Schon zu Beginn machte die Nachwuchsautorin deutlich, wie viel Herzblut in ihrem Werk steckt: „Ich komme aus Fulda, bin 16 Jahre alt und gehe hier zur Schule. Mit dem Schreiben habe ich 2019 oder 2020 begonnen, aber eigentlich habe ich mir schon vorher immer gerne Geschichten ausgedacht. Das hat mir so einen Spaß gemacht, dass klar war, dass ich Richtung Autorin gehen wollte.“
Während der Lesung nahm Livia Rupp das Publikum mit ins Japan des 17. Jahrhunderts – in die pulsierende Stadt Edo (heute Tokio), in der ihre Protagonistin Sukemi als junge Teehändlerin darum kämpft, ihren eigenen Weg zu finden. Inspiriert wurde die Autorin auf einer Reise nach Japan: „2024 bin ich mit meiner Familie dorthin geflogen, ich bin sehr japanfasziniert. Dort ist auch die Inspiration für den Roman entstanden.“ Rupp las Passagen, in denen Sukemi ihren Traum verfolgt, Haiku-Dichterin zu werden – ein nahezu unmögliches Unterfangen für eine Frau aus einfachen Verhältnissen. Gleichzeitig muss ihre Romanheldin sich den Erwartungen ihrer neuen Umgebung stellen und das geheimnisvolle Verschwinden ihres Bruders aufklären. Der mysteriöse, herrenlose Samurai Tatsuo wird zu einem wichtigen Verbündeten auf diesem Weg.
Außerdem sprach die Autorin offen über die Herausforderungen des Schreibens: „Es ist schwierig als junge Autorin, weil man nicht so richtig ernst genommen wird von Verlagen oder Agenturen. Das hat mich aber nicht runtergezogen, weil mich so viele Leute unterstützen – Freunde, Familie und auch die Bücherei Fulda-Galerie, die mir in Zukunft immer wieder die Möglichkeit bietet, Lesungen zu halten.“ Die Lesung von Livia Rupp am Freitagabend war die erste, größere Lesung in der Bücherei.
Besonders berührend war ihre Schilderung des Moments, als sie zum ersten Mal ihr eigenes Buch in den Händen hielt: „Ich erinnere mich noch genau, wie ich das erste Paket aufgemacht habe und die Bücher darin lagen. Das war ein sehr besonderer Moment – ein lange gehegter Traum.“ Im Juni dieses Jahres ist „Mein Traum in Edo“ schließlich erschienen – ein bemerkenswerter Erfolg für eine so junge Autorin.
Nach der Lesung nutzten viele Gäste die Gelegenheit, mit Livia Rupp ins Gespräch zu kommen. Die warme Atmosphäre, ihr offenes Wesen und die Leidenschaft für ihr Schreiben machten den Abend zu einem inspirierenden Erlebnis. Die Lesung zeigte eindrucksvoll, wie viel Talent und Hingabe in der regionalen jungen Literaturszene steckt – und dass Livia Rupp mit „Mein Traum in Edo“ einen vielversprechenden ersten Schritt in die Welt der Literatur gemacht hat.
