Ein Nachmittag voller Emotion, Virtuosität und jugendlicher Strahlkraft: Beim Klavierkonzert im Refektorium des Kloster Frauenberg traten sieben junge Pianistinnen und Pianisten aus 7 Ländern vor ein zahlreich erschienenes Publikum und bewiesen eindrucksvoll, dass großes musikalisches Können keineswegs eine Frage des Alters ist. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr das Publikum die spannenden Auftritte der von weit her gereisten Pianale Kandidatinnen und Kandidaten zu schätzen weiß.
Zur Begrüßung betonte Pater Cornelius Bohl, dass der Konzertsaal im Kloster zwar nicht mit den prunkvollen Schlössern der Umgebung konkurrieren könne, dafür aber mit einem ganz eigenen Charme punkte: mit der schönsten Aussicht auf die Stadt. Uta Weyand, Leiterin der Pianale, bestätigte, dass sich nun alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Kloster Frauenberg gut eingelebt hätten. „Seit sechs Tagen wohnt die Pianale hier und wir fühlen uns wie zuhause“, sagte Weyand und bedankte sich für die herzliche Atmosphäre.
Das abwechslungsreiche Programm führte quer durch die Musikgeschichte: Den Auftakt machte die Vietnamesin Lisa Nguyen, die in USA lebt. Sie spielte zwei Sätze aus der Sonate Es-Dur op. 31von Ludwig van Beethoven. Darauf folgte die von Álvaro Esteve Alcaìna aus Spanien jugendlich frisch interpretierte Ballade Nr. 1 von Frédéric Chopin. Und mit Chopin ging es auch weiter: der Brasilianer Carlos Vogt zeigte feinfühligen Klangsinn im Nocturne in c-Moll und meisterte die charmante Arpeggio-Etüde op. 25 Nr. 11 mit musikalischer Leichtigkeit.
Die junge Türkin Carmen Dilara Bagis zeigte in Joseph Haydns Sonate in Es-Dur (1. Satz), wie frisch und lebendig auch klassische Formen interpretiert werden können. Alexander Skrjabins Etüde op. 8 Nr. 12 wurde aus ihrer Hand mit Ausdruckskraft und Intensität zum emotionalen Höhepunkt vor der Pause.
Nach kurzer Unterbrechung ging es weiter mit Peter Tschaikowskys lyrischer Dumka, die zwischen Melancholie und Leidenschaft schwebte. Die Taiwanesin Shu-Fei Lu zauberte mit ihrer Darbietung eine gespannte Ruhe in den Saal.
Nika Auer aus Deutschland, die schon zum zweiten Mal bei der PIANALE mit dabei ist, nahm den dramatischen Bogen auf und führte das Publikum wieder zurück in die Welt Frédéric Chopins. Ihre Interpretation der 3. Ballade ließ aufhorchen und überzeugte durch die Balance von feinem Klavierspiel und großer Kraft.
Einen stilistischen Kontrast dazu bildete Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge, interpretiert von dem 17-jährigen Chinesen Ziwo Geng. Mit klarer Struktur und klanglicher Tiefe traf er den richtigen, konzentrierten Ton. Mit Franz Liszts „Wilde Jagd“ brachte er dann pure Energie auf die Bühne – ein virtuoses Feuerwerk und ein brillantes Schlussstück von hohem technischem Anspruch.
Das Publikum honorierte jede einzelne Darbietung mit begeistertem Applaus – und zeigte, dass das Konzert nicht nur eine Bühne für die jungen Talente war, sondern auch ein kulturelles Highlight für die Stadt.
Am Montagabend endet im Gelben Saal der Orangerie die erste Konzertrunde der PIANALE. Damit konnte man dann alle 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne erleben. Im Marmorsaal am Dienstag geht es dann in die zweite Konzertrunde. Alle werden sich mit einem neuen Programm erneut präsentieren. Alle Termine unter www.reservix.de oder www.pianale.com
