Die Veranstaltung genießt inzwischen weit über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf. Neben Teilnehmenden aus Fulda reisten auch Fachkräfte aus umliegenden Städten und Landkreisen an. Der große Zuspruch zeigte sich auch in der hohen Auslastung des Hörsaals: Teilweise reichten die Sitzplätze nicht aus, sodass Besucher sogar auf den Treppen Platz nahmen. Seit mehreren Jahren wächst die Veranstaltung kontinuierlich und hat sich zu einem festen Bestandteil der regionalen Fortbildungslandschaft entwickelt. Dr. Alexander Lay und Dr. Thomas Rathjen führten durch das Programm. Die Präsentierenden zeigten sich gewohnt offen und bezogen auch das Publikum immer wieder interaktiv mit ein: So beispielsweise bei Fragen zu möglichen Diagnosen oder Verhaltensweisen in bestimmten Situationen.
Inhaltlich wurden ausgewählte, besonders anspruchsvolle Notfälle des zurückliegenden Jahres vorgestellt und detailliert besprochen. Anhand konkreter Fallbeispiele – darunter auch seltene und lebensbedrohliche Situationen – konnten die Teilnehmenden die medizinischen Abläufe, Entscheidungswege und die Zusammenarbeit der beteiligten Einsatzkräfte nachvollziehen.
Wie entscheidend die erneute Aufarbeitung und Darstellung einzelner Fälle ist, wurde unter anderem beim Vortrag von Jan Fäller (Notfallsanitäter) und Tilman Hans (Auszubildender im dritten Lehrjahr) deutlich: Sie präsentierten einen Fall, der sich erst vor knapp zwei Monaten ereignete: Mitte Oktober alarmierte die Leitstelle zu einem „R0 – red. AZ“, was so viel bedeutet wie „Reduzierter Allgemeinzustand, ohne akuten Notfall“.
„Wir wurden vom Sohn alarmiert, der berichtete, es gehe seinem Vater schon seit einigen Tagen schlecht. Den männlichen Patienten haben wir dann liegend und schwer atmend auf dem Sofa vorgefunden“, berichtete Jan Fäller: „Nach den ersten Untersuchungen haben wir dann unter anderem einen Blutzuckerwert von 27 Milligramm pro Deziliter festgestellt. Wir haben dann noch eine Kontrollmessung durchgeführt, weil das schon sehr ungewöhnlich ist: Ein so hoher Wert, der Patient redete aber noch einigermaßen normal mit uns und wir mussten sogar Überzeugungsarbeit leisten, weil er erst nicht ins Krankenhaus wollte. Darüber hinaus war die Atmung einseitig abgeschwächt und der Patient hatte bereits bläuliche Haut.“ Innerhalb von 45 Minuten nach Einsatzbeginn gelang es Füller und Hans jedoch, den Patienten im Klinikum abzuliefern – wo weitere Tests im Anschluss das gesamte Ausmaß des „reduzierten Allgemeinzustandes“ offenlegten: Demnach litt der Patient an einem zentralen Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), einer Leberzirrhose und einer Sepsis. „An der Sepsis ist er dann vermutlich auch verstorben“, blickte Tillman Hans zurück und verdeutlichte: „Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch auf den ersten Blick etwas niederschwelligere Einsatzlagen unsere vollste Aufmerksamkeit verdienen. Das ist ein Einsatz gewesen, der auch uns nachdrücklich im Kopf geblieben ist.“
Doch nicht nur der Vortrag von Fäller und Hans verdeutlichten die Bedeutung des jährlichen Rückblicks auf die vergangenen Notfälle: Ein zentraler Bestandteil der Fortbildung ist der persönliche und fachliche Austausch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Gerade im Einsatzalltag bleibt hierfür oft wenig Zeit, umso mehr wird die offene Diskussion im geschützten Rahmen der Veranstaltung geschätzt. Die große Beteiligung und die intensive Mitarbeit des Publikums unterstrichen einmal mehr die Bedeutung dieses Formats.
