Lokales VB 26.08.2025

Zwei Philosophien im Halbfinale: Pitch-Training für Gründerpreis

Fulda (sim) – Sie stehen kurz vor einem wichtigen Meilenstein – und bereiten sich mit voller Konzentration darauf vor: Zwei Unternehmen aus der Region Fulda – das junge Start-up Obstbaumglück und das Traditionsunternehmen Netzfabrik – präsentieren Anfang September ihre Ideen beim Halbfinale des Hessischen Gründerpreises 2025. Beim Pitch-Training am Montagabend erhielten sie zum ersten Mal professionelles Feedback – offen, ehrlich und konstruktiv. Die Veranstaltung war damit nicht nur eine Generalprobe, sondern ein echtes Highlight der regionalen Gründerszene.

Hinten von links: Carsten Veldung (Gebhardt+Moritz), Lea Baumbach, Daniel Berghold und Senouci Allam (EduTecs); vorne von links: Malte Bürger (stafftastic) und Florian Albinger. Foto: Silas Messing

Organisiert von der Wirtschaftsförderung Fulda und ausgerichtet in den Räumen der Kanzlei Gebhardt+Moritz, versammelten sich rund 20 Gäste. Ehemalige Preisträger, Coaches, Banker, Investoren und Unterstützer der Szene – alle mit einem Ziel: jungen Ideen und modernen Unternehmensansätzen eine Bühne zu bieten und ihre Weiterentwicklung zu fördern. „Das hier ist unsere Generalprobe. Die Kandidaten sind heute zum ersten Mal wirklich aufgeregt – und das Feedback, das sie bekommen, kann entscheidend sein.“, erklärte Florian Albinger, Projektmanager für Wirtschaftsförderung in der Region Fulda. Besonders hob er hervor: „Alle, die heute Feedback geben, sind freiwillig hier. Das zeigt, wie stark das Netzwerk in der Region zusammenhält.“

Zwei Fuldaer Unternehmen – zwei ganz unterschiedliche Wege

In diesem Jahr vertreten zwei ganz unterschiedliche Betriebe die Region Fulda beim Hessischen Gründerpreis: ein echtes Start-up und ein Traditionsunternehmen unter neuer Führung. Daniel Berghold ist Gründer von Obstbaumglück (Kategorie Gesellschaftliche Wirkung), einem jungen Unternehmen, das sich der naturnahen Obstbaumpflege, Umweltbildung und dem Erhalt von Streuobstwiesen widmet. Seit Januar 2023 ist er als zertifizierter Obstbaumwart und Streuobstpädagoge unterwegs – mit dem Ziel, altes Wissen mit modernen Ansätzen zu verbinden. „Dass ich überhaupt hier bin, war eigentlich eine Schnapsidee“, erzählte Berghold mit einem Schmunzeln. „Ich habe die Ausschreibung im IHK-Magazin gesehen. Dann ploppte das Thema immer wieder auf – und an einem verregneten Sonntag habe ich mich einfach mal hingesetzt.“ Die Bewerbung sei aufwändiger gewesen als gedacht, „aber dann hat sich Florian gemeldet – und plötzlich war ich im Halbfinale.“ Sein Ansatz ist klar: „Ich stehe für ehrliche, nachhaltige Arbeit. Mein Ziel ist es, Mensch und Obstbaum glücklich zu machen. Dass so etwas heute wieder eine Relevanz hat, macht mir Mut.“ Mit seinem Wissen, seiner Erfahrung und viel Leidenschaft will er Menschen für den achtsamen Umgang mit Natur begeistern – und damit auch etwas bewegen.

Ein ganz anderer Weg führte Lea Baumbach zur Teilnahme am Gründerpreis. Sie ist Geschäftsführerin der Netzfabrik Rudolf Baumbach in Lauterbach (Kategorie Nachfolge) – einem Familienbetrieb, der bereits seit 1954 textile Netze aller Art herstellt. Ob Fisch-, Sport- oder Einkaufsnetze: Die Produkte werden individuell gefertigt – und das seit drei Generationen. „Ich hatte die Wahl: duales Studium in Frankfurt oder in die Firma einsteigen. Ich habe mich für die Firma entschieden – das war Bauchgefühl. Und es war richtig.“ Die 29-Jährige machte eine Ausbildung im Büromanagement, stieg 2018 in das Unternehmen ein, studierte dual im Unternehmen – und übernahm 2024 die alleinige Geschäftsführung. „Ich bin bewusst anders an die Nachfolge herangegangen.“ Sie modernisierte Abläufe, führte KI-gestützte Prozesse ein und reduzierte Arbeitszeiten – mit großem Erfolg. „Wir haben kaum Fluktuation, ein motiviertes Team und eine echte Zukunftsbasis. Ich will zeigen, dass Nachfolge auch modern, mutig und innovativ sein kann.“

Pitch-Training als echtes Sprungbrett

Beim Pitch-Training erhielten die beiden Unternehmensführer direkt im Anschluss an ihre Präsentationen detailliertes Feedback von einer rund zwanzigköpfigen Auswahl von Menschen aus der Branche – darunter auch ehemalige Teilnehmende wie Malte Bürger. Die Rückmeldungen reichten von inhaltlichen Tipps über Strukturvorschläge bis hin zu Hinweisen zur Körpersprache und Wirkung. Das Training sei nicht nur wichtig für die Vorbereitung, betonte Florian Albinger, sondern ein klarer Baustein für langfristigen Erfolg: „Was hier passiert, hat oft direkte Auswirkungen auf den Verlauf der weiteren Präsentationen – die Teilnehmer nehmen sehr viel mit.“

Was ist der Hessische Gründerpreis?

Der Hessische Gründerpreis wird jährlich in vier Kategorien vergeben: Innovative Geschäftsidee, Gesellschaftliche Wirkung, Gründungen aus der Hochschule und Nachfolge. Wer sich bewirbt, durchläuft ein mehrstufiges Auswahlverfahren – das Halbfinale ist dabei der erste große öffentliche Auftritt vor einer Fachjury. Das Pitch-Training dient zur Vorbereitung auf diesen Moment – als Möglichkeit, sich selbst zu prüfen, Fehler zu erkennen und den Feinschliff vorzunehmen.

Fulda: Viel Potenzial, engagiertes Netzwerk

Auch wenn Fulda bei den Gründungszahlen in Hessen weiter hinten liegt, ist die Qualität der eingereichten Geschäftsideen bemerkenswert. Das Pitch-Training zeigt: Die Region hat Gründerinnen und Unternehmer, die mit Leidenschaft, Ideenreichtum und Haltung überzeugen. Die Veranstaltung bei Gebhardt+Moritz hat genau das sichtbar gemacht – in einer entspannten, wertschätzenden Atmosphäre. Bei Getränken, Imbiss und offenen Gesprächen wurde nicht nur gepitcht, sondern auch vernetzt, gelernt und unterstützt. Am 3. September wird es dann ernst: Beim Halbfinale des Hessischen Gründerpreises treten die beiden Fuldaer Vertreter gegen Mitbewerber aus ganz Hessen an. Ob junges Start-up oder Traditionsunternehmen in neuer Hand – beide haben beim Pitch-Training gezeigt, dass sie bereit sind.

Pitch-Training in Fulda. Fotos: Silas Messing