Das Klinikum Bad Hersfeld steht seit einiger Zeit vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Um diese anzugehen, wurde Katja Bittner als vorübergehende Geschäftsführerin eingestellt und hat in den vergangenen neun Monaten einiges umgesetzt. „Es war eine wirklich tolle und intensive Zeit“, erklärte sie in dem Pressegespräch: „Ich wurde sehr spontan angesprochen, aber im Nachgang möchte ich meinen, sagen zu können, dass es die richtige Entscheidung war.“
Die Interimsmanagerin habe sich in den vergangenen Monaten das Problem angesehen und erkannte einige organisatorische und personelle Wege, um dem Geldmangel entgegenzukommen. Großes Handlungsfeld sei vor allem die zentrale Notaufnahme gewesen, das in vielen Kliniken den „Flaschenhals“ darstelle, an dem es häufig scheitere, so Bittner. Vor allem personell habe es aber viele Änderungen gegeben. Zwar seien nur wenige der 64 Festanstellungen am Klinikum tatsächlich gekündigt worden, allerdings habe die Geschäftsleitung wesentliche Reduktionen bei den Honorar-Kräften im Bereich der ambulanten und stationären Psychiatrie vorgenommen. „In diesem Bereich haben wir die Anzahl halbieren können und dürften so 2,5 Millionen Euro pro Jahr einsparen“, stellte Bittner heraus. Weiter seien die beiden Intensivstationen zu einer zusammengelegt worden. Maßnahmen im Bereich OP seien noch in Planung, stellte sie weiter dar. Zu guter Letzt werde auch noch eine Erweiterung der Kapazitäten durch eine dritte Station geplant, auf die die Geschäftsführung allerdings nicht weiter einging. Genaue Zahlen zu den insgesamt eingesparten Kosten wollte die Interimsmanagerin zu diesem Zeitpunkt zwar nicht nennen, fügte aber an: „Wir haben definitiv den Turnaround geschafft.“ Es wäre rein theoretisch möglich, in fünf Jahren in Bad Hersfeld defizitfrei zu sein, stellte sie klar. Voraussetzung dafür sei allerdings auch eine dem Gesundheitswesen gegenüber konstruktive und unterstützende Politik: „Die Krankenhausreform steht bevor und wir wissen noch nicht, was die bringt.“ Erst wenn diese „durch sei“, könne das Krankenhaus sicherer planen.
Grundlegend sieht Bittner der Zukunft des Hersfelder Klinikums aber äußerst positiv, stellte sie klar. „Ich habe noch nie eine Klinik gesehen, die so viel Optimierungspotenzial hat wie Bad Hersfeld“, erklärte sie und ergänzte mit Blick auf die kommende Zeit: „Die Aufgabe ist groß, aber ich weiß, dass Herr Mock das schafft.“
Der neue Geschäftsführer blickt der Aufgabe bereits voller Tatendrang entgegen, weiß aber um ihre Komplexität und ihrer Schwierigkeiten. „Um diese Gemengelage unter einen Hut zu bringen, braucht es definitiv einen Plan“, sagte er entschlossen: „Ich denke mal, meine Aufgaben sind relativ klar: Wir müssen irgendwie mit der Klinikreform umgehen. Die stückweise Umstellung von stationär zu ambulant sowie und die Integration des Herzkreislaufzentrum stehen an.“ Dabei müssten die anstehenden Änderungen vor allem schnell umgesetzt werden, betonte er: „Ich sage mal, die 100 Tage zur Einarbeitung, die man so kennt, die gebe ich mir nicht. Ich denke auch, dass ich die nicht habe.“ Er fügte hinzu: „Ich versuche in der Zeit, in der Frau Bittner noch da ist so gut wie möglich das Krankenhaus und das Personal kennenzulernen, um in den kommenden zwei Monaten voll handlungsfähig zu sein.“
