Lokales FD 15.12.2025

Digitale Gangsterjagd – Cyberstaatsanwältin gibt Einblicke

Fulda (pm/gü) – Im Rahmen eines spannenden Akademieabends der Katholischen Akademie im Bonifatiushaus Fulda gewährte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Jana Ringwald Einblicke in die zunehmend drängende Thematik der Cyberkriminalität im Darknet. In Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung brachte Ringwald der rund 100-köpfigen Zuhörerschaft auf eindrucksvolle Weise die Gefahren und Herausforderungen näher, die mit der illegalen Nutzung des Darknets verbunden sind.

Referentin Jana Ringwald im Gespräch mit Journalist Werner Schliereke. Fotos: Katholische Akademie.

„Das Darknet ist ein abstrakter, teils mystifizierter Raum. Aber es ist ein Raum, in dem tagtäglich schwere Straftaten begangen werden, die nicht nur die digitale, sondern auch die reale Welt betreffen“, so die einführenden Worte von Gunter Geiger, dem Direktor der Katholischen Akademie. Für viele ist das Darknet ein unbekanntes Terrain, und genau hier setzt die Arbeit von Jana Ringwald an. Sie ist bekannt als „Cyberstaatsanwältin“ und führt als leitende Staatsanwältin bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main intensive Ermittlungen gegen digitale Kriminalität.

Mit einer anschaulichen Präsentation führte sie die Gäste in die düstere Welt des Darknets ein: Auf scheinbar harmlos wirkenden Plattformen wie „Docstagram“ oder „Flink Drugs“ werden illegal Personalausweise, Kreditkarten und Drogen angeboten – Märkte, die äußerlich an bekannte Shoppingseiten erinnern. Eine Seite, die mit einer simplen Excel-Tabelle auftritt, stellt Inhalte aus Kinderpornografie bereit. Ein erschütternder Einblick, der das Ausmaß und die Gefährlichkeit des digitalen Untergrunds verdeutlicht.

Ringwald erklärte, dass ein Aufenthalt im Darknet an sich nicht illegal sei, wohl aber die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es geht nicht nur um das Verfolgen von verdächtigen E-Mails oder Handynachrichten, sondern vor allem darum, die Hintermänner von illegalen Plattformen zu identifizieren, um diese stillzulegen und die dort genutzte Kryptowährung zu sichern. Die größte Herausforderung der Ermittlungen: Die Anonymität im Darknet, da Täter meist nur ihren Nutzernamen preisgeben. Doch auch hier gibt es Spuren, die es den Ermittlern ermöglichen, die Kriminalität aufzudecken – trotz massiver Verschlüsselungstechniken.

„Wir arbeiten in enger Kooperation mit Informatikern“, so Ringwald: „Ich mag keine IT-Expertin sein, aber als Juristin hinterfrage ich die Vorgehensweise unserer Ermittler und bringe das nötige rechtliche Verständnis in die Arbeit ein.“ In einem beeindruckenden Beispiel zeigte die Staatsanwältin, wie ihre Ermittler auch offensiv im Darknet auftreten: Sie veröffentlichten ein Video, das in der Machart von Cyberkriminellen gestaltet war, mit der Botschaft: „Die Polizei ist euch auf den Fersen.“

Ein weiteres Highlight des Abends war das Gespräch zwischen Jana Ringwald und dem renommierten Hörfunk-Journalisten Werner Schlierike. Sie erläuterte, dass die Täter im Darknet keine typischen Kriminellen aus sozial benachteiligten Milieus seien, sondern vorwiegend junge Männer im Alter von 14 bis 35 Jahren. „Viele von ihnen haben in der realen Welt wenig Selbstwertgefühl, aber im Darknet werden sie als Helden gefeiert“, so Ringwald. Ein Beispiel, das sie anführte, war der „Wall Street Market“, der zweitgrößte Marktplatz im Darknet. Hier wurden Drogen und andere illegale Waren im Wert von 36 Millionen Euro gehandelt – alles nur durch das Tippen auf der Computertastatur.

In ihrer Schlussfolgerung appellierte die Oberstaatsanwältin an die Verantwortung von Eltern und der Gesellschaft, sich stärker mit den digitalen Aktivitäten ihrer Kinder auseinanderzusetzen: „Es braucht kein Studium, um in diesem Bereich aktiv zu werden. Doch das bedeutet nicht, dass diese Leute nicht auch in anderen Bereichen großes Potenzial haben“, so Ringwald. Prävention sei ihr ein besonders wichtiges Anliegen. Sie zeigte auf, dass der digitale Raum nicht als unkontrollierbar betrachtet werden sollte. „Auch in der digitalen Welt kann man seinen Verstand einsetzen, um sich vor Gefahren zu schützen. Es fängt damit an, dass man achtsam ist, welche Daten man preisgibt“, erklärte sie. Abschließend betonte sie, dass es gerade in der digitalen Welt wichtig sei, den moralischen Kompass nicht zu verlieren. „Auch Täter, die irgendwann ‚falsch abgebogen‘ sind, verdienen eine Chance zur Rehabilitation. Wir müssen verstehen, wie es dazu kommen konnte“, sagte sie und zitierte dabei den Philosophen Emanuel Kant.

Der Abend bot nicht nur einen tiefen Einblick in die juristischen Aspekte der Cyberkriminalität, sondern regte auch zur Diskussion über ethische und gesellschaftliche Fragen an. Es war ein weit über die reine Rechtsauffassung hinausgehender Abend, der den Zuhörern einen fundierten Überblick über die dunklen Seiten des Internets verschaffte und zur Auseinandersetzung mit der digitalen Welt einlud.