Eine Anströmung aus Südwesten bringt dieser Tage milde Luft in weite Teile Deutschlands, darunter auch nach Hessen. „Daran wird sich auch erstmal nichts ändern“, sagt Meteorologin Yvonne Engelmann vom Deutschen Wetterdienst. Die Temperaturen gehen zwar langsam zurück, doch mit „winterlichen Erscheinungen“ sei erstmal nicht zu rechnen. So bekam Fulda am Montag rund zwölf Grad, in diesem Bereich liegen auch die Temperaturen der nächsten Tage. Erst am Freitag geht es tagsüber wieder in den einstelligen Bereich. Auch nachts ist es vergleichsweise mild und frostfrei, eventuell am Wochenende könnte es Frost in Bodennähe geben – frühestens, so die Meteorologin.
Weiter vorauszuschauen, wäre wie ein Blick in die Glaskugel. Doch für die Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Advent ist und bleibt es wenig weihnachtlich. Stattdessen gibt es unbeständiges Wetter in ganz Osthessen, auch mit vereinzeltem Regen. Dienstag und Donnerstag könnten am ehesten niederschlagsfreie Tage werden, sagt Engelmann, ansonsten sei es ein „Sprühregen“, der in der Region für ein wenig Niederschlag sorgt, jedoch nicht in großen Mengen.
Damit einhergehend kann auch die Wintersport-Saison noch nicht starten: Am Montagnachmittag beispielsweise meldete die Wasserkuppe Temperaturen von über 8 Grad. „Es war sogar schon wärmer im Dezember“, muss Florian Heitmann, Betriebsleiter der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe, eher schmunzeln: „Das ist also nichts Außergewöhnliches“. Statt Winterbetrieb werden auf Hessens höchstem Gipfel aktuell Vorbereitungen getroffen und Wartungsarbeiten durchgeführt, die sich die Akteure dann im Frühjahr sparen können. „Das, was eben geht“, sagt Heitmann: „Ansonsten warten wir, dass es Winter wird“. Damit rechnen, dass der Winter noch nicht frühzeitig kommt, mussten die Betreiber. Dies sei auch in den vergangenen Jahren schon öfter so gewesen. Heitmann nimmt es gelassen: „Bei dem Wetter und den Temperaturen denkt sowieso keiner ans Skifahren. Es sind Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern, alle kaufen Geschenke, da haben viele keine Zeit“.
Ein Traum wäre für die Wasserkuppe – und sicher auch viele Wintersport-Fans – wenn es über Weihnachten mit dem Betrieb losgehen könnte. „Aber das ist selten“, schätzt auch Heitmann die Chancen mit rund 25 Prozent eher gering ein. Schnee ist aktuell Fehlanzeige, doch zumindest der Rhönbob soll bei milderem Wetter über die Feiertage aufmachen. „Erst wenn es in Fulda kälter wird, wird es bei uns nochmal etwas kälter“, sagt Heitmann. Auf dem aktuellen Stand können die Wintersport-Fans natürlich über die digitalen Kanäle der Ski- und Rodelarena bleiben. Aktuell aber, wie der Betriebsleiter sagt, ist in der Rhön noch nicht ans Skifahren zu denken.
Mildes Wetter im Vergleich zu Vorjahren
„Tatsächlich befinden wir uns aktuell in einer ausgesprochen milden Wetterphase“, bestätigt auch Adrian Leyser Sturm vom Deutschen Wetterdienst. Trotz des leicht unbeständigen, eher wolkenreichen Wetters prognostiziert auch er in Osthessen tagsüber teilweise bis zu 14 °C., selbst in den Hochlagen der Rhön bis 10 °C. Im Vergleich: „Die aktuellen Temperaturen liegen weit über den vieljährigen Mittelwerten – deutlich über fünf Grad zu hoch“, erklärt der Experte. Aber: „Von Rekordwerten sind wir noch ein Stückchen entfernt“. In Horas beispielsweise liege der Monatsrekord bei 16,4 Grad, gemessen am Silvestertag 2022. Auf der Wasserkuppe ist 12,4 Grad der Rekord vom 4. Dezember 1953.
Von Kaltluft könne auch in der zweiten Wochenhälfte keine Rede sein, blickt er voraus. Und was den weiteren Dezember angeht? „Mit Blick auf die Großwetterlage und selbst unter Berücksichtigung der zunehmenden Unsicherheit stehen die Chancen auf durchgreifendes Winterwetter auch in der nächsten Woche sehr schlecht“. Atlantische Tiefs würden gegen das „Hochdruckbollwerk“ über dem Kontinent arbeiten. „Wir liegen in der Übergangszone in einer meist westlichen bis südwestlichen Strömung, in der zwar nicht mehr ganz so milde, für winterliches Wetter aber immer noch viel zu warme Luft zu uns kommt“, so Sturm weiter. Haltbare Prognosen für den vierten Advent und Weihnachten seien noch nicht möglich – damit bestehe aber zumindest eine kleine Resthoffnung auf eine Wetterumstellung zum Fest. „Zumindest für die Hochlagen der Rhön muss man ein weißes Weihnachtsfest noch nicht ganz abschreiben. Statistisch gesehen liegt dort alle zwei bis drei Jahre Schnee an Weihnachten“.
