Lokales FD 23.12.2025

Fuldaer Sehnsuchtsort: Ausstellung erinnert an „Kerbersch Koarl“

Fulda – Von Janosch Hensel – Mit der Ausstellung „KERBER. Fulda kauft ein. 1958–1991“ ist im Konzepthaus Karl ein Stück Fuldaer Stadtgeschichte lebendig geworden. Zur Eröffnung kurz vor Weihnachten zeigten sich zahlreiche Gäste interessiert an den Fotografien von Hubert Weber, die Erinnerungen an das frühere Kaufhaus Kerber und an Jahrzehnte des Einkaufslebens in der Innenstadt wecken. Die Schau widmet sich der Geschichte des Kaufhauses, das für viele Fuldaerinnen und Fuldaer über Jahrzehnte hinweg ein Ort der Sehnsucht, Begegnung und Alltagskultur war.

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (links) und Kurator Dr. Maximilian Kutzner bei der Eröffnung der Ausstellung. Foto: Janosch Hensel

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betonte im Rahmen der Ausstellungseröffnung die besondere Bedeutung des Ortes: „Wir wollen hier an historischem Ort ein Stück Stadtgeschichte erlebbar machen.“ Schon beim Betreten der Ausstellung werde deutlich, „wie viele Erinnerungen bei den Menschen wachgerufen werden.“ Die Idee zur Ausstellung sei erst vor wenigen Monaten entstanden und gehe auf engagierte Mitarbeitende der Stadtentwicklungsgesellschaft Fulda zurück. Ziel sei es gewesen, die Geschichte dieses Ortes mit Bildern sichtbar zu machen und zugleich an die prägende Rolle des Kaufhauses für die Innenstadt zu erinnern – auch im Hinblick auf die Bürgerinnen und Bürger, die über die Jahre hinweg ebenfalls einige Erinnerungen mit dem Kaufhaus verbanden und sich persönliche Erlebnisse wieder ins Gedächtnis rufen konnten: Etwa Erinnerungen an die Spielzeugabteilungen, zahlreiche Rolltreppenfahrten, Stoffe, Feinkost oder das Restaurant. Gerade diese individuellen Erinnerungen machten deutlich, welche Bedeutung das „Kerbersch Koarl“ über Generationen hinweg für die Stadt hatte.

Grundlage der Ausstellung sind Fotografien des langjährigen Pressefotografen Hubert Weber, dessen Werk Wingenfeld als „wahren Schatz“ würdigte. Die Bilder ermöglichten es, „auch heute noch einen Blick in die Entwicklung unserer Stadt zu werfen.“ Zugleich erinnerten sie an die prägende Rolle des Kaufhauses Kerber für das Alltagsleben vieler Generationen. Kurator Dr. Maximilian Kutzner erläuterte, dass insgesamt 22 Fotografien gezeigt werden – bis auf eine alle von Hubert Weber. Viele seien „im Vorbeigehen oder auf dem Weg zu einem anderen Auftrag entstanden“ und zeigten Fuldaerinnen und Fuldaer in ganz alltäglichen Momenten. Inhaltlich gehe es weniger um eine reine Chronologie als um Emotionen: „Kaufhäuser sind Sehnsuchtsorte“, sagte Kutzner: Orte, an denen sich Wünsche, Erinnerungen und auch kritische Töne zum Konsum verbinden.

Ein besonderes Anliegen sei ihm zudem die regionale Umsetzung gewesen. „Alles, was Sie hier sehen, kommt aus Fulda und der Region“, erklärte er – von der Gestaltung über die Materialien bis hin zum begleitenden Podcast. Damit solle gezeigt werden, „was Kulturschaffende und Ausstellungsmacher in Fulda leisten können“, erläuterte Kutzner auch mit Hinblick auf den ausstellungsbegleitenden Podcast von Shaggy Schwarz. Sein größter Wunsch sei es indes, dass die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung gehen und sagen: „Mensch, daran erinnere ich mich noch.“ Jeder bringe seine eigene Geschichte mit – und genau diese habe Hubert Weber mit seinen Bildern eingefangen und mache sie nun wieder erlebbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April 2026 zu den Öffnungszeiten des Konzepthauses Karl (Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr) zu sehen. Kostenlose Kuratorenführungen mit Dr. Maximilian Kutzner finden am 7. Februar, 7. März und 11. April 2026 jeweils um 14.30 Uhr statt, eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich.

Ausstellungseröffnung im Konzepthaus Karl. Fotos: Janosch Hensel