„Als wir die Fenster dekorierten, haben schon die ersten Leute an der Tür gerappelt“, erinnert sich Geschäftsführer Florian Hintz: „Wir wollten eigentlich noch gar nicht öffnen, doch der Andrang war so groß, dass wir kurzerhand ein Soft-Opening gestartet haben.“ Der Laden sei vom ersten Moment an rappelvoll gewesen. „Viele haben gesagt: ‚Toll, dass so ein Laden in Fulda eröffnet.‘ Das hat uns sehr bestärkt“, sagt Hintz. Zwar habe man noch nicht alles fertig gehabt – unter anderem müssen die historischen Bilder des Großvaters noch aufgehängt werden – doch die hohe Besucherfrequenz habe das Team regelrecht überrumpelt.
Warum Fulda? „Diese Stadt strahlt“
Hintz-Bürsten stammt aus Marburg und wird inzwischen in dritter Generation geführt. Nach Großvater Arnold Hintz, der ab 1950 mit dem Fahrrad durch die Region fuhr, um Borsten zu kaufen, und Vater Hans-Wilhelm Hintz, übernehmen heute die Geschwister Florian Hintz, Christian Hintz und Melanie Kraussmann den Betrieb. Rund 15 Mitarbeitende gehören dazu; weitere Filialen gibt es in Marburg und im Freilichtmuseum Hessenpark – und bis vor Kurzem auch in Frankfurt-Bockenheim.
„In Frankfurt hat uns einfach die Laufkundschaft gefehlt“, sagt Florian Hintz. Die Filiale dort konnte sich trotz vielen Stammkunden nicht tragen und wurde nach zwei Jahren geschlossen. „Wir standen vor der Frage: Machen wir eine Pause und lagern alles ein – oder suchen wir einen neuen Standort?“ Die Entscheidung fiel schließlich auf Fulda. „Fulda ist eine Kulturstadt, voller Veranstaltungen und Touristen. Dazu kommt die Altstadt, das Umfeld, die Fußgängerzone – das passt perfekt zu unserem Flair. Und diese Stadt strahlt einfach: das Schloss, der Dom, die Gassen. Wir waren sofort begeistert.“
Auch familiäre Verbindungen in die Region spielten eine Rolle: „Wir kannten Fulda schon, weil Verwandtschaft hier in der Nähe lebt.“
Handwerk, das bleibt: Unikate, Naturmaterialien – ohne Plastik
Das Besondere an dem Geschäft ist nicht nur die Tradition, sondern auch das Sortiment: alles echte Handarbeit – Produkte, die aus deutschen Innenstädten fast verschwunden sind. „Wir bieten eigene Produkte aus unserer Besenmanufaktur an – Besen, Bürsten, Pinsel und vieles mehr“, sagt Hintz. Das außergewöhnlichste Stück sei eine handgefertigte Staubbürste aus Ziegenhaar. „Jede Bürste ist ein Unikat, und sie hält im besten Fall ein halbes Jahrhundert.“ Die Haare stammen von der chinesischen Langhaar-Bergziege aus dem Himalaja.
Rund 20 Prozent der Waren stellt die Familie selbst in ihrer Werkstatt in Marburg her, alles andere stammt ausschließlich von traditionellen Bürstenmacher-Betrieben in Deutschland – Importware kommt aus Überzeugung nicht in die Regale. Die Branche ist klein geworden: „Es gibt nur noch 50 bis 60 Betriebe in ganz Deutschland“, so Hintz. Nachwuchssorgen seien groß, die Ausbildung existiert nur noch in wenigen Bundesländern. „Umso wichtiger ist es uns, das Wissen weiterzugeben. Wir wollen nicht, dass dieses Handwerk ausstirbt.“
Neben Bürsten gibt es ergänzende Artikel wie Naturseifen aus Österreich, Schnitzmesser aus Frankreich, Produkte aus dem Korbflechter-Handwerk und Rasur-Artikel aus dem Erzgebirge. „Die Seife hat schon immer zur Bürste gehört“, sagt Hintz.
Soft Opening zeigt: Fulda will echtes Handwerk
Die ersten vier ungeplanten Öffnungstage liefen besser als erwartet. „Wir haben extrem viel Zuspruch bekommen“, sagt Hintz. Besucher hätten sich gefreut, dass ein traditionelles Handwerksgeschäft die Innenstadt bereichert. „Innenstädte werden vielerorts monoton. Wir möchten etwas entgegensetzen – mit Tradition, Handwerk und Qualität.“ Im Dezember und Januar wird die ganze Familie selbst im Laden stehen. „Wir möchten, dass die Leute uns kennenlernen – und wir unser Wissen weitergeben können.“
Eröffnung am Samstag mit Live-Handwerk
Zur offiziellen Eröffnung am Samstag ist die gesamte Familie vor Ort. Von 10 bis 18 Uhr gibt es Getränke, Snacks und Kuchen. Außerdem zeigt die Familie live im Laden, wie traditionelle Back- und Kuchenpinsel entstehen – ein Einblick in ein Handwerk, das heute nur noch wenige beherrschen. „Wir hoffen, dass unser Geschäft eine Bereicherung für Fulda ist – für Touristen und für die Menschen aus der Stadt“, sagt Florian Hintz. „Wir möchten ihnen ein Erlebnis bieten.“
