Damit beginnen die Bad Hersfelder Festspiele mit einer Uraufführung, denn Michael Schachermaier, der gleichzeitig stellvertretender Intendant und Oberspielleiter ist, hat als Auftragswerk extra eine neue Fassung geschaffen und führt auch Regie. Im Mittelpunkt der Handlung steht Parzival, ein junger Held, der – geprägt von Naivität und innerer Unvollkommenheit – seine aufregende Reise ins Rittertum und in die Mysterien des Seins antritt. Zunächst abgeschirmt von der Gesellschaft durch seine Mutter, wächst er sodann als Außenseiter in eine ihm unbekannte Welt der höfischen Etikette und kriegerischen Ehre hinein und muss sich dann Herausforderungen stellen, die gleichermaßen von ritueller Tradition und tief empfundenen spirituellen Sehnsüchten durchdrungen ist.
Die nächste Premiere steht dann gleich am 27. Juni 2026 an. „Something Rotten – Das lustigste Musical seit 400 Jahren“ wird auf die Bühne gebracht. Regie bei dem Musical von Wayne und Karey Kirkpatrick nach dem Buch von Karey Kirkpatrick und John O’Farrell führt Matthias Davids, die musikalische Leitung liegt bei Christoph Wohlleben. In der Deutschen Erstaufführung schlagen sich die beiden Brüder Nick und Nigel Bottom im London des Jahres 1595 als mittelmäßig erfolgreiche Theatermacher durch – ganz im Schatten des großen William Shakespeare. „Am Broadway läuft das Musical rauf und runter. Wir sind sehr froh, im kommenden Sommer die Deutsche Erstaufführung präsentieren zu können“, zeigte sich die neue Intendantin der Festspiele, Elke Hesse, begeistert von der Premiere - und konnte für den darauffolgenden Tag direkt ein weiteres Highlight ankündigen: „Am 28. Juni kommt das HR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Alain Altinoglu nach Bad Hersfeld und wird den Karneval der Tiere aufführen."
Zwei weitere Stücke sind im kommenden Sommer in der Stiftsruine zu sehen. Unter der Regie von Marlene Anna Schäfer feiert am 3. Juli 2026 „Lysteria oder Die Fantasie von Frieden“ von Aristophanes nach einer Überschreibung von Amanda Lasker-Berlin Premiere. Das Stück erzählt davon, wie Menschen ins Handeln kommen, um die Gesellschaft zu gestalten, von der Macht der Worte und der Diplomatie. Von der Vielfalt des Protests und davon, wie viele verschiedene Stimmen es braucht, um etwas zu verändern. Von Menschen, die die Kraft finden, den Krieg, der sich in alle Bereiche des Lebens eingeschlichen hat, zu vertreiben und es schaffen, sich als Individuen zu begreifen und nicht als Werkzeuge für den Krieg.
Zudem wird in der Jubiläumsspielzeit „Pippi Langstrumpf“ gezeigt. Der bekannte Stoff von Astrid Lindgren wird in einer Fassung von Nicole Claudia Weber, die auch Regie führt, und Stine Kegel auf die Bühne gebracht, die Musik hat Bettina Ostermeier beigesteuert. Die Premiere dieses Kinderstücks findet schon vor dem eigentlichen Beginn der Festspiele am 22. Juni mit einer kleinen Eröffnung statt. Ausgehend von der ersten Fassung Astrid Lindgrens soll die Villa Kunterbunt in der Stiftsruine ein Theaterstück werden, dass Groß und Klein begeistert. Theater eben für junges und junggebliebenes Publikum ohne den moralischen Zeigefinger, was auch der neuen Intendantin Elke Hesse besonders wichtig ist: „Wir legen Wert auf Konzerte für alle Generationen, also auch für jüngeres Publikum. Mit neuen Angeboten im Bereich der Jugendkultur und über Kooperationen mit Schauspielschulen möchten wir neben dem treuen Publikum auch neue Zuschauerinnen und Zuschauer gewinnen.“
Auch im Schloss Eichhof werden im kommenden Jahr wieder zwei Stücke gezeigt. Den Auftakt bildet am 4. Juli die Premiere von „Die Schule der Frauen“ von Wolfgang Deichsel nach Molière. Es handelt sich um ein Gastspiel Volksbühne im Großen Hirschgraben Frankfurt unter der Regie von Sarah Groß. Ab 24. Juli wird dann als Gastspiel des Altonaer Theaters „Achtsam Morden“ nach dem Roman von Karsten Dusse unter der Regie von Axel Schneider zu sehen sein.
Intendantin Elke Hesse aus Wien hat sich zum Ziel gesetzt, die künstlerischen Prozesse bei den Bad Hersfelder Festspielen qualitativ weiterzuentwickeln und neue Zuschauergruppen zu begeistern. Hesse stellte sich und das Programm für die kommende Spielzeit gemeinsam mit Bürgermeisterin Anke Hofmann am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Stiftsruine vor.
