonders herausfordernd – zumal es dafür in den kommenden beiden Jahren keinen Ausgleich vom Land gäbe. „Auch für 2026 rechnen wir damit, dass die Tarife nochmal steigen“, sagt Khakzar. Entlastend wirke hingegen, dass im neuen Hochschulpakt die sogenannten Malus-Zahlungen entfallen. In den vergangenen Jahren musste die Hochschule Fulda wegen der etwas rückläufigen Studierendenzahlen Mindereinnahmen verkraften – in einer Größenordnung von rund zwei Millionen Euro. „Diese Regelung ist im neuen Hochschulpakt entfallen“, so Khakzar. Damit verfüge die Hochschule 2026 unter dem Strich über ähnliche Mittel wie 2025, müsse aber die gestiegenen Personalkosten aus eigener Kraft kompensieren.
Dazu notwendig sind Einsparungen – da betriebsbedingte Kündigungen nicht gewollt und im öffentlichen Dienst auch nicht so einfach möglich seien, seien die Spielräume bei den Personalkosten begrenzt, erklärt der Hochschulpräsident. Freiwerdende Stellen sollen daher künftig noch stärker hinterfragt werden. „Wir prüfen bei jeder Stelle genau: Ist sie strategisch wichtig, welche Priorität hat sie – dann entscheiden wir über die Nachbesetzung“, erklärt Khakzar und betont: „Ein genereller Stellenstopp steht jedoch nicht zur Debatte!“
Die größten Einsparpotenziale sieht die Hochschule derzeit bei Bau- und Sachinvestitionen, die aus dem eigenen Hochschulbudget und nicht vom Landeshochschulbauprogramm HEUREKA finanziert werden. Diese Einzelmaßnahmen seien nun entweder reduziert oder zeitlich verschoben worden. So könnten für die kommenden Jahre mehrere Millionen Euro eingespart werden. Ein Beispiel sei das Gebäude 45, die frühere Sporthalle. Wegen statischer Probleme musste sie gesperrt werden. Ursprünglich war geplant, in dem denkmalgeschützten Gebäude von 1900 ein modernes Selbstlernzentrum einzurichten. „Diese aufwändige Umbaumaßnahme mussten wir nun zunächst zurückstellen“, so Khakzar. Nun werde vorerst nur die Statik ertüchtigt, damit das Gebäude wieder nutzbar sei – zunächst in einem provisorischen Zustand. Auch Maßnahmen an den Außenanlagen des alten Campus wurden verschoben.
