Lokales FD 04.12.2025

100 Jahre im Dienst des Klimas – Jubiläum für Biensack & Masché

Fulda (pm/pf) – Im November 2025 blickte die Firma Biensack & Masché Isolierungen auf 100 Jahre Firmengeschichte zurück. 1925 an der Tränke von Josef Biensack gegründet befindet sich das Unternehmen nun an der Langenbrückenstraße und wird derzeit in dritter und vierter Generation weitergeführt.

Foto: Biensack & Masché

Im Jahr des 100-jährigen Bestehen schaut die Familie dankbar auf die Geschichte zurück. Statt einer Feier kommt der dafür vorgesehene Betrag einer gemeinnützigen Aktion zugute. Das Unternehmen schreibt von einer Familiengeschichte „von Vordenkern und Handwerkern“:

„Es waren die ‚Goldenen Zwanziger‘. Die Weimarer Republik versprach politische Stabilität und nach der Währungsreform nahm die Wirtschaft wieder Fahrt auf. Man hörte Jazz, Dr. Georg Antoni war Bürgermeister der Stadt und auch in der Unterstadt, an der Tränke, stellt Josef Biensack Weichen für die Zukunft.

Die Geschichte der Biensacks in der Unterstadt ist lang. So wurde 1797 ein gewisser Adam Joh. Bünsack als Gassenmeister der Hinterburg als Wortführer gegen die Vereinigung mit der Innenstadt aktenkundig. Ab 1879 ist der Name Biensack mit dem Grundstück an der Tränke bzw. der Blumenmauer fest verbunden.  Es waren Holzspalter, Tagelöhner und Handwerker. Davon zeugen Rechnungen über Abbruch- und Schlosserarbeiten in den Stadtarchiven.

Joseph Biensack wurde 1897 „an der Träänk“ geboren. Seine Schulzeit verbrachte er noch in der alten, dompfarrlichen Knabenschule. Nach seiner Lehre zum Schlosser fand er Arbeit in Essen, Bochum, Düsseldorf und Frankfurt. In den großen Betrieben dort gehörte auch das Dämmen der Rohre und Maschinen der Schwerindustrie zu seinen Aufgaben. Aber zunächst wurde er Soldat und arbeitete nach dem Krieg bei der Bahn.

Nach Jahren der Wanderschaft zog es Josef Biensack 1920 wieder in die Heimat. Sein Vater betrieb ein Möbeltransportunternehmen, sein Bruder verdiente mit Dämmarbeiten sein Geld. Heute würde man Josef Biensack einen Visionär nennen.  Er bündelte die familiären Ressourcen, packte seine Erfahrungen aus der Industrie dazu und meldete am 9. November 1925 einen Isolierbetrieb an.  Seiner Zeit weit voraus – denn die erste Gesellen- und Meisterprüfungen für Isolierer fanden erst 1938 in München statt.

Zuverlässige, lösungsorientierte, saubere und ehrliche Arbeit verhalfen zu einem guten Ruf und sprachen sich herum. Die Eintragung in die Handwerksrolle 1940 wurde ihm aufgrund seiner Referenzen gewährt und es wurde ihm erlaubt Lehrlinge auszubilden. Schließlich zählte er zu den Pionieren dieses Gewerks. Anfangs brachte man das Material mit Vaters Handwagen zur Baustelle.

Als er 1927 seine Frau Karoline heiratete, lebte die Familie zunächst noch in der Kronhofstraße, wo auch seine zwei Töchter Ilse und Margot geboren wurden. Am Firmensitzt an der Blumenmauer bzw. Tränke 48 war kein Platz für die junge Familie, hier lebten noch Geschwister und Eltern zusammen. 

Die jüngere Tochter Margot sollte noch eine wichtige Rolle in der Geschichte des Unternehmens spielen. Sie wuchs auf und heiratete den aus Berlin stammenden Gerhard Masché. Ihn hatten die Wirren des 2. Weltkrieges in Fulda stranden lassen. Dieser wurde beinahe zeitgleich Schwiegersohn und Lehrling im Hause. Höhen und Tiefen gehören zur Geschäftswelt, Investitionen waren von Nöten, erstes Firmenfahrzeug war ein Goliath Dreirad und auch Zahlungsausfälle seitens Kunden belasteten die Bilanzen. Aber Arbeit gab es immer.

1960 wurde der Stammhalter Dietmar geboren und 1967 stellte Josef Biensack die Weichen für die Zukunft. Sein Schwiegersohn Gerhard wurde Gesellschafter und seit dem steht „Biensack & Masché – Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz Isolierungen“ auf dem Briefkopf. Als 1973 der Firmengründer verstarb, übernahm der Schwiegersohn das Unternehmen und führte dies mit seiner Frau Margot weiter.

Bis zu elf Mitarbeiter wurden beschäftigt. Mit vielen bestand noch lange nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen freundschaftlicher Kontakt. Neben harter Arbeit gab es auch immer etwas zu Feiern und die unzähligen Anekdoten rund um die Originale der Firmengeschichte würden jeden Rahmen sprengen.

Der Enkel des Firmengründers Dietmar trat nach seiner Schulzeit in die Fußstapfen seiner Väter und startete die Ausbildung zum Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer im Betrieb eines ehemaligen Mitarbeiters. Kurz vor seiner Gesellenprüfung ereilte ein neuer Schicksalsschlag Familie und Firma gleichermaßen.

Gerhard Masché verstarb 1979 plötzlich und unerwartet.  Der gerade 19-Jährige stand mit seiner Mutter und den zu diesem Zeitpunkt vier Mitarbeitern über Nacht alleine da. Für Margot Masché begann die schwierigste Zeit ihres Lebens.  Es drohte die zwangsweise Schließung des Unternehmens, wenn nicht innerhalb einer Frist ein Meister nachgewiesen werden konnte. Abgesehen von den wirtschaftlichen Faktoren, war es aussichtslos einen Isolierer Meister auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Dem Junior fehlten noch die nötigen Gesellenjahre für die Zulassung zur Meisterprüfung.  Anträge, Fristverlängerungen und schließlich eine Sondergenehmigung. Der Sohn pendelte zwischen Baustelle und Meisterschule. Mutter und Chefin wider Willen kümmerte sich um das Büro und chauffierte auch die Arbeiter zur Baustelle. Keiner von ihnen hatte zu diesem Zeitpunkt einen Führerschein.

Am 23. Juli 1982 schrieb das kleine Unternehmen aus Fulda abermals Geschichte: Dietmar Masché hielt als Jüngster seit Bestehen der Meisterpflicht seinen Meisterbrief im Isolierhandwerk in den Händen. Doch zum Durchatmen blieb weiterhin keine Zeit. Maßnahmen zur Stadterneuerung entlang der Tränke und Blumenmauer standen an.  Der Firmensitz musste aufgrund drohender Enteignung aufgegeben werden und die Familie nach rund 120 Jahren ihr Zuhause verlassen. Jahrelang wurden Optionen geprüft, Verhandlungen geführt und schließlich wieder investiert. 1992 wurde der neue Firmensitz mit Lager und Wohnhaus für zwei Generationen in der Langenbrückenstraße bezogen.

Margot Masché führte mit ihrem Sohn Dietmar Biensack & Masché erfolgreich in das neue Jahrtausend und blieb bis zu ihrem Tode 2023 Mitinhaberin.

Fast fünf Jahrzehnte steuert Dietmar Masché maßgeblich die Geschicke der Firma. Immer neue Techniken und Materialien auf der Baustelle bis hin zur Digitalisierung der Buchhaltung vielen in diese Jahre. So hatte er als einer der Ersten ein mobiles Telefon im Einsatz und drückte, sehr zum Leidwesen des damaligen Mitarbeiters, diesem schon vor Jahren ein Tablett zur Zeiterfassung in die Hand.

2015 trat Samuel Masché, einst bester Azubi seines Jahrgangs, nach bestandener Meisterprüfung in das Unternehmen ein. Es wurde angebaut, das Lager erweitert und die Qualifikation zum Energieberater erworben. Die vierte Generation ist am Ruder.

Wertschätzung und Dank geht unbedingt an Wegbegleiter wie ehemaligen Mitarbeiter. Neben geschichtlichen Einflüssen finden sich auch die gesellschaftlichen Veränderungen in der Firmengeschichte wieder. Es waren Umsiedler in der Nachkriegszeit, Gastarbeiter aus Italien in den 60er Jahren, ein Amerikaner war dabei und heute ist es ein aus Syrien stammender Mitarbeiter. So international kann regionales Handwerk sein. Innovation und Integration als zwei wichtige Grundpfeiler aus der Vergangenheit und für die Zukunft.

Permanente fachliche Weiterentwicklung, Qualität statt Quantität und ein kleines, familiäres Team. Die nächsten 100 Jahr können beginnen“.

 

Zeitleiste

1925: Firmengründung durch Josef Biensack

1940: Eintrag in Handwerksrolle Kassel

1941: Erlaubnis Lehrlinge auszubilden

1967: Gerhard Masché wird Gesellschafter

1973: Tod des Firmengründers – Margot und Gerhard Masché werden Nachfolger

1979: Die Witwe Margot Masché übernimmt die Unternehmensleitung

1982: Dietmar Masché – jüngster Isoliermeister Deutschlands

1992: Umzug Langebrückenstaße

2015: Samuel Masché tritt ins Unternehmen ein

2019: Lageranbau ist beendet

2023: Senior Chefin Margot Masché verstirbt

2025: Dietmar und Samuel Masché feiern 100-jähriges Bestehen.