Lokales FD 09.08.2025

Seilbahn über Fuldas Dächern? – Studienprojekt prüft Optionen

Fulda (as) – Schnell und effizient vom Hauptbahnhof durch die Lüfte zum Klinikum oder ins Gewerbegebiet: Die FDP in Fulda hatte sich im vergangenen Jahr dafür ausgesprochen, eine mögliche urbane Seilbahn zu prüfen. Was zunächst ungewöhnlich und aufwendig klingt, haben kürzlich Studierende der Hochschule Darmstadt durchgerechnet. In Fulda werden die Ergebnisse mit teilweise als innovativ oder als utopisch bewertet.

Symbolfoto: pixabay

Wie mögliche Seilbahn-Strecken in Fulda aussehen können, damit haben sich in diesem Jahr einige Studierende der Hochschule Darmstadt auseinandergesetzt. Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann, Prädekan und Mobilitätsbeauftragter der Hochschule sowie Leiter des Studienfelds Mobilität, hatte den Studierenden als Aufgabe gegeben, verschiedene Optionen auf die Machbarkeit, Gestaltung, Investitionshöhe und Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Die Ergebnisse hierzu wurden im Juni vorgestellt. Dazu zählt beispielsweise eine Strecke vom Hauptbahnhof Fulda ins Gewerbegebiet Petersberg beziehungsweise zur Ausfahrt an der A7. Wie die Studierenden vorrechnen, sei es möglich, während der Nutzung etwa alle zehn Minuten eine Kabine zu starten. Bei den Kosten, die sich je nach Ausstattung zwischen 46 und über 56 Millionen Euro allein als Investitionssumme belaufen, wird die finanzielle Herausforderung für ein solches Projekt deutlich. Auch bei anderen Verbindungen wie Hauptbahnhof – Goodyear-Areal – Klinikum Fulda, Hauptbahnhof – Hochschule – Gewerbegebiet Eisweiher sowie Hauptbahnhof – Berufsschulzentrum Petersberg rechneten die Studierenden mit Millionenbeträgen für die Investitionen einer neuen Seilbahn. Dabei kamen einige Gruppen zu dem Ergebnis, dass eine Tilgung der erbrachten Kosten nicht oder nur mit größeren Aufwendungen möglich ist.

Mario Klotzsche, Bezirksvorsitzender der FDP Nord- und Osthessen sowie Kreisvorsitzender in Fulda, sieht einige Vorteile für ein mögliches Projekt: „Die Region Fulda braucht neue Impulse – und eine urbane Seilbahn kann ein solcher Impuls sein. Sie ist leise, effizient, klimafreundlich und technisch ausgereift.“ Er stellt fest, dass es einige Probleme im öffentlichen Nahverkehr gebe: „Wir kämpfen mit akutem Fahrermangel, gerade im Busverkehr. Busse stehen im Stau, die Fahrpläne sind löchrig, viele Menschen warten an Haltestellen vergeblich oder steigen entnervt aufs Auto um.“ Gleichzeitig wachse der Druck, Emissionen zu senken, Flächen effizienter zu nutzen und die Lebensqualität in den Städten zu verbessern. Klotzsche führt weiter aus, dass es in vielen Regionen der Welt längst urbane Seilbahnen als Teil des Verkehrskonzeptes gebe: „Die Systeme sind vergleichsweise schnell zu planen und zu bauen, benötigen wenig Platz, erzeugen keine lokalen Emissionen und verursachen im Betrieb deutlich geringere Kosten – insbesondere, weil kein Fahrpersonal notwendig ist. Die Gondeln fahren in kurzer Taktung, sodass der Einstieg jederzeit möglich ist – ganz ohne Fahrplanstress.“

Der Kreisvorsitzende der FDP hebt weitere zusätzliche positive Aspekte hervor, etwa für den Tourismus: „Der Blick über die Dächer der Stadt, zum Dom, zur Rhön: Das schafft Erlebnisqualität, von der auch Gastronomie, Handel und Kultur profitieren können.“ Gleichzeitig werde statt Pendlerverkehr ein komfortabler und moderner Einstieg in die Stadt ermöglicht. Als Beispiel nennt er Heilbronn, wo der Gemeinderat mit großer Mehrheit die Realisierung einer Seilbahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und dem entstehenden KI-Quartier beschlossen hat: „Das zeigt: Wer klug investiert, kann Mobilität, Stadtentwicklung und Innovation sinnvoll verknüpfen.“ Klotzsche ergänzt als Vergleich: „Seit vier Jahren wird die CityBahn geprüft – und das bei einer vorhandenen Trasse. Ziel sind lediglich zwei zusätzliche Haltepunkte. Doch selbst diese minimale Erweiterung kommt nur im Schneckentempo voran. Für eine Region mit dem Anspruch, zukunftsfähig zu sein, ist das zu wenig. Wenn wir vorankommen wollen, müssen wir schneller und mutiger denken.“

Der Bezirksvorsitzende der FDP Nord- und Osthessen berichtet, dass er selbst die Präsentation der Studienergebnisse im Seminar vor Ort erlebt habe: „Die Studierenden haben mit großem Engagement und frischen Ideen vier mögliche Streckenverläufe für eine Seilbahn in Fulda untersucht. Besonders spannend fand ich, dass auch die logistische Nutzung – etwa für den Pakettransport – mitgedacht wurde.“ Er räumt ein, dass es sich bei den vorgestellten Konzepten nicht um fertige Planungsgrundlagen handele: „Aber sie liefern eine fundierte Basis für eine weiterführende Diskussion. Deshalb ist aus meiner Sicht der nächste logische Schritt eine professionelle Machbarkeitsstudie.“ In dieser sollen die möglichen Optionen der Strecken, Betriebskosten und technische Rahmenbedingungen geprüft werden. „Wir laden alle Beteiligten ein, diese Debatte konstruktiv zu führen. Nicht ideologisch, sondern lösungsorientiert. Fulda kann hier zum Vorreiter werden – wenn wir den Mut dazu haben“, so Klotzsche abschließend.

SPD Fulda: Realismus statt Utopie

Die SPD Fulda äußert sich dagegen eher kritisch zu der Idee einer Seilbahn in Fulda. In einer Pressemitteilung erklärt der Stadtverband: „Statt irgendwelchen Utopien nachzugehen, sollte die Stadt realistisch bleiben und zuerst den vorhandenen öffentlichen Nahverkehr auf Vordermann bringen.“

Die weitere Pressemitteilung des SPD Stadtverbands Fulda im Wortlaut:

‚Der Traum von einer Seilbahn vom Bahnhof zur Hochschule sollte einer bleiben. Was nicht heißen soll, auch futuristische Gedankenspiele zu hegen. Bevor aber solche Gedanken ins Spiel kommen, müsse zuerst einmal ein schlüssiges Konzept her, wie der öffentliche Nahverkehr in der Stadt so ausgebaut wird, damit eine spürbare Akzeptanz erreicht werde.

Ein teures Seilbahnprojekt für eine relativ kurze Strecke passe dabei nicht ins Konzept. Zuerst sollte die Stadt, sinnvollerweise gemeinsam mit dem Landkreis, ihre Hausaufgaben erledigen. Der Busverkehr im Stadtbereich sei bei Weitem noch nicht optimal. Das Tempo zur Umsetzung des vorhandenen Nahverkehrsplan müsste erheblich gesteigert werden, so der SPD-Stadtverband.

Eine Seilbahn wäre sinnvoll zur Überwindung großer, topografisch schwieriger und verkehrsreicher Strecken. Für Fulda sehe man deshalb keinen Bedarf. Der öffentliche Nahverkehr sollte nicht nur unter rein betriebswirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden. Trotzdem sehe man in einem solchen Projekt keine vernünftige Kosten-Nutzen-Relation. Einen Ersatz oder eine Ergänzung zum Busverkehr könne man ebenfalls nicht feststellen. 

Die Stadt Fulda täte gut daran, ein solches Projekt nicht ernsthaft zu verfolgen. Was nicht heißen soll, den Blick in die Mobilitätszukunft zu verstellen. Eine bessere Einbindung des überregionalen Schienenverkehrs zum Beispiel wäre naheliegender, wichtiger und vor allem realistischer.‘