Dart 13.08.2025

PDC Next Gen – Klingelhöfer holt ersten PDC-Turniersieg

Sindelfingen (jah) – Was für ein Triumph für Patrick Klingelhöfer: Der gebürtige Rhöner hat mit dem Sieg bei der PDC Next-Gen-Tour sein erstes Profiturnier gewonnen und sich damit erneut für die Darts Super League Anfang November in Hildesheim qualifiziert. Der Turniersieg war für „The Fire“ in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes – vor allem emotional.

Foto: privat

Am Samstagabend erhielt Klingelhöfer die traurige Nachricht, dass zwei Familienmitglieder am Mittag verstorben waren. „Deswegen wollte ich eigentlich gar nicht am Turnier am Sonntag teilnehmen und mit dem Zug nach Hause fahren. Meine Frau hat mich aber davon abgehalten und gesagt, dass das jetzt auch nichts bringt“, gab der 37-Jährige Einblicke in seine Gefühlswelt. „Wir waren außerdem mit einer Fahrgemeinschaft da. Auch da haben alle gesagt, wir sind zusammen angereist, wir fahren auch mit dir zusammen nach Hause. Das war eine super Aktion.“

Dennoch entschied sich der Dartprofi, vor allem nach der Rücksprache mit seiner Frau, am elften Event der PDC Next Gen Tour teilzunehmen – was sich im Nachhinein als absoluter Glücksfall herausstellen sollte: Im FA-Cup Modus ausgetragen, war Klingelhöfer beim Turnier am Sonntag nicht aufzuhalten – dabei hatte der in Rhön aufgewachsene Darter nicht mal seine eigenen Pfeile dabei. „Die Tasche war noch von der Vorwoche gepackt, mir ist dann aber aufgefallen, dass ich nur meine E-Darts dabei hatte.“ Klingelhöfer musste also improvisieren, testete verschiedene Modelle von einigen Kontrahenten aus – und entschied sich am Ende für die Darts von Steven Noster. „Mit denen bin ich dann augenscheinlich ganz gut klar gekommen“, schmunzelte der 37-Jährige.

Treffend formuliert, immerhin gab „The Fire“ bis ins Halbfinale nur ganze vier Legs ab. In der Vorschlussrunde wartete mit Daniel Klose dann ein ehemaliger Tour Card Holder. „Mir wurde gesagt, er hat zuletzt 28 Spiele in Folge gewonnen“, berichtete Klingelhöfer, der sich davon jedoch nicht beeindrucken ließ. Der Rhöner passte sich dem starken Niveau von Klose ohne Probleme an, beide spielten am Ende einen Average von über 90 Punkten. Klingelhöfer bewies Nervenstärke und zog ins Finale ein – wo mit Paul Krohne der vielleicht aktuell stärkste Spieler der Next Gen Tour auf den Bundesligaspieler des Karlsruher SC wartete. Genau wie Klose war auch Krohne im letzten Jahr Inhaber einer Tour Card, galt im Vorfeld des Endspiels als Favorit. Patrick Klingelhöfer konnte die Scoring-Power des 24-Jährigen zwar nicht mitgehen, bestach aber immer wieder durch brillantes Timing. Beim Stand von 5:4 vergab der 37-Jährige bereits zwei Matchdarts auf der Doppel-16, Krohne checkte souverän und so musste erneut der Decider herhalten. „Und da ist Paul sensationell gestartet. Nach 180, 140 und 134 Punkten stand er nach neun Darts auf 47 Rest. Da dachte ich mir schon, das Ding ist durch. Vor allem weil ich selbst nicht gut gescored habe“, erinnert sich Klingelhöfer an das Entscheidungsleg des Finals. Doch trotz aller Umstände blieb der Dartprofi bei sich, gab nicht auf. „Was ich im Übrigen niemals tue. Ich werfe keinen Dart einfach weg, man weiß nie was passiert.“

Und das sollte sich auszahlen. Krohne vergab seinerseits ganze sieben Matchdarts, Klingelhöfer spielte sich mit soliden Aufnahmen bis auf 90 Restpunkte runter. „Und dann habe ich meinen typischen Weg über die Triple 20 und Doppel 15 gespielt. Danach ist alles von mir abgefallen“, erklärte der „The Fire“ seine emotionale Achterbahnfahrt und freut sich nun bereits auf die Super League im November: „Das hat mir ordentlich Selbstvertrauen gegeben und war auch einfach mal wichtig für den Kopf. Ich habe gesehen, dass ich auch die Topspieler schlagen kann. Warum sollte mir das bei der Super League also nicht auch gelingen?“ Der Sieger des PDC-Events in Hildesheim darf bekanntlich an der Darts-WM im legendären Alexandra Palace in London teilnehmen – ein Ziel, auf das Patrick Klingelhöfer schon lange hinarbeitet. Mit dem emotionalen Turniersieg in Sindelfingen ist er diesem Traum nun einen großen Schritt näher gekommen.